Umwelt

Es gibt kein sicheres Endlager für Atommüll

Es gibt kein sicheres Endlager für Atommüll
Was passiert mit dem Atommüll? Im Foto, das mittlerweile abgerissene Versuchs-AKW Kahl in Bayern (foto: Apfel3748/CC BY-SA 3.0)

25.03.17 - Wissenschaftlichen Einwänden und Kritiken zum Trotz stimmten Unionsparteien, SPD und Grüne am Donnerstag in - bei Atomfragen inzwischen gewohnter Einheit - für das Gesetz zur Endlagersuche. Es basiert auf der Lüge von einem angeblich sicheren Atommüll-Endlager, hält dafür unter anderem am Standort Gorleben fest, beinhaltet ein völlig lückenhaftes Exportverbot für Atommüll sowie unzureichende Rechtsschutzmöglichkeiten und fehlende Transparenz für alle Betroffenen.

2022 soll in Deutschland der letzte Atomreaktor stillgelegt werden. 30.000 Kubikmeter hochradioaktive Abfallstoffe hinterlassen uns die vier Energiemonopole. Die vierfache Menge an Atomkraftwerksmüll wird für die Betreiber kostengünstig und verantwortungslos zu Hausmüll deklariert und auf einfachen Deponien entsorgt oder verbrannt. Während Vattenfall, Eon, RWE und EnBW Hunderte Milliarden Euro Gewinne machten, wälzen sie mit Hilfe des Endlagergesetzes das Dilemma der Atommüll-Lagerung für Millionen von Jahren auf die ganze Menschheit ab. Zum Vergleich: Den Homo sapiens - also die Form des Menschen, die wir heute auch noch darstellen - gibt es seit ungefähr 160.000 bis 200.000 Jahren. Mit gerade mal 23 Milliarden Euro konnten sich die Atom-Konzerne von jeder zukünftigen Haftung und Verantwortung für den strahlenden Müll freikaufen.

In den bürgerlichen Medien wird nicht mit lobenden Worten gespart, die die Bevölkerung in Sicherheit wiegen sollen. Die Suche nach einem Endlager könne jetzt endlich "wissenschaftlich, transparent und ergebnisoffen" ablaufen. Aber das Gesetz entbehrt jeglicher Wissenschaftlichkeit: ein sicheres Endlager für eine Million Jahre wird es nicht geben. Der MLPD-Vorsitzende Stefan Engel kommt in seinem Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur" zu dem Ergebnis: "Bis heute gibt es nirgendwo ein auch nur annähernd akzeptables Modell, was mit dem giftigen Abfall passieren soll, der noch Millionen Jahre strahlen wird."

Durch die Bewegung der Erdkruste entstehen selbst im härtesten Gestein Klüfte, durch die sowohl in Salz, Ton als auch in Granit Wasser eindringen kann. Wie im akut einsturzgefährdeten Salzbergwerk Asse II, wo 125.787 Fässer vor sich hinrosten. 12.000 Liter zum Teil radioaktive Salzlauge werden täglich an einen bewusst geheimgehaltenen Ort abgepumpt. Wolfram König, Chef der Bundesoberbehörde und Mitglied der Grünen, will damit massiven Protesten an den Einlagerungsorten vorbeugen: "Keiner will das Wasser haben." Das gibt einen Vorgeschmack darauf, wie die Regierung gedenkt, mit dem Atommüll zukünftig umzugehen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verspricht, "das Chaos in Sachen Atommüll" zu ordnen. Es waren aber die bürgerlichen Politiker selbst, die durch ihre Atompolitik dieses Chaos verursachten, indem sie die Atommonopole den Atommüll überhaupt erst produzieren ließen. Mit dem Beschluss vom Donnerstag halten sie an der Politik der Verharmlosung, Vertuschung und Nichtinformation der Bevölkerung fest. Hendricks Lobgesänge vom "friedlichen Protest gegen die Atomenergie" als einer der "großen Leistungen der Demokratie“ können nach Jahrzehnten der Unterdrückung und Kriminalisierung des Widerstands gegen Atomkraft nur als zynisch bezeichnet werden. So demonstrierten alleine in Deutschland kurz nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima (Japan) im März 2011 über 500.000 Menschen.¹ Weltweit waren Millionen auf der Straße. Auch heute kommt es in Japan regelmäßig zu großen Protesten, wenn die japanische Regierung das Wiederanfahren der japanischen AKW propagiert. In Deutschland musste bisher jeder Transport von Atommüll via Castor gegen den erbitterten Protest Tausender bis Zehntausender mit der Polizei durchgeprügelt werden.

Nicht zuletzt ist das Gesetz auch ein neuer Gipfelpunkt des Verrats der Grünen an der Umweltbewegung. Es war ihr ehemaliger Chef Jürgen Trittin, der den skandalösen "Kompromiss" zur Abwälzung der Atommüllentsorgung auf die ganze Gesellschaft ausgehandelt hat.

Die Geschichte des Kampfes gegen die Atomenergie zeigt deutlich, dass nur der weltweite aktive Widerstand die Menschheit vor der tödlichen Gefahr der Atomenergie retten kann. Die überparteiliche Umweltgewerkschaft fordert "ein sofortiges Abschalten aller Atomanlagen und ein Abrüsten aller nuklear belasteten Waffen weltweit". Auch die Internationalistische Liste/MLPD tritt mit klaren Forderungen gegen die Abwälzung der Atomüllkosten auf die Bevölkerung zu den Bundes- und Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen an. Die Atommonopole sollen das von ihnen zu verantwortende Umweltdebakel selber zahlen!

¹ Rote Fahne-Interview mit Stefan Engel, November 2011

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