Bratislava

VW-Beschäftigte im unbefristetem Streik

Am Dienstag sind die 12.300 Beschäftigten von VW in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, in einen unbefristeten Streik getreten.

Von jf / gp
VW-Beschäftigte im unbefristetem Streik
Die Belegschaften bei VW sind kampferprpobt - auch über Ländergrenzen hinweg (rf-foto)

Die streikenden Kolleginnen und Kollegen fordern mit ihrer Gewerkschaft 16 Prozent mehr Lohn für zwei Jahre. Der Streik ist zunächst bis zum 3. Juli angesetzt, dann beginnen die Werksferien. Es ist der erste Streik seit Gründung des Werkes 1991. Er trifft den VW-Konzern in seiner tiefen Krise.

(foto und bearbeitung: rf-news)
(foto und bearbeitung: rf-news)

In Kürze

  • Die Hauptforderung ist 16 Prozent mehr Lohn auf zwei Jahre
  • Es ist der erste Streik seit 1991 in Bratislava
  • Bänder und Karosseriefertigung stehen

Die Geschäftsführung hat lediglich 4,5 Prozent Lohnerhöhung im ersten und 4,2 Prozent im zweiten Jahr angeboten. Ein Sprecher von VW erklärte: Eine Lohnerhöhung um 16 Prozent gefährde die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft des Unternehmens.

 

Der Streik ist politisiert. Der slowakische Premierminister Robert Fico, der bisher „den Autokonzerne ihre Wünsche von den Lippen ablas“¹, gibt vor, den Streik zu unterstützen, weil er sich nicht offen gegen die Arbeiter stellen will. Zugleich mahnt er eine „schnelle Einigung“ an.

 

Spaltungs-Argumente ziehen immer weniger

 

Die bürgerlichen Medien berichten mit Respekt breit im In- und Ausland vom Streik, verbreiten aber zugleich das Spaltungs-Argument von der „Standortgefährdung“. Mit diesen Argumenten werden die Belegschaften gegeneinander ausgespielt und Zugeständnisse erpresst. Das gelingt aber immer weniger.

 

In Bratislava werden Autos der Marken VW, Porsche, Audi, Seat und Skoda produziert. Das Werk gilt als eines der modernsten und produktivsten im VW-Konzern. Die VW-Beschäftigten in der Slowakei verdienen im Schnitt 1.800 Euro im Monat. Das ist doppelt so viel wie der nationale Durchschnitt in der Slowakei - aber nur die Hälfte, bzw. ein Drittel dessen, was VW den Beschäftigten in Westeuropa zahlt. Die slowakischen VW-Arbeiterinnen und -Arbeiter sehen nicht ein, warum sie weniger als andere VW-Beschäftigte verdienen sollen.

 

Zwei Drittel der Beschäftigten im Streik

 

Am Dienstag beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als zwei Drittel der Beschäftigten. VW musste die Bänder anhalten, auf denen die Geländewagen VW Touareg und Audi Q7, sowie die Kleinwagen VW Up, Seat Mii und Skoda Citigo produziert werden. Auch die Fertigung der Karosserie für den Porsche Cayenne stand still. Jetzt gilt es praktische Solidarität zu organisieren und Streikbrecherarbeit in allen Werken des VW-Konzerns zu verhindern.

Ich gratuliere den Kolleginnen und Kollegen aus Bratislava zu ihrem Streik

VW-Kollege aus Kassel

Der Streik trifft auf eine Situation, wo in den deutschen Werken des VW-Konzerns die Politik der Klassenzusammenarbeit mehr und mehr in die Krise gerät und sich der Widerstand gegen die Folgen der VW-Krise zu formieren beginnt. Ein VW-Kollege aus Kassel sagt zu dem Streik:

 

„Ich gratuliere den Kolleginnen und Kollegen in Bratislava zu ihrem Streik. Ich werde mich dafür einsetzen, die Solidarität zu organisieren. Praktisch heißt dies auch, Streikbrecherarbeit zu verhindern. Der Streik zeigt, dass sich im gesamten Konzern unter den Arbeiterinnen und Arbeitern  'was bewegt'. VW will seine Krise international auf die Belegschaften abwälzen. Dem müssen wir international unsere Kampfkraft entgegenstellen. Der mutige Streik in Bratislava ist für uns ein Ansporn, gegen die Arbeitsplatzvernichtung, steigende Arbeitshetze und für die Rechte der Leiharbeiter zu kämpfen.“

 

In die Offensive gehen

 

Länderübergreifender Kampf ist angesagt, um gegenüber VW und den anderen Automonopolen eine überlegene Kraft zu werden. Die Homepage der Internationalen Automobilarbeiter-Koordination - www.iaar.de - ist zur Organisierung der Solidarität und internationalen Solidarität und Koordinierung der Kämpfe eine geeignete Plattform.

 

Die Betriebsgruppen der MLPD werden den Streik bekannt machen, die Organisierung der Solidarität unterstützen und die internationale Koordinierung und Organisierung der Automobilarbeiter fördern. Dazu braucht sie viele neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter!