Wilfried und der Wahl-O-Mat

Das kleinere Übel des Wilfried Schmickler

"Immer noch unbefriedigend, aber besser als MLPD – das kleinere Übel"- so das Fazit des Kabarettisten Wilfried Schmickler in einem WDR2-Hörfunkbeitrags vom 8. Mai. Durchaus treffsicher erörtert Schmickler das Dilemma des Wählers, verlassen vom Schulz-Hype in Deutschland, scheinbar gezwungen Macron zu wählen, wenn man Le Pen verhindern wollte, wie bei unseren französischen Nachbarn. ...

Von Matthias Sauter

"Immer noch unbefriedigend, aber besser als MLPD – das kleinere Übel" - so das Fazit des Kabarettisten Wilfried Schmickler in einem WDR2-Hörfunkbeitrags vom 8. Mai. Durchaus treffsicher erörtert Schmickler das Dilemma des Wählers, verlassen vom Schulz-Hype in Deutschland, scheinbar gezwungen Macron zu wählen, wenn man Le Pen verhindern wollte, wie bei unseren französischen Nachbarn. Um die Entscheidung für das „kleinere Übel“ diesmal zu vermeiden, bemühte er den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Man beantwortet selbst bis zu 38 landespolitische Fragen und gleicht die Antworten mit bis zu 8 der 31 kandidierenden Parteien ab. 1,5 Millionen Nutzer haben das getan. Wie Wilfried Schmickler wählen dabei viele zum Vergleich auch die MLPD aus, um dann selbst zu erschrecken, dass sie tatsächlich hier die größte Übereinstimmung haben.

 

Und dann? Offenbar ruft die unerwartete, aber doch irgendwie auch geahnte, wenn nicht herbeigesehnte Nähe zu den Marxisten-Leninisten tiefliegende antikommunistische Urängste hervor.

 

So lassen die nach Schmickler „maoistische, stalinistische Sekte“ und die „Diktatur des Proletariats“ den liberal-demokratischen rheinischen Freigeist zurückzucken. Bis hin zu den zuvor so geschmähten kleineren Übeln. So inkonsequent ist politisches Kabarett selten. Die MLPD ist weder maoistisch, noch stalinistisch und schon gar keine Sekte. Sie ist eine politische Partei, die sich seit ihrer Aufbauphase in den 1970er-Jahren kontinuierlich kritisch und selbstkritisch mit der Geschichte, Tradition, den Erfolgen und Fehlern der alten kommunistischen Bewegung auseinandersetzte und -setzt.

 

Sie tritt allerdings für die Diktatur des Proletariats ein - übrigens nicht nur in Nordrhein-Westfalen - weil die die einzig mögliche Alternative zur Diktatur des Finanzkapitals, die wir heute haben, darstellt. Bei ersterer herrscht Demokratie für alle werktätigen Menschen, bei letzterer nur für die wenigen Kapitaleigner. Dieses Dilemma kommt ja in Schmicklers Wahl des kleineren Übels gerade zum Ausdruck.

 

Die Stigmatisierung mit den antikommunistischen Kampfbegriffen „stalinistisch-maoistisch“ und „Sekte“ hat ihren Ursprung übrigens in der „Schwesterbehörde“ der Bundeszentrale für politische Bildung, dem sogenannten „Verfassungsschutz“, und bei ihm nahestehenden sogenannten "Politikwissenschaftlern". Die verdienen sogar ihr Geld damit, alle, die über den sehr eindimensionalen Horizont des Kapitalismus hinausdenken mit pseudowissenschaftlichen Verunglimpfungen im Sinne der antikommunistischen Staatsreligion zu belegen.

 

Ob Wilfried Schmickler, der an anderer Stelle die tiefbraunen Verstrickungen des "Verfassungsschutzes" aufdeckt, bewusst ist, dass er nun selbst dessen „Argumente“ übernimmt. Wilfried Schmickler hat recht: Wer über das quälende kleinere Übel hinaus will, muss zur Internationalistischen Liste/MLPD gelangen. Er hat aber auch unrecht: Wenn man statt den trüben Verunglimpfungen im Netz die reale Partei in der Wirklichkeit aufspürt, braucht man davor keine Angst zu haben.