Naher und Mittlerer Osten

Neuimperialistischer Machtkampf am Persischen Golf

Vier arabische Länder haben heute ihre diplomatischen Beziehungen zum Golfemirat Katar abgebrochen.

Von gf
Neuimperialistischer Machtkampf am Persischen Golf
Noch zu Zeiten der Obama-Administration in den USA war der Emir von Katar, Hamid bin Khalifa Al Thani (rechts), eine der ersten Ansprechadressen der USA - hier der damalige Außenminister John Kerry beim Besuch (foto: gemeinfrei)

Bahrein, Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ziehen ihr diplomatisches Personal aus Katar zurück. Ebenso müssen Katars Diplomaten diese vier Länder verlassen. Diese schließen auch ihre Flug- und Schiffsverbindungen nach Katar. Saudi-Arabien sperrte den einzigen Landweg. Damit ist das Land auf der arabischen Halbinsel völlig isoliert. Bislang noch Teil einer von Saudi-Arabien angeführten Streitmacht gegen eine schiitische Rebellenarmee im Jemen, werden nun auch die katarischen Soldaten aus diesem reaktionären Militärbündnis verbannt.¹

 

Der nicht minder reaktionäre König von Saudi-Arabien, Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (Mitte), mit US-Präsident Donald Trump (rechts) und dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah Al Sisi (links) (foto: gemeinfrei)
Der nicht minder reaktionäre König von Saudi-Arabien, Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (Mitte), mit US-Präsident Donald Trump (rechts) und dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah Al Sisi (links) (foto: gemeinfrei)
  • Seit der letzten Weltwirtschaftskrise der Jahre 2008 bis 2014 konnte sich Katar zu einem neuimperialistischen Staat entwickeln.
  • In Deutschland übernahm Katar im Jahr 2009 17 Prozent der Stammaktien des VW-Konzerns.
  • Am Hochtief-Konzern aus Essen hält die Herrscherfamilie Katars 9 Prozent der Anteile.

Landwege nach Katar gesperrt

 

Diese Maßnahmen gehen weit über normale diplomatische Verstimmungen hinaus und verschärfen die innerimperialistischen Spannungen auf der arabischen Halbinsel. Dort tobt schon seit vielen Monaten ein Krieg im Jemen, hinter dem letztlich die neuimperialistischen Regionalmächte Saudi-Arabien und weitere Golfstaaten auf der einen, und der Iran auf der anderen Seite stecken.

 

 

Offizielle Begründung für das Vorgehen gegen Katar ist dessen Unterstützung islamistisch-faschistischer Organisationen wie der Muslimbruderschaft, von Al-Qaida und des faschistischen Islamischen Staates. Das ist ein fadenscheiniger Vorwand, da schon seit längerem reiche Scheichs aus Saudi-Arabien selbst zu den Finanziers und militärischen Ausrüstern der Terrormiliz "Islamischer Staat" gehören.

 

Finanzierung des IS auch aus Saudi-Arabien

 

Bereits am 25. August 2014 berichtete das Handelsblatt, wie Mitglieder der Bundesregierung, unter anderem Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU), Katar der Förderung verschiedener - nach seiner Sprechart - „Terrorgruppen“ bezichtigten.  All das ist nicht neu. Es müssen andere Gründe hinter dem Vorgehen der bisherigen Verbündeten Katars stecken.

 

Das kleine Land Katar liegt im Osten der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf, gegenüber dem Iran. Katar hat 2,6 Millionen Einwohner. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 133.000 Dollar pro Kopf galt es 2015 als reichstes Land der Welt. Das Land ist ein Emirat, eine absolute Monarchie ohne Parlament oder Parteien. Ähnlich wie Saudi-Arabien ist Katar von dem erzreaktionären, streng orthodoxen sunnitisch-wahhabitischen Islam geprägt - eine Weltanschauung, die der des sogenannten "Islamischen Staates" sehr ähnlich ist.

 

Seinen Reichtum verdanken der Emir von Katar, Hamid bin Khalifa Al Thani, und sein Familienclan vor allem den reichen Erdöl- und Erdgasquellen. Ein kleiner Teil dieses Reichtums geht in die soziale Fürsorge, die kostenlose medizinische Versorgung und die kostenlose Energie- und Wasserversorgung der Bevölkerung. Mehr als 10 Prozent des Staatshaushaltes gehen in die militärische Aufrüstung, mit der Katar seinen regionalen Führungsanspruch unterstreicht.

 

Gigantische militärische Aufrüstung

 

Vor allem aber konnte sich Katar seit der letzten Weltwirtschaftskrise der Jahre 2008 bis 2014 zu einem neuimperialistischen Staat entwickeln, der so in Konkurrenz tritt zu anderen neuimperialistischen Mächten im Nahen und Mittleren Osten wie Saudi-Arabien oder der Türkei. Sie agieren aggressiv um die Vormachtstellung in der geostrategisch bedeutenden Region.

 

Der Kapitalexport eines Landes ist eines der Hauptmerkmale einer imperialistischen Wirtschaftspolitik. Hier spielt die staatliche "Quatar Holding" ihre Hauptrolle. Im Jahr 2007 übernahm sie einen Anteil von 20 Prozent an der Londoner Stock Exchange (die Londoner Börse), sie stieg mit 5 Prozent bei der Schweizer Großbank Credit Suisse ein und mit elf Prozent bei internationalen Bergbauriesen XStrata. In Deutschland übernahm Katar im Jahr 2009 17 Prozent der Stammaktien des VW-Konzerns.²  Seit dem Jahr 2014 gehören 6 Prozent der Aktien der Deutschen Bank der katarischen Herrscherfamilie. Am Hochtief-Konzern aus Essen halten sie 9 Prozent der Anteile. Die Liste kann fortgesetzt werden ...

 

Zeitnähe zu Trumps Besuch Zufall?

 

Mit dieser wirtschaftlichen Macht im Rücken streben die ultrareaktionären Machthaber Katars auch nach entsprechenden Einfluss in der Region. Mit der Unterstützung islamistisch-faschistischer Gruppierungen wollen sie ihre Konkurrenten im arabischen Raum schwächen und selbst in anderen Ländern Einfluss gewinnen. So gehörte Katar zu den Förderern und ersten Gratulanten, als in Ägypten die Muslimbruderschaft mit ihrem Präsidenten Mohammed Mursi nach dem demokratischen Volksaufstand gegen Mubarak an die Regierung kam. Gegen den Vormachtsanspruch Saudi-Arabiens strebt Katar auch engere Beziehungen zum faschistischen Iran an.

 

Im Jahr 2015 schlossen die mittlerweile faschistische Türkei und Katar ein Militärbündnis. Der Vertrag läuft für zehn Jahre, sieht eine gemeinsame militärische Ausbildung, gemeinsame Rüstungsvorhaben und Militärübungen sowie gegenseitigen Beistand vor. Nicht nur das macht die aktuellen Vorgänge um Katar so brisant. In Katar befinden sich auch US-Militärstützpunkte mit Zehntausenden von Soldaten. War es Zufall, dass kurz nach dem Besuch des US-Präsidenten Donald Trump und seiner Drohungen gegen Iran nun Saudi-Arabien und andere gegen Katar Position beziehen?

 

Heuchelei der europäischen Staaten

 

Offenbar erwarten sie zumindest ein Stillhalten seitens der USA, wenn sie einen neuimperialistischen Konkurrenten in seine Schranken weisen. Angesichts der engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und anderen europäischen Staaten mit Katar sind alle Bekenntnisse zum entschiedenen Kampf gegen den islamistisch-faschistischen Terror des faschistischen "Islamischen Staates" Heuchelei. Sie wollen den IS eindämmen, aber sie wollen auch auf die Kapitalströme aus Katar nicht verzichten.

 

Die neue Krise um Katar zeigt: Der entschiedene Kampf um den Weltfrieden und gegen alle imperialistischen und neuimperialistischen Kriegstreiber wird immer dringlicher!