Esslingen

Festo-Belegschaft widersetzt sich Erpressungspaket

Im März 2017 überraschte der Vorstand des Unternehmens die Konzernbetriebsräte mit einem Papier „Bündnis für Lieferbereitschaft und Arbeit“.

Festo-Belegschaft widersetzt sich Erpressungspaket
Festo-Zentrale in Esslingen (foto: CC0 Public Domain)

2016 wurde ein Konzernumsatz von 2,74 Milliarden Euro erzielt. Seit Jahren ermöglicht eine Umsatzrendite von meist etwas über 10 Prozent der Gründerfamilie Stolz, die alle Anteile hält, einen bemerkenswerten Auftrieb auf Listen der „Superreichen Deutschlands“.

Vor Jahresfrist quälten die Manager die Belegschaft noch mit Sparpaketen zur Streichung übertariflicher Leistungen, die auf turbulenten Betriebsversammlungen diskutiert wurden und zum Sturz eines Vorstandsvorsitzenden führten.

 

Vorstand will weitreichende Verschlechterungen

Im März 2017 überraschte der Vorstand des Unternehmens die Konzernbetriebsräte erneut mit einem Papier „Bündnis für Lieferbereitschaft und Arbeit“. Investitionen im saarländischen Hauptproduktionswerk Rohrbach in Höhe von 45 Millionen sollten nur getätigt werden, wenn sich die Betriebsräte aller vier deutschen Niederlassungen zu weitreichenden Verschlechterungen bereit erklärten.

Zum Verhandlungsbeginn wurde den Betriebsräten eröffnet, entweder stehen Sozialpläne im Saarland zur Diskussion oder das „Bündnis“.

 

18 Redebeiträge contra Vorstand

Über zwei Stunden verdeutlichten Betriebsräte, dass sie keine Bereitschaft hätten, solche Erpressungen hinzunehmen unter brausendem Beifall und unterstützendem Pfeifen. Nach einer Darstellung des Vorstands, der verzweifelt versuchte, die Bedrohung zu rechtfertigen, ergriffen Beschäftigte der unterschiedlichsten Bereiche in 18 Redebeiträgen das Wort.

Alles zusammen - bei tatsächlicher Verhandlungsblockade der Betriebsratsvertreter - zwang offensichtlich den Vorstand zu einem Taktikwechsel. Nach den Osterferien überraschte er die Betriebsräte mit der Ansage, das Papier werde zurückgezogen, die Verhandlungen dazu eingestellt. Gleichzeitig wurde die Erpressung aufgelöst und die Investitionen in neue Fabrikgebäude für Erweiterungen im Saarland freigegeben.