Vermächtnis von Willi Dickhut

25 Jahre nach seinem Tod ist das Vermächtnis von Willi Dickhut lebendig

Morgen jährt sich der Todestag von Willi Dickhut zum 25. Mal. Als er vor einem Vierteljahrhundert, am 8. Mai 1992 im Alter von 88 Jahren starb, verlor die MLPD ihren herausragenden Vordenker und Mitbegründer. Aber er hat ihr und der internationalen Arbeiterbewegung ein umfangreiches theoretisches und praktisches Vermächtnis übereignet.

Von Matthias Sauter
25 Jahre nach seinem Tod ist das Vermächtnis von Willi Dickhut lebendig
Das Vermächtnis von Willi Dickhut an die Jugend (foto: Verlag Neuer Weg)

Morgen jährt sich der Todestag von Willi Dickhut zum 25. Mal. Als er vor einem Vierteljahrhundert, am 8. Mai 1992, im Alter von 88 Jahren starb, verlor die MLPD ihren herausragenden Vordenker und Mitbegründer. Aber er hat ihr und der internationalen Arbeiterbewegung ein umfangreiches theoretisches und praktisches Vermächtnis übereignet. Und er hatte Nachfolger für die weitere Arbeit erzogen. Insbesondere war es Stefan Engel, der langjährige Vorsitzende der MLPD, der sein Vorbild schöpferisch zu nutzen verstand.

 

Willi Dickhut war ein proletarischer Revolutionär, der sein Leben voll und ganz in den Dienst des Befreiungskampfes der Arbeiterklasse stellte. 1918, im letzten Jahr des I. Weltkriegs, hatte er mit 14 Jahren  eine Lehre als Schlosser und Dreher begonnen, beteiligte sich 16jährig am Generalstreik gegen den reaktionären Kapp-Putsch, trat der Gewerkschaft bei und wurde 1926 Mitglied der KPD. In härtesten Klassenkämpfen, in Faschismus und Krieg, entwickelte er sich zu einem   Arbeiterführer, dem nach Jahrzehnten in Deutschland wie auch international höchste Anerkennung zukam.

 

Als er 1966 nach vierzigjähriger Mitgliedschaft aufgrund seiner grundsätzlichen Kritik an dem revisionistischen Verrat des sowjetischen Parteiführers Chruschtschow aus der KPD ausgeschlossen wurde, resignierte er keineswegs. Offensiv griff er den Kampf Mao Zedongs gegen den Revisionismus der KPdSU auf. Er begann, die Ursachen für die Abweichung vom Marxismus-Leninismus, die zur Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion führten, aufzudecken. Durch die Entlarvung des Opportunismus der KPD/DKP-Führung wies er die Berechtigung der Neugründung einer revolutionären Arbeiterpartei nach und setzte sich mit aller Kraft dafür ein. Sein unerschütterliches Vertrauen in die Massen war und ist beispielhaft für alle, die sich nicht mit der Diktatur des internationalen Finanzkapitals abfinden wollen.

 

Willi Dickhut analysierte, dass die kleinbürgerliche Denkweise der in der Sowjetunion entstandenen  Bürokratie zur Triebkraft für deren Griff nach der Macht und die Zerstörung der Diktatur des Proletariats geworden war. Die Verkennung des notwendigen Kampfes der proletarischen  gegen die kleinbürgerliche Denkweise und die mangelnde Mobilisierung der Massen dafür sah er als die Hauptfehler in der Sowjetunion: Sie ermöglichten negative Erscheinungen, Fehler und Verbrechen, wie auch den schlussendlichen Sieg der Konterrevolution.

 

Dass man mit einer kleinbürgerlichen Denkweise den Marxismus-Leninismus zwar auswendig lernen, aber nicht begreifen kann, war eine Grunderkenntnis für den erfolgreichen Aufbau der MLPD. Für die Lehre von der Denkweise - eine Konkretisierung der  Weltanschauung des historischen und dialektischen Materialismus - schuf er die entscheidenden Grundlagen. "Willi Dickhut hat wie kein anderer die MLPD in Theorie, Praxis und Methode geprägt“, führte Stefan Engel 2002 aus. "Man kann die MLPD – ihre Geschichte und ihre Zukunft – nicht verstehen, ohne das Lebenswerk von Willi Dickhut und sein Vermächtnis an die MLPD und an die internationale marxistisch-leninistische und Arbeiterbewegung begriffen zu haben."

 

Kundgebung und Aktionsstand der Internationalistischen Liste/MLPD gestern in Solingen verbanden den Wahlkampf mit dem Gedenken an Willi Dickhut. In Solingen und im Bergischen Land ist Willi Dickhuts Rolle im illegalen antifaschistischen Widerstand und bei der Befreiung der Stadt von den faschistischen Schergen lebendig. Der Kampf um die angemessene Würdigung von Willi Dickhut im Stadtbild von Solingen wird von vielen unterstützt. Gabi Gärtner, seit April neue Parteivorsitzende der MLPD und selbst in Solingen aufgewachsen: "Die prägende Rolle von Willi Dickhut für die revolutionäre Partei neuen Typs hat die Leute sehr interessiert. Immer wieder wurden wir gefragt, was den Charakter der MLPD als Partei neuen Typs ausmacht, wie wir uns den echten Sozialismus und den Weg dorthin vorstellen und vieles andere. Man spürt an allen Ecken und Enden, wie die Sehnsucht der Menschen nach einer grundlegend anderen Gesellschaft, in der die Menschen in Freiheit und Würde leben können, sie neue Fragen stellen lässt."

 

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Auch die nächste Printausgabe der Roten Fahne, die am 11. Mai erscheint, wird an Willi Dickhut erinnern. Sein Gesamtwerk, darunter die unter seiner Leitung erstellten Ausgaben des REVOLUTIONÄREN WEGS, dem theoretischen Organ der MLPD, gibt der Verlag Neuer Weg heraus. Die Abbildung zeigt das Cover von "Ich habe mein Leben lang gekämpft", der Dokumentation einer Veranstaltungsreihe zum Lebenswerk von Willi Dickhut vom 9. bis 12. Mai 2002 in Wuppertal und Gelsenkirchen. Das Buch enthält auch die Rede von Stefan Engel anlässlich des damaligen 10. Todestags von Willi Dickhut.