Opel-Chef tritt zurück

"Wir nehmen es auch mit Neumanns Nachfolger auf"

Am Wochenende ist Karl-Thomas Neumann als Vorstandsvorsitzender von Opel zurückgetreten. Er bleibt bis zum Abschluss des Verkaufs von Opel an PSA in der Geschäftsführung.

Von gp
"Wir nehmen es auch mit Neumanns Nachfolger auf"
Den Kampfwillen der Bochumer Opelaner konnte Opel-Chef Neumann bis zuletzt nicht brechen (rf-foto)

Als Nachfolger wählte der Opel-Aufsichtsrat den bisherigen Finanzchef und Geschäftsführer Michael Lohscheller1. Neumann war seit 2013 Chef bei Opel und ist hauptverantwortlich für die Schließung des Opel-Werkes in Bochum. Offiziell werden als Gründe für seinen Rücktritt Differenzen mit PSA-Chef Carlos Tavares über die Einführung der E-Mobilität genannt – Neumann wollte bei Opel vor allem die E-Mobilität ausbauen.

 

Rüsselsheimer Opelaner demonstrieren während des siebentägigen selbständigen Streiks in Bochum im Oktober 2004 (rf-foto)
Rüsselsheimer Opelaner demonstrieren während des siebentägigen selbständigen Streiks in Bochum im Oktober 2004 (rf-foto)

In Kürze

  • Neuer Opel-Chef Michael Lohscheller soll bis in 100 Tagen „Sanierungskonzept“ vorlegen
  • Auto-Experten erwarten „knallharte Restrukturierung"
  • Opel-Belegschaften kampferprobt und international vernetzt

Probleme mit dem Widerstand der Belegschaften

 

Neben Differenzen zur weiteren Konzernstrategie dürfte dabei auch eine Rolle gespielt haben, dass Neumann immer wieder Probleme hatte, seine Pläne zur Steigerung des Maximalprofits gegenüber den Belegschaften durchzusetzen.

 

Rüsselsheimer Opel-Kollegen erinnern sich im Gespräch vor dem Tor: "Der Diskussion mit der Belegschaft auf der Betriebsversammlung hat der sich nie gestellt." "Der wollte sich wohl nicht die Hände schmutzig machen, bei dem was jetzt ansteht!" "Der Abgang hat für uns auf jeden Fall nichts Gutes zu bedeuten."

 

Die Vorgaben von Tavares an den neuen Vorstandschef sind eindeutig: Michael Lohscheller muss bis 2020 Maximalprofit liefern. Er hat 100 Tage Zeit, dazu ein „Sanierungskonzept“ vorzulegen.

 

"Knallharte Restrukturierung"

 

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen erwartet eine „knallharte Restrukturierung“ - sprich die Vernichtung Tausender Arbeitsplätze verbunden mit weiterer Steigerung der Ausbeutung; Schließung von Werken nicht ausgeschlossen. Die angeblichen "Jobgarantien" hat Tavares gestern ausdrücklich relativiert. Spätestens nach 2018 ist mit massiver Arbeitsplatzvernichtung zu rechnen.

 

Mit seiner Ankündigung 2016 „Wir schalten jetzt ganz klar auf Angriff“2, hat sich Lohscheller für seinen Job beworben. Pläne auszuarbeiten ist das eine – sie umsetzen etwas anderes. Die Opel-Belegschaften sind kampferprobt, verfügen über eine gute internationale Vernetzung und gehen nicht unvorbereitet in die Auseinandersetzung.

Wir haben einen großen Verschleiß an Vorstandsvorsitzenden bei Opel.

Fritz Hofmann, Betriebsratsmitglied bei Opel Eisenach

 

Fritz Hofmann, Betriebsratsmitglied bei Opel Eisenach, meint dazu gegenüber Rote Fahne News: „Meine Kollegen haben gleich über den Rückzug von Karl-Thomas Neumann gespottet: 'Erst preist er die Fusion als Aufstieg eines neuen europäischen Champions mit leuchtender Zukunft, und dann verlässt er das sinkende Schiff. Natürlich geht er nicht ohne seinen bescheidenen Anteil an den versprochenen Boni einzustecken!'

 

Wenn Herr Neumann sich vor dem Konflikt mit der Belegschaft scheut, dann soll er eben gehen. Er wird sicher beobachtet haben, dass es in Frankreich bereits jede Woche Arbeitsniederlegungen gegen die Angriffe von Carlos Tavares gibt. Und es ist ihm natürlich auch nicht entgangen, dass die kämpferischen Arbeiter in Deutschland und Frankreich Verbindung aufgenommen haben.

 

Wir haben einen großen Verschleiß an Vorstandsvorsitzenden bei Opel. Wir nehmen es auch mit Neumanns Nachfolger auf. Mal sehen, wie lange der durchhält.“