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Nach der Razzia bei Audi - Forderung nach lückenloser Aufklärung und persönlicher Haftung bekräftigen!

19.03.17 - Wie schon etliche VW- und Audi-Manager vor ihm, wollte der Ingolstädter Audi-Chef Rupert Stadler letzte Woche wieder einmal die VW-Krise beenden. Die Staatsanwaltschaft München II machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Kurz vor der Präsentation der Jahresergebnisse 2016 im Ingolstädter Audi-Forum rückten etwa 100 Staatsanwälte und Polizisten gleichzeitig in Ingolstadt, Neckarsulm und sieben weiteren Audi-Standorten an und führten eine gründliche Razzia in Büros und Wohnungen durch. Die Ermittler listeten 47 Manager auf, bei denen sie nach möglichen Beweismitteln für ihre Verstrickung in den gigantischen Abgasbetrug suchen. Dazu gehören Rupert Stadler und der VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller.

Der VW-Konzern protestierte scharf gegen die Ermittlungen – vor allem, weil sie auch die US-Kanzlei Jones Day ins Visier nehmen und diese durchsucht wurde. "Wir halten das Vorgehen der Staatsanwaltschaft München in jeder Hinsicht für inakzeptabel", teilte VW mit. "Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln hiergegen vorgehen." Das verwundert nicht. Mehrfach hat VW angekündigt, die Ergebnisse der Ermittlungen der Kanzlei zu veröffentlichen. Dies ist bis heute nicht geschehen. Überheblich erklärte VW, dass das "Statement of Facts" aus dem US-Vergleich alles sei, was die Öffentlichkeit zu lesen bekomme: "Aus VW-Sicht ist dem nichts hinzuzufügen. Die Aufarbeitung ist abgeschlossen." In den Räumen der Kanzlei wähnten die Profiteure und Betrüger von VW die Dokumente vor unerwünschtem Zugriff sicher - insbesondere vor US-Schadenersatzklägern und vor der deutschen Staatsanwaltschaft. Das galt bis letzte Woche.

Bereits vor der Razzia war die Beweislast erdrückend. Dazu beigetragen haben u.a. frühere Audi-Beschäftigte, die Stadlers Bauernopfer geworden sind, darunter ein Ingenieur aus der Motorenentwicklung. Vor Gericht wies er nach, dass kritische interne Präsentationen ("Wir sind nicht sauber") von ganz oben massiv unterdrückt wurden.

Immer, wenn ein neues Detail des VW-Betrugssystems ans Licht kommt, heißt es in manchen Medien, dieser und jener habe nun doch schon "viel früher Bescheid gewusst". Darum geht es schon lange nicht mehr! Der gigantische Betrug an Hunderttausenden Autokäufern, an der Umwelt, der menschlichen Gesundheit, den VW-Beschäftigten, der Öffentlichkeit wurde bewusst und aus den Chefetagen heraus angeordnet und gesteuert. Das hat die MLPD schon in der ersten Auflage der Broschüre "Wie Automonopole mit Hilfe des Staates Milliardenprofite durch höchst kriminelle Machenschaften einstreichen" nachgewiesen.

Gemischte Gefühle treiben die Kolleginnen und Kollegen bei Audi in Ingolstadt um. "Früher hatte ich das Gefühl, man muss hier zwar hart buckeln, aber das Unternehmen ist im Prinzip nicht schlecht, macht auch viel für die Stadt und die Kultur und die Umwelt, und mein Arbeitsplatz ist sicher. In Dauernachtschicht hatte ich ein sicheres Auskommen. Aber wie geht es jetzt weiter?" Ein Kollege berichtet: "Die Leute sind unzufrieden. Die eine Linie wird zu regelmäßiger Samstagsarbeit erpresst. Sonst würden Typen verlagert. Die anderen werden gezwungen, Freischichten und Urlaubstage zu nehmen." Während vor eineinhalb Jahren auch unter den Kollegen noch die Ansicht überwog, dass Audi nicht zu den Betrügern gehört, werden die Kollegen immer wütender auf die Chefetage. Einer schlägt drastische Strafen vor: "Nackt durchs Werk treiben und auspeitschen". Viele finden die Argumentation, dass die Verantwortlichen persönlich haften sollen, gut. Ein Angestellter zum Verteiler der Kollegenzeitung Vorwärtsgang: "Für Ihren Ansatz spricht einiges".

Nie und nimmer hatten die verantwortlichen VW-Manager damit gerechnet, dass ihr Betrugssystem auffliegen und womöglich aufgeklärt werden könnte. So sicher wähnten sie sich in ihrem Machtzentrum des allein herrschenden Finanzkapitals, mit der Bundesregierung als willfähriger Dienstleisterin und rechten Gewerkschaftsführern als hochbezahlten Co-Managern. Sie hatten nicht mit der Energie der US-Behörden gerechnet, die "ihren" Monopolen einen Vorteil verschaffen wollen. Und sie hatten wohl angenommen, die Krisenlasten auf Belegschaft und Gesellschaft abwälzen zu können. Mit vereinten Kräften muss das verhindert werden!

Die Pressemeldungen zur Audi-Razzia betonen, dass Stadler, Müller und die 45 anderen nicht als "Beschuldigte" gelten. Juristisch mag das - noch - gelten. Aber in den Augen der Massen sind VW-Konzernspitze, Bundeskanzlerin Merkel und ihr VW-Minister Dobrindt verantwortlich für die VW-Krise und alle ihre Folgen, insbesondere Zehntausende zusätzliche Todesopfer von Stickoxiden. Sie gehören vor den Kadi, mit ihrem Privatvermögen müssen sie für alle Schäden haften. Mit ihrem Auftritt vor dem VW-Untersuchungsausschuss kann sich Frau Merkel, die Kanzlerin der Autoindustrie, nicht herauswinden. Laufen im Bundeskanzleramt und im Bundesverkehrsministerium schon die Aktenvernichter und die E-Mail-Löschprogramme?