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Gutachten von Monsantos Gnaden stellt Freibrief für Glyphosat aus

18.03.17 - Am vergangenen Mittwoch hat ein vorläufiges Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) dem hochgiftigen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat einmal wieder einen Freibrief ausgestellt. Der Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA (RAC) kam zu dem Schluss, "dass die vorliegenden Nachweise nicht ausreichten, um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat als krebserregend, mutagen oder fortpflanzungsgefährdend einzuordnen."

Die Argumentation ist absurd und unwissenschaftlich. Es ist nachgewiesen, dass Glyphosat hochgiftig ist und Flora und Fauna schwer schädigt. Es vernichtet nicht nur Unkraut, sondern auch Nutzpflanzen. Insekten sterben, insbesondere Bienen. Es entwickeln sich Resistenzen. Im Tierversuch wurden zahlreiche Krankheiten und Missbildungen nachgewiesen. Glyphosat greift in den menschlichen Organismus ein. Einen solchen Wirkstoff wegen "nicht ausreichender" Nachweise als ungefährlich einzustufen, ist einer wissenschaftlichen Organisation, wie sie die ECHA sein will, nicht würdig. Müssen erst Hunderttausende krank werden oder sterben, bevor die "Nachweise" ausreichen? Müssen genetische Veränderungen, Missbildungen und Krebserkrankungen erst für Generationen nachgewiesen werden? Nein! Glyphosat gehört aufgrund der bisherigen Erkenntnisse komplett verboten. Zumal es Alternativen gibt. Diese müssen besser erforscht und eingesetzt werden.

Gestützt auf die umfangreichen Forschungsergebisse der Weltgesundheitsorganisation und anderer schreibt Stefan Engel in "Katastrophenalarm! - Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?": "Glyphosat ist das weltweit am meisten verkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Es gilt als krebserregend, fruchtschädigend und kann zu Fehlgeburten und Missbildungen führen. Es schädigt im Wasser lebende Organismen und führt vermehrt zur Entwicklung resistenter Unkräuter. … Glyphosat ist heute weltweit allgegenwärtig. So lassen sich auch in Deutschland kaum noch Menschen finden, bei denen sich kein Glyphosat im Urin nachweisen ließe."

Am 29. Juni 2016 hatte die EU-Kommission im Alleingang die Zulassung von Glyphosat in Europa um bis zu 18 Monate verlängert, nachdem die bisherige Zulassung ausgelaufen war. Nach massiven Protesten kam es bei den Abstimmungen unter den EU-Mitgliedsstaaten nicht zur erforderlichen Mehrheit für die Fortsetzung der Zulassung. Frankreich und Malta stimmten dagegen, Deutschland und sechs weitere Länder enthielten sich. Die von den Herstellern geforderte Verlängerung um 15 Jahre wagte die EU-Kommission damals nicht. Es wurde ein neues Gutachten in Auftrag gegeben - eben das, das die ECHA jetzt vorlegt. 

Schon letztes Jahr hat der Epidemiologe Eberhard Greiser von der Universität Bremen aufgedeckt, dass eine ganze Reihe von Studien von den zuständigen Behörden, dem deutschen Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) sowie der europäischen Agentur für Ernährungssicherheit (EFSA), im Wiederzulassungsverfahren nicht berücksichtigt wurden. Jetzt wurden in den USA neue Vorwürfe gegen den Saatgut- und Herbizid-Konzern Monsanto laut, bis heute einer der größten Hersteller von Glyphosat und kurz vor der Übernahme durch den deutschen Bayer-Konzern. Die New York Times berichtete am Dienstag darüber, wie Monsanto Einfluss auf Wissenschaftler und auf die amerikanische Umweltbehörde EPA genommen hat. So soll Monsanto direkt an Studien mitgearbeitet haben, die später als Arbeiten unabhängiger Wissenschaftler ausgegeben worden seien. Der Bericht beruht auf Dokumenten aus einem Gerichtsverfahren im Bundesstaat Kalifornien, die der New York Times und auch der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Vor dem Gericht klagen Betroffene, die am Non-Hodgkin-Lymphom, einer bösartigen Erkrankung des Lymphsystems, leiden. Aus dem internen Schriftverkehr geht hervor, dass Monsanto schon Monate vor der kritischen Veröffentlichung der WHO einen Tipp bekommen hatte, und zwar von einem Abteilungsleiter aus der Umweltbehörde EPA.

Wie bei VW wird hier mit kriminellen Machenschaften, mit Betrug, mit Täuschungsmanövern und der Unterdrückung von Kritikern und nicht konformen Wissenschaftlern auf Kosten von Umwelt und menschlicher Gesundheit Maximalprofit gescheffelt. Kein Wunder, dass die Vertreter der Agrarmonopole jetzt jubilieren. Graeme Taylor vom europäischen Verband der Pflanzenschutzmittelhersteller ECPA (European Crop Protection Association): "Wir erwarten, dass die Kommission nun rasch mit dem EU-Zulassungsprozess der Substanz fortfährt und eine 15-jährige Genehmigung ausspricht. Denn das war der Zeitraum, der ursprünglich von der Kommission vorgeschlagen wurde." Verantwortungsbewusste Wissenschaftler hingegen gehen auf die Barrikaden. So hält die Health and Environment Alliance (HEAL) die Entscheidung für einen herben Rückschlag in Sachen Krebsvorsorge. Sie widerspreche den Aussagen der weltweit glaubhaftesten Einrichtung für Krebsforschung – dem Internationalen Krebsforschungszentrum (IARC) der WHO.

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