Geheimdienst

Wie der Begriff "Linksextremismus" entstand

Die wenigsten wissen, dass der Begriff ganz gezielt vom Inlandsgeheimdienst (genannt Verfassungsschutz) in die Welt gesetzt wurde.

Korrespondenz aus Herne

Nach den Ereignissen um den G20-Gipfel in Hamburg irrlichtert eine Kampagne der Herrschenden gegen einen angeblichen „Linksextremismus“ durchs Land. Was das bitteschön sein soll - „Linksextremismus“ - konnte bislang noch niemand seriös erklären.

Konzept scheiterte

Was die wenigsten wissen ist, dass dieser Begriff ganz gezielt vom Verfassungsschutz in die Welt gesetzt wurde. In den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik war der Hauptfeind des Staatsschutzes das „Radikale“ (wobei man hier schon demagogisch radikal linkes Verhalten mit faschistischem gleichsetzte). Doch das Konzept scheiterte mit einer wachsenden kritischen Einstellung zum Kapitalismus unter den Massen, nachdem er seine ersten Krisenerscheinungen in der Nachkriegsordnung durchmachte.

Radikal heißt "An die Wurzel"

Im Buch "Gegnerbestimmung – Sozialwissenschaft im Dienst der 'inneren Sicherheit'"heißt es dazu: "Denn es sind die Verfassungsschutzbehörden selbst, die den Begriff des Extremismus auf eine denkbar schlichte Art und Weise erfunden haben ...". In dem Buch wird ein Ministerialdirigent Schwagerl zitiert, der 30 Jahre lang als 'Spezialist für Rechtsextremismus' im Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in Köln und im hessischen Innenministerium tätig war. Er weist darauf hin, dass sich in den 1970er Jahren immer mehr als "radikal in dem Sinne bezeichneten, dass sie der Sache auf den Grund oder an die Wurzel gehen wollen." Deshalb "wichen die offiziellen Stellen des Verfassungsschutzes in ihrem Bericht auf den Begriff 'extrem' aus." (S. 199)

Bürgerliche Wissenschaft in höchster Blüte

Und Jesse und seine Kollegen – die führenden "Extremismusforscher" im Auftrag des Verfassungsschutzes – ergänzen aktueller: "Der Begriff Extremismus wird teilweise synonym für Radikalismus und Populismus gebraucht. Das ist kritikwürdig. Extremismus ist... besser geeignet – weil weniger positiv konnotativ vorbelastet – als Radikalismus." (Jesse u.a., "Politischer Extremismus und Demokratieschutz"). Das ist bürgerliche Wissenschaft in höchster Blüte: Ein Begriff ist schlicht deshalb "besser geeignet", weil er den Kommunismus besser in den Schmutz ziehen soll ...