Daimler

Betriebs- und Protestversammlung bei Daimler

Gestern fand bei Daimler in Stuttgart -Untertürkheim eine heiße Betriebsversammlung statt.

Korrespondenz aus Stuttgart
Betriebs- und Protestversammlung bei Daimler
Proteste bei Daimler in Stuttgart im Jahr 2009 (rf-foto)

5250 Daimler-Kollegen kamen am 22. Juni bei glühender Hitze zur außerordentlichen Betriebsversammlung in die Stuttgarter Schleyerhalle. Den Protest hatten die Untertürkheimer IG Metall-Vertrauensleute bei einer Vollversammlung am 2. Juni gegen die Stimme des Betriebsrats-Vorsitzenden beschlossen. Sie wehren sich gegen eine so genannte "Schweineliste", die die Werkleitung bei der zweiten Verhandlungsrunde zur E-Mobilität vorgelegt hatte.

 

Breite Ablehnung der "Schweineliste"

 

 

Für 300 Ersatz-Arbeitsplätze in elektrischen Antrieben bzw. Batterien forderte der Daimler-Vorstand: 100 Arbeitsplätze in der Batteriefabrik als tariffreie GmbH, ein Geschenk von 21 Über-Stunden durch alle Kollegen, Absenken der Azubi-Zahlen, flexibleres Versetzen und Verleihen auch in andere Werke, rollierende Pausen, Fremdvergabe der Instandhaltung, Stopp bei Neueinstellungen, keine Übernahme der Leiharbeiter und einiges mehr. Das stößt auf breite Ablehnung und wachsende Aktivität in der Belegschaft. Das zeigten Dutzende selbst gemalte Schilder und insgesamt 71 angemeldete Redebeiträge - mehr als je zuvor! Viele Kollegen, vor allem junge und neue Vertrauensleute stellten sich das erste Mal mit bebendem Herzen auf die Bühne. Alle Beiträge lehnten die Erpressung ab. Es wurden viele Argumente entwickelt - aus der Produktion, Instandhaltung, aus gewerkschaftlicher Sicht, von Ingenieuren,...

 

Werksleiter Deiss erlebte erstes Waterloo

 

Der relativ neue Werksleiter Frank Deiss erlebte sein erstes Waterloo. Mit seiner smart-lockeren Art, die übelsten Angriffe zu verkünden, das kam gar nicht an. Dutzende Male wurde er durch Pfeif-Konzerte unterbrochen - und machte gleich einen Rückzieher: eine tariffreie Batterie-Fabrik wird nicht mehr gefordert, aber "extrem wirtschaftlich" müsse sie schon sein. Davon ließen sich die Kolleginnen und Kollegen aber wenig beeindrucken.

 

Betriebsratsführung orientiert auf Verhandlungen

 

Die Betriebsratsführung gab sich kämpferisch, stellt aber Verhandlungen in den Mittelpunkt. Im Unterschied zu den Kollegen ließ sie Bereitschaft zu Zugeständnissen durchblitzen, z.B. dass man nicht mehr alle Azubis übernehmen müsse. Dazu gab die Versammlung keinerlei Mandat! Die Betriebsrätin der kämpferischen Liste "Offensive Metaller" forderte einen sofortigen Abbruch der Verhandlungen. Statt die Kampfbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen zu nutzen, über gemeinsame Forderungen und das weitere Vorgehen zu beraten, haben die verantwortlichen Betriebsräte die Versammlung zeitlich beschränkt und überhaupt nur 19 Kolleginnen und Kollegen - statt der 71 Angemeldeten zu Wort kommen lassen. Allerdings wurde die Versammlung vom Betriebsrat nur unterbrochen - nicht beendet.

 

In die Offensive für einen konzernweiten Kampf

Kollegenzeitung "Stoßstange"

 

Klar wurde: die „Schweineliste“ muss vom Tisch. Die Kolleginnen und Kollegen müssen jetzt beraten, wie sie organisiert den Kampf um ihre Interessen führen. „Gehen wir in die Offensive für einen konzernweiten Kampf für die Zukunftsinteressen der Arbeiter, Familien und der Jugend,“ schlagen die Kolleginnen und Kollegen um die Zeitung „Die Stoßstange“ vor (Ausgabe vom 19. Juni)