Mit verheerenden Folgen

Wetterextreme nehmen zu

Ein in seiner Wucht bisher nicht gekanntes Unwetter hat gestern im Landkreis Aschaffenburg gewütet. Hunderte Keller standen unter Wasser, Heizöl lief aus losgerissenen Tanks, Hänge rutschten ab. Ortschaften waren durch überflutete Straßen von der Außenwelt abgeschnitten.

Von Matthias Sauter
Wetterextreme nehmen zu
Eisbedeckte Blüte (foto: Miriams-Fotos/Pixabay)

Ein in seiner Wucht bisher nicht gekanntes Unwetter hat gestern im Landkreis Aschaffenburg gewütet. Hunderte Keller standen unter Wasser, Heizöl lief aus losgerissenen Tanks, Hänge rutschten ab. Ortschaften waren durch überflutete Straßen von der Außenwelt abgeschnitten. Auch der Bahnverkehr war unterbrochen. Die heftigen Gewitter zogen sich bis zum Frankfurter Flughafen, auf dem für fast zwei Stunden die Abfertigung eingestellt werden musste.

 

Der April war überall in Deutschland von Temperaturextremen geprägt: Sommerliche 25 Grad und Nachtfrost bis minus neun Grad lösten einander ab. Die Kaltfront zog sich über Tschechien und die Slowakei bis nach Ungarn. Da die Vegetation heute bei uns aufgrund der Erderwärmung rund zwei Wochen eher sprießt als noch vor 30 bis 40 Jahren, sind die Schäden für die Landwirtschaft besonders groß. Als Bäume und Sträucher schon in schönster Blüte standen, kam die Kälte mit strengem Frost und Schnee. Weinreben z.B. befanden sich schon im sogenannten Zweiblattstadium und erfrieren dann selbst bei minus 2 bis 3 Grad, was ihnen davor nicht viel ausmacht. Das führt für manche Winzer zu einem hundertprozentigen Ernteausfall.

 

Die Kälte im April führte auch dazu, dass die Bienen nicht ausflogen. Sie verlassen erst bei rund zehn Grad Celsius ihren Stock. Viele Bienenvölker sind gestorben. Gerade im Frühjahr sind Honigbienen für die Landwirtschaft und den Obstbau sehr wichtig. Außerdem ist es ein großes Problem für die Bauern, dass es erst viel zu trocken war und dann in kürzester Zeit zu viel regnete. Das schädigt nicht nur die Ernte, sondern führt auch zu Überschwemmungen und Erdrutschen.

 

Weltweit sind immer mehr Extremwetterlagen zu beobachten - Dürren, Dauerregen oder Hitzewellen. Die Folgen: Hungerkrisen, Not und Tod bringende Überschwemmungen, Brandkatastrophen. "Solche Ereignisse treten öfter auf, als durch die direkte Wirkung der globalen Erwärmung zu erwarten wäre. Also muss es hier einen zusätzlichen Effekt des Klimawandels geben", erklärt Michael Mann von der Pennsylvania State University, Leiter einer neuen Studie dazu. Ein wesentlicher Grund dafür sind Veränderungen der Luftströme, die auch als Jetstreams bezeichnet werden.

 

Da die Erderwärmung in den arktischen Gebieten doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt, werden die Temperaturunterschiede zwischen den Klimazonen geringer. Das destabilisiert zunehmend die Jetstreams, die maßgeblich für die Wetterentwicklung verantwortlich sind. Die von West nach Ost gerichteten wellenförmigen Luftbewegungen des Jetstreams kommen ins Stocken, weil die Nord-Süd-Windungen sehr stark werden. Je länger dieser Zustand anhält, umso mehr schaukelt sich der Zustand auf. "Dass der Jetstream sich öfter über lange Zeit stark windet, ist ein recht neues Phänomen – das macht es noch bedeutsamer", sagt Dim Coumou von der Freien Universität Amsterdam, Mitautor der Studie.

 

Die Extremwetter nehmen besonders in den letzten vier Jahrzehnten zu. Es ist vor allem der ungebremst wachsende Ausstoß von Treibhausgasen durch Industrie und Verkehr, der zu tiefgehenden Veränderungen in der Erdatmosphäre führt. Die World Metereological Organization (WMO) stellt dazu fest, dass das Weltklima den bisherigen Gesetzmäßigkeiten immer weniger folgt. Das kennzeichnet den kompletten Bankrott der imperialistischen Klimapolitik, die den beschleunigten Umschlag in die Weltklimakatastrophe bewusst in Kauf nimmt. Die Vereinbarung unverbindlicher "Selbstverpflichtungen" der nationalen Regierungen ist genauso eine Farce wie die angestrebte "Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad".

 

Wer dem Übel an die Wurzel gehen will, muss der Profitwirtschaft ein Ende setzen. Nur so kann die Einheit von Mensch und Natur erhalten und bewusst höherentwickelt werden. Dringend notwendig ist heute die Durchsetzung von Sofortmaßnahmen, wie sie die Internationalistische Liste/MLPD fordert: Schrittweise und dann vollständige Ersetzung fossiler Brennstoffe durch regenerative Energien! Energiegewinnung vor allem aus Sonne, Wind, Wasser und Bioabfällen!