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Außerordentliche Betriebsversammlungen bei Opel: Das Blaue vom Himmel versprochen!

Außerordentliche Betriebsversammlungen bei Opel: Das Blaue vom Himmel versprochen!
Die Opelaner sind eine kämpferische Truppe, wie hier 2015 (rf-foto)

Bochum (Korrespondenz), 06.04.17: Heute Mittag fanden in allen vier deutschen Opel-Werken außerordentliche Betriebsversammlungen statt. Seit Bekanntwerden der Pläne von GM, Opel an den PSA-Konzern zu verkaufen, wächst die Unruhe. In Rüsselsheim, Eisenach und Bochum wurden kämpferische Arbeiter und Gewerkschafter immer mehr zu Meinungsführern in der Frage, sich auf einen harten Kampf gemeinsam mit den französischen Kollegen vorzubereiten. Das hat nicht nur beim Vorstand und der rechten Betriebsratsführung zu großer Nervosität geführt, sondern auch bei Bundes- und Landesregierungen, die gestern ein Krisentreffen mit PSA-Chef Carlos Tavares in Berlin durchführten.

Die Angst vor einem konzernweit und länderübergreifend geführten Streik, zumal noch im Jahr der NRW- und Bundestagswahl, ließ den Opel-Vorstand heute auf allen Versammlungen das Blaue vom Himmel versprechen. Gesicherte Betriebsrenten und Tarifverträge in Bochum, Auslastung für Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern "bis weit über 2020 hinaus": fast könnte man meinen, PSA kaufe Opel rein aus Sorge um die Existenz der Arbeiter und ihrer Familien - und nicht, um in einer knallharten Vernichtungsschlacht zur Nummer 2 in Europa aufzusteigen.

Viele Kollegen sind skeptisch und zurecht wachsam. Redebeiträge, die sich für internationale Kampfmaßnahmen aussprachen, bekamen deutlichen Applaus. In Rüsselsheim war der Tagesordnungspunkt Aussprache mit 1.000 Kollegen so gut besucht wie nie. Auch wurden kämpferische Beiträge zu Leiharbeit und Übernahme in Rüsselsheim oder zum internationalen Aktionstag der Solidarität mit den Streikführern bei Maruti-Suzuki in Indien deutlich begrüßt. Antikommunistische Ausfälle von einzelnen Betriebsräten, wie bei der letzten Versammlung in Rüsselsheim, blieben diesmal fast ganz aus, nachdem das bei verschiedenen Gelegenheiten öffentlich mit klaren Worten verurteilt worden war. Die Reaktion der Betriebsrats-Vorsitzenden, den absurden Versprechungen Glauben zu schenken und auf Kampfmaßnahmen verzichten zu wollen, ist für viele Kollegen unverständlich und ein falsches Signal.