Stahlindustrie

Kampf um jeden Arbeitsplatz

Weltweit wird die Stahlindustrie neu geordnet. Der Konkurrenzkampf der internationalen Stahlkonzerne wird auf dem Rücken der Stahlarbeiter und ihrer Familien ausgetragen. Europaweit stehen die Stahlarbeiter vor der Herausforderung, einen gemeinsamen Kampf um ihre Arbeitsplätze und Interessen zu führen.

Korrespondenz aus Duisburg
Kampf um jeden Arbeitsplatz
Stahlarbeiter aus dem gesamten Ruhrgebiet bei der Kundgebung im Mai 2017 in Duisburg (rf-foto)

4.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr

 

Im führenden deutschen Stahlkonzern thyssenkrupp sind 4.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Auf der Betriebsversammlung bei thyssenkrupp Steel Duisburg Hamborn/Beeckerwerth haben mehrere Tausend Kollegen erwartet, dazu genaueres zu erfahren. Doch die Vertreter des Vorstandes sind ziemlich in der Defensive und hielten sich bedeckt. Ihre Versuche, die Kollegen von der Notwendigkeit einer Fusion zu überzeugen, und laut den Vorstandsplänen 500 Millionen Euro mehr rauszupressen, misslang gründlich.

 

Kollegen glauben dem Vorstand nicht

 

Eine Fusion „diene der Sicherung der Arbeitsplätze“ so Dr. Arnd Koefler vom Vorstand. Auch Heribert Fischer vom Vorstand bat um Verständnis, dass „ein Unternehmen doch Profit machen muss, damit die Arbeitsplätze gesichert“ werden. Auch wenn sie beteuerten, dass keiner 4.000 Arbeitsplätze mit einer Kahlschlagpolitik abbauen will - genau diesen Erklärungen glauben die Kollegen zu Recht nicht.

 

Klare Worte bei der Aussprache

 

Ein Kollege griff diese Konzern-Logik an. Er zeigte auf, dass der Konkurrenzkampf und der Zwang nach Profit schon Tausende Arbeitsplätze vernichtet hat und nichts sicherer geworden ist. Er griff an, dass die Vorstandspläne vorsehen, den Stahlbereich erst zu konzentrieren, und sich dann über eine Fusion vom Stahl ganz zu verabschieden - und zwar auf den Rücken der Stahlarbeiter und der Zukunft der Jugend. Die Streikaktionen in den letzten Monaten und der gemeinsame Kampf bringt den Vorstand in die Defensive. Für diese klaren Worte gab es viel Applaus, genauso wie für die Forderung der sofortigen Übernahme aller Azubis und die Verlängerung der 31-Stunden-Woche. Es wurde sich dafür ausgesprochen, dass alle Anlagen bestreikt werden, sobald der Vorstand seine Pläne konkreter werden lässt oder die Fusion bekannt gegeben wird – so lange bis die Pläne vom Tisch sind!

 

Applaus und Nachdenklichkeit für den Betriebsrat

 

Viel Applaus gab es auch, als der Betriebsrat sich klar gegen eine Fusion und die damit verbundenen Anlagenschließungen und Arbeitsplatzvernichtung aussprach. Nachdenklich stimmten dagegen Äußerungen, dass man ja verhandeln könne, dazu die Pläne aber auf den Tisch liegen müssten. Die Belegschaft diskutiert intensiv, wie man wirksam gegen die Pläne der Stahlkonzerne in Europa kämpfen kann.