International

Generalstreik in der französischen Kolonie Guyana

Paris (Korrespondenz), 01.04.17: In der französischen Kolonie Guyana findet seit 12 Tagen ein Generalstreik statt. Der Zorn brach sich Bahn angesichts der Krisensituation und der Vernachlässigung des "Departements" (so heißen die Kreise bzw. Regionen in Frankreich) in Übersee. Verfall und Mangel an Schulen und Krankenhäusern, eine empörende Wohnungssituation, wachsende Kriminalität und die allgemeine Armut - das Land ist 30 Jahre im Rückstand im Vergleich zu den Standards in Frankreich: ein Zustand, der sich verschlimmert trotz immer wieder gemachter Versprechen.

Erst nach 12 Tagen sah es die Hollande-Regierung für nötig an, die zuständige Ministerin nach Guyana zu schicken, aus Angst, dass sich die Streikwelle auf die anderen Kolonien auf den Antillen ausbreitet, wo die Situation nicht viel anders ist. Die Ministerin musste sich öffentlich für ihre verspätete Reise vor der Menschenmenge entschuldigen, erst danach war die Bahn frei, um die Verhandlungen der Forderungen neu aufzunehmen. Der Zeitpunkt des Streiks ist gut gewählt: Drei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und kurz vor einem neuen Start der Europarakete Ariane, der vom Weltraumbahnhof in Guyana erfolgen soll, und wegen der Proteste und Streiks der Beschäftigten von Dienstleistern immer noch am Boden bleiben muss.