Verschärfte Ausbeutung

Daimler zahlt unterschiedliche Nachtschichtzuschläge

Es ist eine alte Methode der Kapitalisten, die Belegschaften gegeneinander auszuspielen und damit zu spalten.

Von Gerd Pfisterer

Umso wichtiger ist es, dass die Kolleginnen und Kollegen wissen, was in den einzelnen Betrieben los ist.

 

In Hamburg wird nur 12,5 Prozent Nachtschichtzuschlag gezahlt

So schrieb ein Daimler-Kollege aus Hamburg an die Rote Fahne: „ … dass es in Hamburg als einziges Werk nur 12,5 Prozent Nachtschichtzuschlag gibt.“ Nach Rückfrage berichtet eine Daimler-Kollegin aus Sindelfingen: „Wir bekommen in der Spätschicht von 14 bis 19 Uhr 20 Prozent Schichtzuschläge und ab 20 Uhr zahlt Daimler 30 Prozent Zuschläge.“

 

Der Hamburger Kollege beschwert sich, dass Betriebsrat und die IG Metall wenig getan haben, das zu ändern. „Über das Thema wird nicht mal gesprochen, es wird verschwiegen. Die Hamburger Kollegen sind darüber sehr aufgebracht. Von Seiten des Betriebsrates kommt dann: 'Das wird bei der nächsten Tarifrunde angesprochen.' Das finde ich eine bodenlose Frechheit. Es gibt ein Gerichtsurteil dafür, dass das, was Daimler in Hamburg macht, verfassungswidrig ist - und keiner redet darüber? ... Wir fühlen uns verarscht!“

 

Es gibt ein Urteil

Tatsächlich gibt es ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 9. Dezember 2015. Danach steht den Beschäftigten für die Zeit zwischen 23 Uhr und 6 Uhr ein Zuschlag von 25 Prozent auf den Brutto-Stundenlohn, beziehungsweise die entsprechende Anzahl freier Tage zu - soweit keine anderweitigen tarifvertraglichen Regeln gelten.

 

Die Hamburger Kolleginnen und Kollegen sollten es wie ihre Kolleginnen und Kollegen in Sindelfingen machen: Als 2004 die Werksleitung versuchte, die Schichtzuschläge denen in Bremen - nach unten – anzugleichen, haben sie das mit selbständigen Kampfmaßnahmen verhindert. Der Zusammenschluss über Betriebs-, Konzern- und Ländergrenzen hinweg ist der richtige Weg zur Überwindung der Spaltung.