Arbeitsplatzvernichtung

Fahrzeugbauer Schmitz-Cargobull unter Druck

Der Fahrzeugbauer Schmitz-Cargobull hat angekündigt, seinen Standort in Toddin bei Hagenow Landkreis Ludwigslust-Parchim bis September 2018 zu schließen.

Von Gerd Pfisterer

Der Betrieb stellt Kühlaufbauten und Kühlanhänger her. In Toddin arbeiten 156 Arbeiterinnen und Arbeiter, darunter 36 Leiharbeiter. „Um Kosten zu sparen“ und in Europa konkurrenzfähig zu bleiben, sollte die Produktion nach Litauen und Thüringen verlagert werden. Die Belegschaft jedoch war zum Kampf um ihre Arbeitsplätze bereit.

 

Kein Streikrecht in Deutschland

Weil die Schließung eines Werkes eine unternehmerische Entscheidung ist, gibt es dafür aber in Deutschland kein Streikrecht. Die Belegschaften sind deshalb gezwungen, solche Streiks selbständig zu führen. Hans-Georg Frericks von der IG Metall Rostock-Schwerin erklärte: „Wir haben dem Arbeitgeber gesagt, wenn du schon dicht machen willst, dann mit einem Sozialtarifvertrag“. Mit einem Sozialtarifvertrag wird aber nur die Abwicklung eines Betriebes geregelt. In einer Urabstimmung stimmten 90,4 Prozent der 87 Gewerkschaftsmitglieder für einen unbefristeten Streik. Als Reaktion auf den am 19. Juni beginnenden unbefristeten Streik beschloss der Aufsichtsrat, die Entscheidung über eine Schließung auf September zu vertagen.

 

Kollegen streiken weiter

Das hinderte die Kollegen aber nicht, weiter zu streiken. Der Druck auch durch die breite Öffentlichkeit zwang den Unternehmer, einem „Sondierungsgespräch“ mit der IG Metall zuzustimmen. Die Belegschaft muss sich aber darauf einstellen, den Kampf um ihre Arbeitsplätze selbständig weiter zu führen. Die Auseinandersetzung unterstreicht die Bedeutung des Kampfs für ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht.

Solidaritätserklärungen an IG Metall Rostock Schwerin: hans-georg.frericks@igmetall.de und Betriebsrat der Fa. Schmitz Cargobull Mecklenburg GmbH & Co. KG, Dorfstraße 77, 19230 Toddin