Rüsselsheim

PSA muss alle Tarifverträge bei Opel anerkennen

Letzte Woche mussten die Vorstände von Opel und PSA alle geltenden Tarifverträge akzeptieren, was eine Mindestforderung von IG Metall, Belegschaft und Betriebsrat ist.

PSA muss alle Tarifverträge bei Opel anerkennen
Demonstration zur Info-Veranstaltung (rf-foto)

Das Zugeständnis ist den wachsenden Protesten der Belegschaft, dem ersten Streik mit 8.000 Beschäftigten (siehe Bericht) und zunehmenden kämpferischen Initiativen geschuldet. Grund zur Entwarnung gibt es allerdings nicht. Selbst der vage „Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen“ gilt nur bis Ende 2018 und vielen Kollegen ist klar: „Die harten Auseinandersetzungen kommen erst noch.“

 

"Win-Win"-Situation?

 

GM und PSA drücken auf die Tube. Alle bisherigen Tochterfirmen und Werke außer der Bank, der Leasinggesellschaft und der Dieselentwicklung in Turin, werden in die neue Opel Automobile GmbH eingebracht. Diese wird in der zweiten Jahreshälfte von PSA übernommen. Bis dahin - und möglichst vor der Bundestagswahl - soll die Belegschaft ruhig halten und unter der Losung „Die neue Nr. 2 in Europa, ein Champion“ Beifall klatschen.

 

Aber was die Vorstände unter „Win-Win“-Situation verstehen, machten sie kurz darauf deutlich: In einer Nacht- und Nebelaktion wurde die Verlängerung der täglichen Arbeitszeit um eine halbe Stunde und Samstagschichten bis zu den Werksferien angesetzt. Provokativ musste die A-Schicht zu einer Sonderschicht am Pfingstsamstag antreten. Die offene Konfrontation will der Vorstand aber vermeiden.

 

Am 9. Juni führte der Betriebsrat in Rüsselsheim zwei Infoveranstaltungen zum Betriebsübergang durch. Auf der Frühschicht kam in kurzen Beiträgen einiges zur Sprache: „Warum wird das Leasinggeschäft direkt an PSA gegeben? Werden wir über die nächsten Jahre wieder ins Minus gerechnet und die Gewinne gehen direkt an PSA?“ und „Was ist nach 2018?“

 

Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) schwieg

 

Als die Sprache auf die Übernahme der Leiharbeiterinnen und -arbeiter kam und Kritik an der Arbeitszeitverlängerung aufkam, wurden diese Wortmeldungen unterbrochen: „Bitte nur Fragen zum Betriebsübergang, und jetzt sollen mal Kollegen sprechen, die nicht von immer derselben Fraktion sind.“ Der zum „Praxistag“ anwesende SPD-Funktionär Thorsten Schäfer-Gümbel meldete sich allerdings lieber doch nicht. Sonst auch keiner. Peinlich für Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Nach einer guten Stunde wurde die Arbeit wieder aufgenommen.

 

Kämpferische Demonstration

 

Am Nachmittag organisierten die Vertrauensleute der A-Schicht eine kämpferische Demonstration zur Infoveranstaltung. Mehrere Hundert Kolleginnen und Kollegen aus der Montagehalle K170 trugen Fahnen und Transparente. Sie forderten in Sprechchören die Übernahme der Leiharbeiter. Statt durch die Unterführung nahmen die Kollegen den Weg direkt über die Mainzerstraße zur Versammlungshalle: „Von Entwarnung kann jetzt keine Rede sein. Wir erleben jeden Tag, dass wir die Zeche für die Übernahme zahlen sollen. Nicht mit uns. Auch die Arbeitszeitverlängerung muss vom Tisch.“ So zogen sie in die Halle M60 ein.

 

Aber statt ausführlicher Diskussion hielten Vertreter der Betriebsratsführung den Kolleginnen und Kollegen einen Monolog von 25 Minuten. Die Fragerunde brachen sie nach nur einem Beitrag ab. „Deine Kollegen haben schon heute morgen gesprochen. Nimm den anderen nicht die Redezeit weg“, wurde antikommunistisch gegen kämpferische Kollegen gehetzt. Diese Spaltung verliert an Wirkung. Wer wo steht, wurde heute ein Stück deutlicher. Das Selbstbewusstsein vor allem der jungen Kolleginnen und Kollegen wächst.