Ingolstadt

Neue Broschüre findet reißenden Absatz

Besonders empört die Kolleginnen und Kollegen, dass interne Enthüllungen und Kritiken jahrelang systematisch und brutal unterdrückt wurden bis hin zur Entlassung kritischer Ingenieure, die schon vor langer Zeit auf eine Änderung gedrängt hatten.

Korrespondenz aus Ingolstadt
Neue Broschüre findet reißenden Absatz
Viel verspotteter Werbeslogan von Audi (foto: Norbert Aepli, Switzerland)

In den zwei Jahren, seit der Abgasbetrug bei VW öffentlich wurde, haben wir viele Einsätze bei Audi in Ingolstadt gemacht, hauptsächlich am Tor 10. Die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen hat sich seither merklich verändert.

Anfänglich meinten viele, die Krise beschränke sich auf Wolfsburg

"Geh mir weg mit VW, die bringen auch noch uns Audianer in Verruf", so oder ähnlich waren die ersten Reaktionen. Das ist ganz anders geworden. Die Verstrickung von Audi wurde immer offensichtlicher. Besonders empört die Kolleginnen und Kollegen, dass interne Enthüllungen und Kritiken jahrelang systematisch und brutal unterdrückt wurden bis hin zur Entlassung kritischer Ingenieure, die schon vor langer Zeit auf eine Änderung gedrängt hatten.

Rupert Stadler noch immer Audi-Chef

Das können die Kollegen nicht fassen. "Der lügt doch offensichtlich, wenn er auch nur den Mund aufmacht". Gestern sickerte durch, dass VW gleich vier Vorstände von Audi abberufen wird, das ist die Mehrheit des siebenköpfigen Gremiums. Stadler scheint sich noch immer zu halten. Er war einstmals mit großen Versprechungen, mit einer angeblich weißen Weste und dem Image "Ich bin doch einer von euch" angetreten.

"Wir waren ja auch stolz auf unsere Autos"

Innerhalb einer Dreiviertelstunde war der ganze mitgebrachte Vorrat der neuen Broschüre "Die VW-Krise offenbart die Diktatur der Monopole - dem Übel an die Wurzel" - herausgegeben von der Arbeiterplattform im Internationalistischen Bündnis - aufgebraucht; 31 Euro Spenden kamen zusammen. Die Kolleginnen und Kollegen, die nach der Frühschicht aus dem Werk kamen und jetzt drei Wochen Urlaub haben, nahmen fast alle eine Broschüre mit, als Urlaubslektüre, wie viele sagten. Die Forderung nach persönlicher Haftung der Verantwortlichen findet immer mehr Zustimmung. Dabei geht es den Kollegen auch um ihre Würde. "Wir waren gerne Audianer, nicht nur wegen der guten Bezahlung. Wir waren auch stolz auf unsere Autos". Das könne man heute, nachdem immer mehr Lug und Trug statt "Vorsprung durch Technik" offenbar würde, nicht mehr sein.