Themar

Antifaschistische Verbrüderung gegen Nazi-Konzert

Erneut wird der Stadtrand des Südthüringer Örtchens Themar von Hunderten Faschisten, Gewalttätern und Kriminellen heimgesucht. Die Einwohner sind nicht einverstanden und organisierten den Protest.

Von jörg weidemann
Antifaschistische Verbrüderung gegen Nazi-Konzert
Demonstration heute in Themar (foto: rote fahne)

Auf einem privaten Gelände findet bereits zum zweiten Mal ein faschistisches Konzert statt. Erst vor zwei Wochen hatten bis zu 6000 Faschisten ein solches Konzert besucht. Wie vor 14 Tagen war heute die ganze Stadt auf den Beinen, um dagegen zu protestieren. Wieder ist die Polizei mit Hunderten Beamten vor Ort, um den ordnungsgemäßen Ablauf des Konzerts zu sichern.

(foto: rote fahne)
(foto: rote fahne)

In Kürze

  • Trotz Straftaten wird erneut ein Faschisten-Konzert genehmigt
  • Unter anderem 15 Bürgermeister rufen zum Protest
  • MLPD und REBELL - Teil des Widerstands in Themar
  • Verbrüderung zwischen REBELL-Camp und Themar

„Schon mittags hatten sich rund 400 Menschen beim antifaschistischen Stadtfest versammelt“, berichtet ein Korrespondent aus Themar. „Weitere nahmen parallel noch an einem Friedensgebet teil.“ Erneut werden die Proteste von der überwiegenden Mehrheit der Stadt getragen. Vom Bürgermeister, über die Pfarrerin, Geschäftsleute, Vereine, Antifaschisten aus der Region und viele der gut 3000 Bürgerinnen und Bürger. Mit dabei waren heute auch der Jugendverband REBELL, die Kinderorganisation ROTFÜCHSE und die MLPD.

Polizeischutz für Straf- und Gewalttäter

„Viele Anwohner sind empört, dass der braune Spuk hier erneut auflaufen darf“, so ein Korrespondent zu Rote Fahne News, „obwohl bereits vor zwei Wochen zahlreiche Verstöße gegen das Versammlungsrecht dokumentiert wurden. Strafbare Handlungen, wie das Zeigen des Hitlergrußes oder das Tragen faschistischer Symbole, gingen durch alle Medien. 46 Strafanzeigen nahmen Beamte auf - wegen Bedrohung, Körperverletzung und Waffengesetz-Verstößen. Ungerührt davon erklärte Polizeisprecher Fred Jäger heute: „Unser Ziel ist es, den Versammlungsschutz zu gewährleisten.“

 

Der Organisator der als Konzert getarnten faschistischen Versammlung ist der wegen Körperverletzung vorbestrafte Faschist Tommy Frenck. Co-Veranstalter Patrick Schröder, NPD-Mann aus der Oberpfalz, verdient sein Geld mit einem faschistischen Versandhandel. Das Gelände stellt der Bürgermeister der benachbarten Gemeinde Grimmelshausen, Bodo Dressel, zur Verfügung. Der Ex-CDU-Mann war zwischenzeitlich bei der AfD aktiv, sei aber auch dort inzwischen wieder ausgetreten.

 

Die Menschen in Themar wollen von den Faschisten nichts wissen. Sie begrüßten mit großem Hallo die bunte Delegation des Jugendverbands REBELL und der Kinderorganisation ROTFÜCHSE bei ihrem Stadtfest. Mit antifaschistischen Rufparolen ziehen die Kinder und Jugendlichen auf den Platz. Sie führen gerade in der Region - in Truckenthal - ihr Sommercamp durch. Der REBELL hat sich in Südthüringen einen Namen gemacht, weil er letztes Jahr in der Gemeinde Hildburghausen half, antifaschistische Proteste gegen ein ähnliches Konzert zu organisieren. Heute Morgen unterstützten sie einen Infostand der Internationalistischen Liste/MLPD in Hildburghausen und luden zum Protest nach Themar ein.

Wir von der Stadt Themar haben nichts mit solchen Konzerten zu tun und distanzieren uns auch davon

Hubert Böse, parteiloser Bürgermeister von Themar

Themars parteiloser Bürgermeister Hubert Böse hat gemeinsam mit 14 anderen Bürgermeistern zu friedlichen Protesten gegen die Faschisten aufgerufen. Er freute sich beim Stadtfest über alle Beiträge zu der antifaschistischen Manifestation. Am offenen Mikrophon sprach unter anderem Stefan Engel, langjähriger Vorsitzender der MLPD und Spitzenkandidat der Internationalistischen Liste/MLPD in Thüringen.

 

Stefan Engel betonte die notwendige Einheit im antifaschistischen Kampf und kritisierte Ausgrenzungsversuche von Kräften unter dem Schlagwort „Extremisten“. Gemeint sind damit oft Kommunisten. „Aber wir sind keine Extremisten. Die Kommunisten waren die ersten im Widerstand gegen den Hitler-Faschismus und die ersten, die in den Konzentrationslagern landeten.“ Extremistisch ist die Bundesregierung: Einerseits erklärt sie zum Beispiel Afghanistan zum sicheren Herkunftsland und andererseits schickt die NATO weitere 3000 Soldaten dorthin. Er warnte vor jeder Verharmlosung der Faschisten. Die sogenannte "Identitäre Bewegung" hat zum Beispiel ein Schiff gechartert und macht im Mittelmeer Jagd auf Flüchtlinge. Sie sind auf Mord und Totschlag aus, Gewalttäter ohne Skrupel, so Stefan Engel.

Verbrüderung bei Demo und Kundgebung

Über 400 Antifaschisten demonstrierten dann ab 15 Uhr durch ihre Stadt. Sie zogen bis kurz vor das Veranstaltungsgelände der Faschisten, wo sie eine beeindruckende Kundgebung durchführten. Rednerinnen und Redner aus Hoyerswerda, Hildburghausen und Themar ergriffen das Wort, auch REBELLen und Rotfüchse. Klaus Dimler, antifaschistischer Aktivist aus Thüringen und ein Mitglied des Jugendverbands REBELL berichteten von ihren Erfahrungen mit antifaschistischer Aufklärung in Aalen.

 

Stellvertretend für die Bürgerschaft von Themar dankte eine Rednerin allen auswärtigen Unterstützern. Angesichts dieser Demonstration habe sie ihre Angst vor den faschistischen Umtrieben überwunden. Sie forderte auf, an allen Orten die antifaschistische Aufklärung zu verstärken. Die Teilnehmer stimmten ab, auch den Rückweg als Demonstration durchzuführen. Im Laufe des Tages kam es zu einer richtigen und wachsenden Verbrüderung zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Sommercamps und den Einwohnern von Themar. Noch lange gingen die Diskussionen.