Marokko

Zehntausende protestieren in Rabat

In der marokkanischen Hauptstadt Rabat haben am Sonntag Zehntausende Menschen gegen Korruption und Behördenwillkür, für Freiheit und demokratische Rechte protestiert und die Freilassung der politischen Häftlinge gefordert.

Von of/ffz
Zehntausende protestieren in Rabat
Die Massenproteste halten an (foto: Twitter)

Die Demonstranten schlossen sich den Forderungen der Protestbewegung in der Region Al Hoceima im Rif-Gebiet an, die seit mehr als sieben Monaten anhält. Auslöser der Proteste war, dass damals der Fischverkäufer Mouhcine Fikri von einem Müllwagen auf Anordnung eines Polizeioffiziers zerquetscht wurde. Er hatte versucht, seine von der Polizei konfiszierte Ware zu retten (rf-news berichtete).

Das Rif-Gebirge - Wiege des Aufstands (foto: Chauen; Gabi from Alicante (CC BY-SA 2.0))
Das Rif-Gebirge - Wiege des Aufstands (foto: Chauen; Gabi from Alicante (CC BY-SA 2.0))

In Kürze

  • Massenproteste halten seit sieben Monaten an
  • Jeden Abend Demonstrationen in Al Hoceima
  • Mitgliedsorganisation der ICOR aktiv

Seit Beginn des für Muslime heiligen Monats Ramadan haben sich die Proteste intensiviert. In der Stadt Al Hoceima finden jeden Abend Massendemonstrationen und Proteste statt. Dort kämpfen auch Bauern gegen die illegale Enteignung und Vertreibung von ihrem Land. Die Polizei knüppelt sie nieder und geht immer brutaler gegen die Demonstranten vor. Für die inzwischen weit über 80 in Al Hoceima inhaftierten Demonstranten haben sich weltweit 600 Anwälte zu ihrer Verteidigung bereit erklärt.

 

Bilder ähneln "Arabischem Frühling"

 

Die Bilder ähneln denen, die man aus dem „Arabischen Frühling“ von 2011 kennt. Aber in den heutigen Demonstrationen entwickelt sich etwas Neues. Während es bisher üblich war, zwischen Regierung und König zu unterscheiden und meist sogar den König zu loben, heißt es heute immer seltener „Es lebe der König“, vielmehr: „Es lebe das Volk!“

 

„Aus jeder Stadt sind wir gekommen und die Freiheit wollen wir!“, war der Slogan der Demonstration in Rabat. Es ist bezeichnend, dass in der bürgerlichen Presse kaum darüber zu lesen ist, will man doch partout Marokko als sicheres Herkunftsland einstufen.

 

ICOR-Organisation berichtet

 

Die MLPD solidarisiert sich mit den berechtigten Protesten der Massen gegen das reaktionäre monarchistische Regime von Mohammed VI. Mit der Organisation Marokkanische Marxisten-Leninisten Proletarische Linie (MMLPL) ist eine Mitgliedsorganisation der Internationalen Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen (ICOR) im Land aktiv.

 

Sie schrieb bereits im Februar zu den damals gerade hochflackernden Protesten im Rif-Gebiet: „Das Rif-Gebiet war schon immer eine Wiege des Widerstands gegen das Sultanat von Marokko - vor dem französischen Protektorat, dann gegen die französischen und spanischen Kolonialherren und ihre reaktionären Verbündeten in Marokko während des Protektorats. …

Das Rif-Gebiet war schon immer eine Wiege des Widerstands

MMLPL

Nach der Unabhängigkeit trugen die Massen der Gebirgsregion des Rif ihre Ablehnung des Vertrags über diese Unabhängigkeit auf die Straße, indem sie ihm vorwarfen, eine neue Form der neokolonialen Abhängigkeit zu schaffen. Deshalb befahl der König von Marokko die Militarisierung dieser Zone und die Vernichtung der Rebellion des Rif während des gesamten Jahres 1958.

 

Diese Operation hat tausende Rifains das Leben gekostet. Seitdem hat die marokkanische Monarchie die Rifains aufgrund ihrer Aufstände sanktioniert, indem dieser Zone jede Entwicklung und öffentliche Dienstleistungen wie Schulen und Krankenhäuser verweigert wurden.“ (Bericht der MMLPL in voller Länge)

 

Dass sich diese Proteste jetzt ausbreiten, zeigt den Willen der Massen auch in Marokko nach Demokratie und Freiheit. Ihm und der Arbeit der MMLPL gehört die volle Solidarität aller fortschrittlichen und revolutionären Menschen weltweit.