Politik

Wiederbelebung der "Clean Diesel"-Kampagne durch Rot-Grün

Wiederbelebung der "Clean Diesel"-Kampagne durch Rot-Grün

Stuttgart (Korrespondenz), 04.04.17: Nachdem sich in den letzten Wochen der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann "wiederholt als glühender Anhänger des Dieselmotors" präsentierte¹, erntet er jetzt beim nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Michael Groschek volle Zustimmung. Dieser warnt davor, „Dieselfahrer pauschal zu 'Sündenböcken' zu machen“.

Welche Heuchelei! Jahrzehntelang hat die Bundesregierung und das Kraftfahrt-Bundesamt die hiesigen Automonopole bei der kriminellen Abgasmanipulation unterstützt. Jetzt, wo die Kritik und Forderungen der MLPD und der VW-Widerstandskomitees von den Automobilarbeitern und in der Öffentlichkeit immer mehr aufgegriffen werden, macht sich Groschek zum Fürsprecher der Dieselfahrer.

Doch dieses Manöver ist zu durchsichtig. Seine Sorge gilt in Wirklichkeit den Autokonzerne und ihren Standorten in NRW. Das sieht auch Kanzlerin Merkel so, als sie bei ihrem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss davor warnte, "die deutsche Autoindustrie durch zu hohe Umweltauflagen zu überfordern."³

Um davon abzulenken, wird der Schutz der Umwelt vorgegeben, weil „Dieselmotoren erheblich zur CO2-Reduktion beitragen“ würden. Das war aber genau das Hauptargument der „Clean Diesel“-Kampagne von VW, Daimler oder Bosch, die mit der VW-Krise als systematische Irreführung der Öffentlichkeit aufgeflogen ist. Ein Daimler-Arbeiter schrieb dazu in einen Beitrag im VW-Forum am 4. Januar: „Der Wirkungsgrad der Motoren wurde durch hohen Luftüberschuss und hohe Einspritzdrücke ...verbessert. Der Preis dafür war allerdings, dass sich der Luftsauerstoff mit dem Luftstickstoff bei hohen Temperaturen zu Stickoxiden verbindet. ...Eingeatmetes Stickstoffdioxid löst Kopfschmerzen und Schwindel aus. Höhere Konzentrationen können Atemnot und Lungenödeme auslösen. Wird Stickstoffdioxid in Konzentrationen von 40 bis 100 µg/m3 über längere Zeit eingeatmet, kommt es zu gesundheitlichen Schäden.“

¹ Stuttgarter Zeitung, 03.04.17

³ Frankfurter Allgemeine, 08.03.14