Auto-Kartell

Und wieder lügt Daimler

Zur Rolle des Daimler-Konzerns im jetzt aufgeflogenen Auto-Kartell erhielt Rote Fahne News Informationen eines Insiders.

Von Gerd Pfisterer

Der Spiegel berichtet, dass Daimler sich angeblich freiwillig aus dem Autokartell der deutschen Hersteller zurückgezogen habe. Was hat es damit auf sich? 2009 flog Daimler mit dem LKW-Kartell¹ auf. Das 1997 gegründete Kartell war 14 Jahre lang aktiv, es gab Absprachen auf höchster Führungsebene.

 

Die EU-Kommission verhängte deshalb 2016 gegenüber Daimler, Iveco, DAF und Volvo/Renault eine Kartellstrafe von 2,93 Milliarden Euro. MAN (VW) blieb aufgrund der Kronzeugen-Regelung straffrei.

Mit "goldenem Handschlag" verabschiedet

Damaliger LKW-Vorstand war Andreas Renschler (2004 bis 2013). Von 2013 bis 2014 war er im Vorstand für PKW, verantwortlich für Einkauf. Renschler wechselte dann zu VW als LKW-Spartenvorstand. Dessen Nachfolger wurde Wolfgang Bernhard, vormals VW-Vorstand. Beide verabschiedet mit „goldenem Handschlag“ und ohne jegliche juristische Folgen. Bis 2010 war dann unter anderem Rainer Schmückle Vorstand für PKW und Einkauf der Marke Mercedes.

Arbeitskreis "Industriebaukasten"

Mit Schmückle verbunden war das Einsparprogramm CORE und die Entscheidung, die C–Klasse von Sindelfingen nach Bremen zu verlagern. Im Rahmen vor und während des CORE-Einsparprozess gab es einen gemeinsamen Arbeitskreis „Industriebaukasten“ (IBK), zusammen mit BMW und VW, um „Einkaufspotenziale zu generieren“. Es war sozusagen eine Einkaufskooperation.

 

Daimler und BMW wie auch VW vollzogen den Wandel zur Plattformstrategie bzw. auch Modulstrategie.² Die Standardisierung wurde in den Konzernen neu gebündelt, um noch größere Gewinne zu erzielen.

2009 "brannte die Luft" in Sindelfingen

Der Plan, die C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen zu verlagern, wurde 2009 jedoch mit einer der größten selbständigen Kampfaktionen der Sindelfinger Belegschaft beantwortet. Zehntausende Beschäftigten traten selbstständig in den Streik, in Sindelfingen „brannte die Luft“.

 

Daimler-Chef Dieter Zetsche persönlich musste in Sindelfingen antreten, wurde gnadenlos auf den Betriebsversammlungen ausgebuht. Danach war Rainer Schmückle nicht mehr zu halten. Er war das Bauernopfer und bekam eine Millionen-Abfindung.

 

Nachdem das LKW-Kartell aufgeflogen war, beendete Daimler offiziell die Zusammenarbeit im Arbeitskreis „Industriebaukasten“ in der alten Form. Tatsächlich arbeitet Daimler aber mit den anderen Autoherstellern bis zum heutigen Tag zusammen. Und bis heute ist keiner der Vorstände juristisch belangt worden.