Autokartell

Diskussion im Intranet bei Daimler

Am 26. Juli verschickte Daimler-Chef Dieter Zetsche eine Mail an alle „liebe Kolleginnen und Kollegen.“

Von Gerd Pfisterer

Damals schrieb Zetsche: „Reden wir nicht drumherum: Die Autoindustrie macht derzeit Schlagzeilen - und keine guten.“ Das ist noch gelinde ausgedrückt, Herr Zetsche!

 

Zu dem „Verdacht, dass mehrere Automobilhersteller, darunter auch wir, kartellrechtswidrige Absprachen getroffen haben“ meint Zetsche, „sind wir gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen.“ Zu Zetsches Brief gibt es im Intranet bei Daimler eine Diskussion, die zeigt, wie das Vertrauen in den Vorstand schwindet. Rote Fahne News dokumentiert:

Stimmen von Kollegen

„Ich bin damals nicht gefragt worden, ob ich mit solchen 'Absprachen' (wenn es sie denn wirklich gegeben hat) einverstanden wäre. Und aktuell werde ich nicht informiert, ob oder was an der Sache dran ist. Also: für was soll ich geradestehen? Und warum sollte ich mich hier zum Komplizen für irgendetwas machen?“

Viele verärgerte und kritische Reaktionen

„Auf diese E-Mail, die wir gestern fast alle bekommen, haben verzichte ich gerne.“

 

„Da gibt es nichts zu spekulieren. Unser Unternehmen hat sich selber angezeigt. Wenn man nicht selber erkannt hätte, dass man Dreck am Stecken hat, hätte man sich auch nicht selber anzeigen brauchen. Wer die Nase so hoch trägt wie unser Daimler-Konzern, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Und das immer! Nicht nur ab und zu, oder wenn es gerade mal passt. ...“

 

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Kollege bei Daimler

„Hallo! In wie viele Skandale war unser Konzern seit 2007 verwickelt? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht. Wenn dann die Strafe folgt, werden es wie immer alle Tarifangestellten bezahlen müssen.“

 

„Sturm im Wasserglas? Ich erinnere mich nur an die 1,09 Euro Milliarden Strafzahlungen wegen dem LKW-Kartell vom letzten Jahr. Wie war das noch: 'Kein Geschäft der Welt ist es wert, gültige Gesetze, Regeln und ethische Normen zu verletzen'".