Utting

Autozulieferer will Belegschaft erpressen

Für vergangenen Donnerstag lud der Betriebsrat im Werk Utting von Webasto - Produzent von Klimaanlagen und Schiebedächern für PKW verschiedenster Marken - zur Betriebsversammlung ein.

Korrespondenz aus Utting am Ammersee in Oberbayern
Autozulieferer will Belegschaft erpressen
Webasto-Kolleginnen und -Kollegen haben nicht so sonnige Aussichten (foto: fotolia #146377632 | Urheber: algre)

Thema der Versammlung: "Die Forderungen der Geschäftsleitung an die Belegschaft". Ganz offensichtlich hatte die Betriebsleitung erwartet, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter diese "Forderungen" reibungslos - allenfalls leise murrend - hinnehmen würden. Doch sie hatte sich geirrt.

40 Stunden-Woche ohne Lohnausgleich - nicht mit uns!

Kern des Erpressungsversuchs: Drei Stunden pro Woche soll die ganze Uttinger Belegschaft ab sofort zusätzlich arbeiten und zwar unentgeltlich. Andernfalls käme die Produktionslinie für die Daimler-S-Klasse nicht ins Uttinger Werk am Ammersee, sondern in eine Webasto-Produktionsstätte in Osteuropa, nach Tschechien oder Rumänien. Wer hingegen die "Forderung" unterschreibt, bekäme eine Einmalzahlung von 1.000 Euro. 

"So empört habe ich meine Kollegen noch nie gesehen ..."

... berichtet ein Webasto-Arbeiter gegenüber rf-news. "Wir lassen uns nicht erpressen!" "Wer garantiert uns, dass die Arbeitsplätze dann wirklich in Utting bleiben?" "Wenn wir alle Betriebe allein in der Region aufzählen würden, wo Belegschaften auf Lohn, Festanstellung von Leiharbeitern und vieles mehr verzichtet haben und die nachher trotzdem dicht gemacht wurden, wären wir morgen früh noch da!"

Nicht gegeneinander ausspielen lassen ...

Das war das größte Anliegen der Kolleginnen und Kollegen, wie man am Beifall für entsprechende Wortmeldungen merkte. Warum sollen wir miteinander um die schlechtesten Arbeitsbedingungen und die niedrigste Bezahlung konkurrieren? "Wer erarbeitet denn das Geld? Das sind wir, nicht Sie!" wandte sich eine Kollegin an die Geschäftsleitung.

... und nicht für die Riesengewinne der Autokonzerne bluten

Gerade waren neue Nachrichten über das Autokartell publik geworden. Die Kollegen vermuten, dass in diesem Kartell auch die Bedingungen für die Zulieferer abgekartelt werden. Für diese Umweltverbrecher auch noch unbezahlte Mehrarbeit leisten? Am Freitag in Utting musste die Betriebsleitung die Versammlung erstmal ohne das gewünschte Ergebnis verlassen.