Pfingstjugendtreffen

Power-Wochenende mit tausenden Teilnehmern und neuen Höhepunkten

Quirlig, bunt, vielfältig, internationalistisch - von einer Superstimmung geprägt war auch der zweite Tag des 18. Internationalen Pfingstjugendtreffens auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen.

Von Matthias Sauter
Power-Wochenende mit tausenden Teilnehmern und neuen Höhepunkten
Wagenrennen beim "Spiel ohne Grenzen" (rf-foto)

Mehrere tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren auch heute wieder beim 18. Internationalen Pfingstjugendtreffen dabei. Darunter auch viele Besucher aus Gelsenkirchen, die sich einen Eindruck von diesem Event verschaffen wollten, das seit Jahren immer wieder Politikum in ihrer Stadt war. Abgesehen von einigen kurzen Regenschauern und Windböen, gegen die die Pavillons und Zelte mit vereinten Kräften gesichert wurden, war das Wetter angenehm und lud zum Bummeln über den Platz ein.

 

Lokomotive 293 beim Pfingstjugendtreffen

Mit einem reichhaltigen Programm ging es auch heute weiter. Da gab es Kinder-Malaktionen, das Labor Piff-Paff, eine Puppenbühne, Pony-Reiten, zahlreiche Workshops, Gesprächsrunden, Lesungen, Reiseberichte und Filmvorführungen. Kinder und Jugendliche vollendeten heute unter Anleitung fachkundiger Erwachsener den Bau eines Bretter-Modells der berühmten "Lokomotive 293". Mit ihr war Lenin 1917 aus dem Exil von Finnland nach Russland zurückgekehrt, um dort die unmittelbare Vorbereitung der sozialistischen Oktoberrevolution in Angriff zu nehmen.

 

Ein Höhepunkt war heute der Aktions-Wettkampf "Spiele ohne Grenzen". 13 Mannschaften, aus jeweils 25 Jugendlichen, Kindern, Mädchen und Jungen gemischt, wetteiferten beim Seifenlauf auf allen Vieren, Bierkistenrennen, Tausendfüßler und weiteren originellen Disziplinen. Siegermannschaft wurde Biji München.

Einweihung der
Einweihung der "Lokomotive 293" (rf-foto)

Das 18. Internationale Pfingstjugendtreffen in Zahlen:

  • 700 Teilnehmer am Zeltcamp
  • 8.000 bis 9.000 ausgegebene Essensportionen
  • 21 Essensstände
  • 90 bis 100 Kinder bauten die "Lokomotive 293"

Selbstbewusste Zwischenbilanz

Voll gefüllt war heute der Platz vor der Hauptbühne, als um 11 Uhr die Podiumsdiskussion "Zwischenbilanz und Perspektiven des internationalistischen Bündnisses" begann. Vertreter bzw. Mitglieder von ATIF, AGIF, Antikapitalistischer Aktion Bonn, Linkem Forum Oberbergischer Kreis, MLPD, REBELL, PYD Rojava und des Bundes der Deutschen Milchviehhalter nahmen vom Podium aus Stellung. Für die Anatolische Föderation und den Frauenverband Courage sprachen Vertreter/innen aus dem Publikum. Die meisten Beiträge betonten die Gemeinsamkeiten des Bündnisses und das große Interesse an weiterer Zusammenarbeit.

 

Das Wichtigste ist, dass wir in der nächsten Zeit viele neue Menschen gewinnen und organisieren. Wir sind schon viele, aber unsere Bewegung muss die Massen erfassen.

Gabi Gärtner, Vorsitzende der MLPD

 

Aufbruchstimmung, Selbstbewusstsein und Stolz auf das bereits Erreichte vereinte die vielen Besucher der Veranstaltung. Spürbar war ein großes Bedürfnis nach Erfahrungsaustausch und Ausblick in die Zukunft. Süleyman Gürcan von ATIF machte die Kriminalisierung und Entrechtung von Revolutionären zum Hauptthema, die in Deutschland keineswegs nur Migranten betrifft. Arnold Blum, Mitglied des Bundes Deutscher Milchviehhalter und Kandidat auf der Landesliste der Internationalistischen Liste/MLPD in Brandenburg, plädierte: "Stadt und Land müssen wieder enger zusammenwachsen." In ihrem Abschluss-Statement betonte Gabi Gärtner, Vorsitzende der MLPD: "Das Wichtigste ist, dass wir in der nächsten Zeit viele neue Menschen gewinnen und organisieren. Wir sind schon viele, aber unsere Bewegung muss die Massen erfassen."

 

Imperialismus - von gestern?

 

Am Vortag war ein weiteres Highlight die Jugendbildungsveranstaltung „Das imperialistische Weltsystem nimmt Kurs auf Krieg und Reaktion“ gewesen. Rund 150 Teilnehmer folgten im proppevollen Treffpunkt "Hugo Hauer" den Ausführungen von Stefan Engel. Er nahm die Schulbücher aufs Korn, nach denen es den Imperialismus heute gar nicht mehr gibt. Stefan Engel legte in gewohnt verständlicher Weise dar, dass der Imperialismus nach Lenin die Herrschaft des Finanzkapitals ist und wie diese funktioniert.

 

 

Sie ist alles andere als beendet. Vielmehr verschärft sich die Konkurrenz um die Beherrschung der Welt. Denn neben den alten imperialistischen Mächten wie USA, EU oder Japan drängen zahlreiche neue aggressive Konkurrenten wie China, Russland oder die Türkei auf eine Neuaufteilung der Einflussgebiete. Es ist eine neue Herausforderung an die internationale Friedensbewegung und revolutionäre Arbeiterbewegung, dass sie sich ausnahmslos gegen alle Imperialisten richten muss. Das war auch die zentrale Frage in der anschließenden Diskussion.

 

 

Gabi Gärtner stellt sich Fragen aus dem Publikum

 

Charmant und überzeugend beantwortete die MLPD-Vorsitzende Gabi Gärtner ab 18.30 Uhr Fragen aus dem Publikum. Einen jungen Teilnehmer interessierte, ob es mit viel Arbeit verbunden sei, Parteivorsitzende zu sein. Einen anderen, wie Gabi Gärtner die Entwicklung des Jugendverbands REBELL beurteilt. Eine Teilnehmerin wollte wissen, wie es ist, als Frau Vorsitzende einer revolutionären Partei zu sein. Gabi Gärtner legte dar, dass dies in der internationalen revolutionären Bewegung zwar noch eine Ausnahme, für die MLPD aber alles andere als "exotisch" sei. Statt auf formale Frauenquoten setzt sie auf systematische Frauenförderung - mit dem Ergebnis, dass sie außer der Partei "Die Frauen" den höchsten Frauenanteil aller Parteien in Deutschland hat (mehr zum ersten Tag des Pfingstjugendtreffens).

 

 

Nachdem bereits gestern Abend beim Open-Air-Konzert tolle Bands und Künstler aufgetreten waren - Grup Yorum, Heinz Ratz, Shekib Mosadeq und Koma Sehid Welat mit The Boom - wird das heutige abschließende Konzert nicht weniger "hochkarätig" sein. Angekündigt sind Omas Zwerge, Chango Leon sowie Gehörwäsche & Narcolaptic. Eine lange Nacht der Kultur, des Feierns und Tanzens - mit REBELL-Disco ab 24 Uhr - steht noch bevor. Allen Lesern, die es möglich machen können, sei empfohlen, noch vorbeizukommen.