Daimler Untertürkheim

Kampfgeist von Vertrauensleuten geweckt

Im Februar sprach Daimler-Chef Dieter Zetsche im Zusammenhang mit den Elektromobilitäts-Plänen davon, „beim Antrieb so früh wie möglich (Arbeitsplätze zu) reduzieren“.

Kampfgeist von Vertrauensleuten geweckt
Die Liste der Daimler-Führung um Dieter Zetsche ist unannehmbar (foto: re:publica (CC BY-SA 2.0))

Damals und auch auf der Betriebsversammlung am 6. März machten sich die Kolleginnen und Kollegen darüber noch keine größeren Sorgen.

 

 

Doch in der zweiten Verhandlungsrunde forderte die Geschäftsleitung als „Gegenleistung“ für die vom Betriebsrat verlangte Schaffung von 330 Ersatzarbeitsplätzen:

  • Aufbau einer Batteriefabrik, die von der nicht tarifgebundenen Accumotive GmbH betrieben werden soll
  • Jedem Beschäftigten werden pauschal 21 Stunden pro Jahr abgezogen, die er für Qualifizierungsmaßnahmen verwenden kann
  • Rollierendes Durchfahren der Pausen
  • Vereinfachte Verleihung von Beschäftigten in andere Werke und Versetzung von Kollegen in andere Bereiche, bei schlechteren Arbeitsbedingungen
  • Weitere Fremdvergaben und damit Ausbluten der Instandhaltung und anderer indirekter Bereiche
  • Reduzierung der Azubi-Einstellzahlen ab 2021 und verstärkter Einsatz der Auslerner am Band.

 

"Schweineliste" inakzeptabel

 

Damit sollen die sich abzeichnenden Strafzahlungen durch die kriminelle Abgasmanipulation, in die auch Daimler tief verstrickt ist, sowie die dem Vorstand aufgezwungenen Investitionen in die E-Mobilität auf die Belegschaft abgewälzt werden. Diese „Schweineliste der Werkleitung“ lehnen die meisten Kolleginnen und Kollegen als inakzeptabel ab, soweit überhaupt bekannt.

 

 

Vollversammlung der IG-Metall-Vertrauensleute

 

Das brachte auch die Betriebsratsspitze ins Schwitzen. Sie muss befürchten, dass ein Mittragen und -gestalten solch weitgehender Angriffe, die klassen-/kämpferischen Kräfte und den Einfluss der MLPD-Betriebsgruppen stärken würde. Die Vertrauenskörper-Leitung rief deshalb kurzfristig für Freitag Nachmittag vor Pfingsten eine Vollversammlung der IG-Metall-Vertrauensleute ein. Es kamen zwar nur 120 von rund 700 Kolleginnen und Kollegen – aber diese hatten eine gehörige Portion Wut und Kampfgeist dabei, die sich in 30 Redebeiträgen Luft verschaffte.

 

 

Darin wurden die Geschäftsleitungs-Propaganda vom teuersten Standort im Konzern zerpflückt und Vorschläge gemacht und unterstützt, die in Richtung des organisierten Widerstandes gingen. Zum ersten Mal seit langem wurden Beschlüsse gefasst, die auch von der Betriebsratsführung nicht abgeschwächt oder torpediert werden konnten:

 

 

1. Außerordentliche Betriebsversammlung, die gegebenenfalls auf einen oder mehr Tage ausgedehnt werden könnte.

2. Verweigerung von Überstunden und Sondermaßnahmen zur Stückzahl-Erfüllung

3. Sofortige Informationen über die Pläne der Werksleitung und Beratungen in den Abteilungen, sowie Beschwerde- und Informationsgänge zum Betriebsrat während der Arbeitszeit.

 

 

Der Betriebsrats-Vorsitzende stand mit seinem Vorschlag einer Informationsveranstaltung (ohne Rederecht) völlig alleine da.

 

 

Nicht nur Angriffe zurückschlagen

 

Die MLPD unterstützt diese Beschlüsse, weil sie geeignet sind, die Belegschaft in Stellung zu bringen und zu weitergehenden Kampfschritten überzugehen. Dazu sollten sich die Kollegen nicht auf das Zurückschlagen der Angriffe beschränken. Insbesondere im Interesse unserer Lebensgrundlagen und der Zukunft der Jugend muss gefordert werden: schnellstmögliche Umstellung auf Antriebe mit Brennstoffzellen; statt Vernichtung zigtausender Arbeitsplätze brauchen wir die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich; Erhöhung der Ausbildungsquote von derzeit rund 3 auf 10 Prozent, Übernahme aller Auslerner entsprechend der Ausbildung!

 

 

Verbinden wir uns auch mit den Kollegen in Belegschaften in den anderen Werken oder im LKW-Bereich, wo eine erneute Runde der Arbeitsplatzvernichtung und „Einsparungen“ gefahren werden soll! Konzernweiter Kampf – statt Unterordnung unter den Kampf um die Weltmarktführerschaft von Daimler!