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Ein Lösungsweg für die Verseuchung der Meere durch Plastikmüll?

Ein Lösungsweg für die Verseuchung der Meere durch Plastikmüll?

Plastikmüll im Ozean (foto: WWF Jugend)

19.05.17 - Kürzlich wurden alarmierende Bilder von den Stränden der Henderson-Insel im Pazifischen Ozean in der Tagesschau gezeigt. Forscher aus Tasmanien entdeckten dort 38 Mio. Plastikteile mit einem Gesamtgewicht von rund 17 Tonnen , der höchsten Mülldichte, die weltweit je festgestellt wurde. Durch die Tagesschau wurde die Hoffnung auf das von dem jungen Niederländer Boyan Slat entwickelte „Ocean clean-up Projekt“ verbreitet, mit dem er die Ozeane vom Plastemüll befreien will. Mit kilometerlangen -im Meer ausgelegten - Röhren, soll der Plastemüll an bestimmten Stellen angesammelt und dann ausgesiebt werden. So sollen ab 2018 bis zu 50 Prozent des Mülls aus den Meeren herausgesaugt und schließlich recycelt werden.

Dabei geht Boyan Slat von schätzungsweise 3 Mio. Tonnen Plastik aus, die aus den Ozeanen gefischt werden müssten und nicht zuletzt auch von damit möglichen satten Gewinnen. Auch wenn dieses Verfahren sicher interessant und auch ein Beitrag zur Entlastung der Ozeane sein kann, so weckt es völlig falsche Erwartungen - solange der Müllzustrom nicht gestoppt wird und das Problem nicht von der Wurzel angegangen wird.

Ein Hintergrund ist, dass von 1950 die jährliche Produktion von knapp 1,5 Tonnen auf heute fast 300 Mio. Tonnen Plastikmaterial gestiegen ist und Forscher von insgesamt 100 Mio. Tonnen Kunststoff ausgehen, die in den letzten Jahrzehnten in den Ozeanen „entsorgt“ wurden und sich dort angesammelt haben. Heute wird allein von einem durchschnittlich jährlichen Plastikmülleintrag von 8 Mio. Tonnen ausgegangen.

Zudem wird und kann mittels dieser „Clean-up“-Methode nur der an der Oberfläche sichtbare Müll abgesaugt werden. Dieser ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Mehr als 70 Prozent des Mülls sinken auf den Grund. Bis zu 450 Jahren dauert es dort, bis eine Plastikflasche oder Einwegwindel sich vollkommen zersetzt hat – dabei durch Wellengang und UV-Strahlung in immer kleinere Teile zerfällt. Kunststoffpartikel, die von Meeressäugern und Vögeln aufgenommen werden und für den Tod für bis zu 100.000 Meeressäugern und 1 Mio. Meeresvögel verantwortlich sind.

Krebserregende Zusatzstoffe wie Bisphenol A, Phtalate oder Flammschutzmittel werden herausgelöst und reichern sich in der Nahrungsmittelkette an und wirken dort nachhaltig auf Erbgut und Hormonhaushalt ein. Gleichzeitig ziehen die Mikropartikel die Anlagerung von Insektiziden und Giften an. Sogar in Muscheln, die Planktonfiltrierer sind, konnte man schon kleine Plastikteilchen nachweisen. Dagegen ist die Methode von Boyan Slat wirkungslos. Stefan Engel weist in seinem Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur“ nach, dass der Zustand der Verschmutzung, Vergiftung und Versauerung der Weltmeere nach derzeitigem menschlichen Ermessen bereits zu einem beträchtlichen Teil irreversibel ist.

Die Vergiftung der Meere wurde zu einem wesentlichen Faktor des beschleunigten Übergangs zu einer Umweltkatastrophe. Tatsächliche Verbesserungen können nur im weltweit organisierten, aktiven Widerstand gegen die Verursacher erreicht werden. Dabei muss auch die drastische Reduzierung der Produktion von Plastik-Wegwerfartikeln, das Verbot des Einsatzes toxischer Zusatzmittel und die Durchsetzung einer Kreislaufwirtschaft, sowie strenge Bestrafung der industriellen Umweltverschmutzer durchgesetzt werden.

Das Buch von Stefan Engel zeigt darüber hinaus, dass eine grundlegende Lösung heute eines gesellschaftsverändernden Kampfes bedarf. Ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Produktions-und Lebensweise ist notwendig geworden. Er kann allerdings erst in einer sozialistischen Gesellschaft verwirklicht werden.

Hier geht es zum Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“

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