Kongo

G20-Gipfel geht an Afrikas Realität vorbei

Angela Merkel hat einen sogenannte "Partnerschaft für Afrika" auf die Tagesordnung des am kommenden Wochenende stattfindenden G20-Gipfel gesetzt. Nur: die Länder, die es betrifft, sind nicht eingeladen.

Von rem
G20-Gipfel geht an Afrikas Realität vorbei
Afrikas Kinder wollen Zukunft (foto Jbdodane CC BY-NC 2.0)

Nach der "Ehe für Alle" kommt jetzt aus dem Hause Merkel eine Heirat, ohne die Braut. Oder, wie ist es zu verstehen, wenn sie mit den G20 am Wochenende eine "Partnerschaft für Afrika" diskutieren will - ohne dass die afrikanischen Länder anwesend sind? Die G20 wollen freien Zugang für Kapital und Waren nach Afrika. Gleichzeitig soll am besten kein Flüchtling Europas Grenzen erreichen.

 

Wie dramatisch die Lage aktuell in der Demokratischen Republik Kongo ist, berichtet ein Marxist-Leninist aus dem Kongo. Seit über 10 Monaten erlebt die DR Kongo anhaltende Gewaltexzesse in den Kasai-Provinzen. Die Zahl der Binnenflüchtlinge geht in die Millionen, es wurden außerdem 20.000 Flüchtlinge nach Angola gezählt, 150.000 Kinder, die nicht mehr zur Schule können, mehrere Hunderte, wenn nicht Tausende Tote. Ende Juni wurden über 50 Massengräber entdeckt.

Kongo war belgische Kolonie (foto Jbdodane CC BY-NC 2.0)
Kongo war belgische Kolonie (foto Jbdodane CC BY-NC 2.0)

In Kürze:

  • Die Darstellung als hilflose Opfer dient den Imperialisten
  • Die Menschen im Kongo wollen Freiheit und Demokratie
  • Präsident Kabila nutzt Gewalt um Wahlen zu verzögern
  • Die G20 verhandeln über Afrika, um es bessern auszuplündern 
 

Der Auslöser des aktuellen Konflikts war der Mord von Regierungstruppen an dem traditionellen Clan-Chef Kamuena Nsapu. Darauf folgte ein Aufstand, angeführt von seinen Anhängern und ein Gegenschlag durch die Regierungsarmee. Horrorszenarien gingen durch die Medien.

 

Kabila will nicht abtreten

Die Stimmen mehren sich, dass die Mächtigen in Kinshasa diesen Konflikt instrumentalisieren als Vorwand, um die anstehenden Präsidentschaftswahlen zu verzögern. Denn unter diesen Bedingungen ist eine Wählerregistrierung nicht durchführbar. Staatschef Joseph Kabila will – unter Bruch der Verfassung – unbedingt weiter im Amt bleiben.

 

Der Hintergrund des Konflikts geht bis in die Kolonialzeit zurück. Damals machte die belgische Kolonialverwaltung – weil sie selber keine soziale Basis vor Ort hatte – die traditionellen lokalen Clan-Chefs zu ihren Anhängseln. Wen die Kolonialmacht als aufsässig einschätzte, wurde seines Amtes enthoben und weit weg von seiner Gemeinde verschleppt.

 

Gleichzeitig änderten sie die Art und Weise, wie die traditionellen Chefs ernannt wurden: Üblicherweise erfolgte das von der Gemeinde vor Ort in einem gemeinsamen Ratschlag. Nun wurden sie per Verwaltungserlass eingesetzt. Das eröffnete die Möglichkeit, nur noch die Personen zu bestimmen, die in der Gunst der Mächtigen standen.

 

Dieses Mal ging der Plan der Mächtigen schief!

Marxist-Leninist aus der DR Kongo

Unter dem Regime von Mobutu Sese Seko¹ wurde die Kolonial-Praxis wieder aufgenommen, die Clan-Chefs per Dekret einzusetzen. Seitdem versuchten alle nachfolgenden Regimes, das genauso zu machen. Man setzt Korruption ein für die Unterwürfigen, und Unterdrückung, Verhaftung bis zur Amtsenthebung, um Unliebsame durch regimehörige Statthalter zu ersetzen.

 

Dieses Mal im Kasai ist das für die Mächtigen schief gegangen. Der Clan-Chef Kamuena Nsapu hat Widerstand geleistet. Sogar nach seinem Tod entschloss sich seine Basis, sich weiter den Machthabern zu widersetzen. Die Region ist traditionell als rebellisch bekannt

 

Afrikas Menschen sind keine hilflosen Opfer

Als Reaktion darauf ließ die Zentralregierung bewaffnete Militäreinheiten auf sie los, mit der Absicht, eine ganze Bevölkerung zu bestrafen. Aber das hat nur noch Öl ins Feuer gegossen. Heute ist die Lage vor Ort unübersichtlich. Klar ist aber, dass die Menschen im Kongo - wie in ganz Afrika nicht die hilflosen Opfer sind, als die sie in den europäischen Medien gerne dargestellt werden. Solche Darstellung rechtfertigen dann G20-Verhandlungen, ohne Vertretung der afrikanischen Völker.

 

Die Realität ist anderes: Erst Anfang April hat ein Bündnis aus verschiedenen Oppositionsgruppen zu einem Streiktag gegen Machthaber Kabila aufgerufen. Der Streiktag sollte Druck machen, damit Kabila wie abgesprochen abtritt. In den Großstädten Kinshasa und Lubumbashi blieb eine Großzahl der Geschäfte geschlossen, auch der öffentliche Verkehr war stark eingeschränkt. Die Massen lassen sich nicht einschüchtern. Obwohl im Dezember 2016 bei mehreren Demonstrationen in verschiedenen Städten im Kongo mindestens 22 Menschen getötet und 45 verletzt wurden.