Politik

Stahltarifrunde: Große Tarifkommission nimmt Verhandlungsergebnis an

Duisburg (Korrespondenz), 01.04.17: Die große Tarifkommission der IG Metall für die Eisen- und Stahlindustrie hat am 29. März 2017 das Ergebnis aus der 3. Verhandlungsrunde mit 4 Gegenstimmen angenommen. Vom heutigen 1. April 2017 an bekommen die Stahlarbeiter 2,3% und zum 1. Mai 2018 nochmals 1,7% mehr Lohn und Gehalt. Der März ist ein Nullmonat und insgesamt gilt eine Laufzeit von 22 Monaten, bis zum 31.12.2018. Die Azubis bekommen die Lohnerhöhung auf das 4. Ausbildungsjahr berechnet. Der wichtige Tarifvertrag zur Altersteilzeit und Werksverträge wurden bis zum 31.12.2018 verlängert.

Aus Angst vor weiteren Warnstreiks haben die Stahlkonzerne ein Zugeständnis an die sich entfaltende Kampfkraft der Arbeiter gemacht. Insgesamt beteiligten sich ca. 13.500 Stahlarbeiter an den Warnstreiks. Der Gedanke, als nächsten Schritt einen 24 Stunden-Warnstreik zu machen, in dem dann auch Streikgeld gezahlt werden kann, hatte sich positiv verbreitet.

Es gab hitzige Diskussionen und viel Kritik in den Betrieben, gerade was die lange Laufzeit angeht und dass die Lohnerhöhung gerade mal die Inflation ausgleicht. "Das ist ein vertretbares Ergebnis. Es passt zur aktuellen Situation in der Stahlbranche und führt zu einem Reallohnplus bei den Beschäftigten" meinte Knut Gießler, Verhandlungsführer der IG Metall. Damit macht er notwendige Lohn- und Gehaltserhöhungen von der wirtschaftlichen Situation der Unternehmen abhängig. Für sie ist eine Lohnerhöhung aber immer unpassend und sie versuchen, die Löhne und Gehälter systematisch zu drücken um den Profit zu steigern.

Es gab überhaupt keinen Grund, so schnell abzuschließen, da die Kampfkraft erst begonnen hat, sich zu entfalten, und die Stahlkonzerne im Moment jede Tonne Stahl brauchen. Die Kampfkraft ist in den nächsten Monaten zwingend nötig, da in allen Stahlbuden Angriffe vorbereitet werden. Der gemeinsame Kampf aller Stahlarbeiter um jeden Arbeitsplatz steht auf der Tagesordnung.

Viele neu gewählte Vertrauensleute sind sehr erbost über die Gewerkschaftsführung. Viele Kollegen wollen die IGM als Kampforganisation und dass man nicht für die Hälfte der Forderung kämpft, sondern für die Durchsetzung der aufgestellten Forderung auch richtig streikt. Dabei stärkt sich die kämpferische Richtung in der IGM.

Im Zusammenhang mit dieser Diskussion wächst die Kritik am ganzen Lohnsystem, wo für die Arbeiter nur die Krümel abfallen und die Ausbeutung der Ware Arbeitskraft auf die Spitze getrieben wird. Die Interessen der Arbeiter und ihrer Familien dürfen den Profitinteressen der Konzerne nicht untergeordnet werden.