Politik

Daimler-Chef Zetsche bekräftigt Kampfansage an Untertürkheimer Belegschaft

Stuttgart-Sindelfingen (Korrespondenz), 14.03.17: "Zetsche stellt sich den Fragen der Belegschaft". So war das Kommen von Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Betriebsversammlung letzte Woche im Motorenwerk Untertürkheim angekündigt. Der hohe Besuch war offensichtlich notwendig, hatte doch Zetsches Ansage im Zusammenhang mit dem Einstieg in die Elektromobilität: "Beim Antrieb so früh wie möglich reduzieren" Wellen geschlagen. 6.500 Beschäftigte kamen zur Betriebsversammlung.

Zunächst bedankte er sich für die Rekordzahlen und gab die Botschaft aus: "Niemand muss hier Angst um seinen Arbeitsplatz haben". Doch dann sprach Zetsche von den strategischen Zielen in Untertürkheim:

  • Es seien alle bisherigen Stammbeschäftigten gesichert.
  • In den nächsten 20 Jahren gibt keine Neueinstellungen, keine Übernahme der Leiharbeiter, kein Ersatz für Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen, z.B. durch Rente. Das bedeutet ein erhebliches Schrumpfen der Belegschaft, um etwa 30 bis 50 Prozent.
  • Wenige Auszubildende, und die sollen vor allem in die Montage.
  • 8 Prozent Leiharbeits-Quote als Dauer-Standard und Auswechslung der Leiharbeiter alle drei Jahre.
  • Die Verbrennungsmotoren sollen auch noch im Jahr 2025 75 bis 85 Prozent an der Gesamtproduktion des Daimler-Konzerns ausmachen. Zugleich kommen immer mehr E-Autos, -LKWs und -Busse auf den Markt, aber in recht geringer Stückzahl. Dafür soll es in Untertürkheim eine gewisse Forschung, Entwicklung und Anlauf-Produktion geben, wo der Umfang aber offen ist.

Zetsches Argumentation: Etwa ab 2030 bräuchte man erheblich weniger Mitarbeiter. Man will jetzt niemanden einstellen, den man in 10 bis 20 Jahren rausschmeißen muss.

Beim Einsatz des Internationalistischen Bündnisses und der MLPD vor der Schleyerhalle wurde deutlich, dass derzeit noch eine Abwartehaltung in der Belegschaft vorherrscht. In der Kritik vieler Kollegen steht zwar, dass Ende Mai 120 Leiharbeiter gekündigt werden sollen oder die Fremdvergabe von Baugruppen an Zulieferanten mit dem Betriebsrat vereinbart wurde. Aber noch vertrauen viele auf die angebliche Arbeitsplatzsicherung durch die vor kurzem beschlossene Betriebsvereinbarung.

Gleichzeitig trifft die von den "Offensiven Metallern" vorgetragene Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und die Kritik an der Umweltzerstörung auf Offenheit bei den Kollegen.