Fipronil

Erneut Eier verseucht – Lebensmittelskandale häufen sich

Beim Menschen kann das Insektizid Fipronil Übelkeit und Erbrechen auslösen. Insbesondere für Kinder ist es gefährlich.

Von ba
Erneut Eier verseucht – Lebensmittelskandale häufen sich
Wer weiß, was wirklich drin ist? (foto: fotolia #165093755 | Urheber: VPales)

Millionen Eier sind in der EU mit dem Insektizid Fipronil vergiftet. Als Ursache gilt nach bisherigen Erkenntnissen ein Desinfektionsmittel für Legehennenbetriebe der Firma "Chick-friend". Die Verantwortlichen haben dem Mittel illegal Fipronil beigemischt. Erste Meldungen aus Belgien erreichten die EU-Verantwortlichen schon am 20. Juli.

Mehr als eine Woche ungenutzt verstrichen

Dennoch wurden die deutschen Behörden erst am 28. Juli aktiv, als bekannt wurde, dass belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Insgesamt etwa 2,9 Millionen dieser Eier gingen nach Nordrhein-Westfalen, davon gelangten etwa 875.000 Eier in den Handel.

(foto: Harald Wächter auf flickr)
(foto: Harald Wächter auf flickr)
In Kürze
  • Mehr als eine Woche verstreicht ungenutzt
  • Statt ätherischen Ölen hochgilftiges Insektizid zugesetzt
  • Eier zum vierten Mal betroffen
  • Kapitalistische Massentierhaltung ist Faktor für globale Umweltkatastophe

Eier aus Niedersachsen in alle Bundesländer

Erst danach wurde begonnen, die Lieferströme des verunreinigten Desinfektionsmittels zu verfolgen. Dabei stellte sich heraus, dass es auch in Betrieben in Niedersachsen benutzt wurde. Deren Eier wurden in alle Bundesländer geliefert.

 

Fast alle Supermarktketten hatten belastete Eier im Handel, die zum Teil erst gestern aus den Regalen genommen wurden. 180 Betriebe in den Niederlanden und fünf Höfe in Niedersachsen wurden im Laufe der Woche gesperrt. (Am Ende des Artikels gibt es Links zu Seiten, die erklären, ob die Eier im Kühlschrank betroffen sind.)

Den Bauern gehen Tausende Euro verloren

Das verunreinigte Desinfektionsmittel Dega-16 war von dem Unternehmen "Chick-friend" im niederländischen Barneveld vertrieben worden. Zum Zweck der Profitsteigerung haben es die Verantwortlichen mit Fipronil gestreckt. Dreist schrieben sie noch auf das Etikett: "besteht aus rein ätherischen Ölen".

 

Offensichtlich sind die amtlichen Kontrollen der in der Hühnerhaltung verwendeten Mittel völlig unzureichend. Dennoch bauen viele Landesregierungen in den Landesämtern für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit laufend Stellen ab. Die Bezahlung neuer Kontrolleure wird auf die Kommunen abgewälzt, denen finanziell oft das Wasser schon bis zum Hals steht.

Insbesondere für Kinder gefährlich

Beim Menschen kann Fipronil Übelkeit und Erbrechen auslösen. Insbesondere für Kinder ist es gefährlich. Der Gehalt des Mittels in den Eiern liegt oft über der sogenannten Referenzdosis für Kinder. Dennoch spielt das dem Landwirtschaftsministerium unterstehende Bundesamt für Risikobewertung die Gefahren herunter.

 

Die EU-Kommission gab sogar schon Entwarnung, obwohl noch gar nicht klar ist, wie viele der verseuchten Eier sich noch in den Haushalten befinden oder in anderen Lebensmitteln verarbeitet sind. Experten erwarten auch, dass die Zahl von bisher 27 betroffenen Prüfnummern noch steigen wird, da noch nicht alle Testergebnisse der gesperrten Betriebe vorliegen.

Liste der Lebensmittelskandale immer länger

In den letzten 20 Jahren gab es mindestens 35 Fälle von durch Hersteller-Firmen falsch ausgewiesenen, verdorbenen oder gepanschten Nahrungsmitteln: Hormone und Antibiotika im Fleisch, Glykol im Wein, Würmer im Fisch usw. Das vierte Mal sind jetzt Eier betroffen. 2010 und 2012 wurden sie mit Dioxin verseucht, 2014 gerieten Eier der Firma Bayern-Ei wegen Salmonellen in die Schlagzeilen.

Sozialistische Landwirtschaft vermeidet Monokulturen und nicht artgerechte Massentierhaltung

Stefan Engel

Die kapitalistische Massentierhaltung ist zu einem Faktor des Übergangs in die globale Umweltkatastrophe geworden. Unter dem Diktat der mit dem Bank- und Industriekapital verschmolzenen Agrarmonopole unterliegt die gesamte Ernährungsgrundlage der Menschheit ihrem Profit- und Machtstreben.

 

In dem Buch "Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'" wird ausgeführt: "Mit dem ungeheuren Fortschritt der Produktivität in der Landwirtschaft sind alle materiellen Voraussetzungen gereift, dass kein Mensch auf der Welt mehr hungern müsste. Um das zu verwirklichen, ist es allerdings notwendig, die Drangsalierung der Welt durch eine Handvoll internationaler Monopole zu beenden, das imperialistische Weltsystem zu überwinden und den Sozialismus zu erkämpfen."¹

 

Der Autor Stefan Engel entwickelt in einem weiteren Buch die Vision einer sozialistischen Landwirtschaft, die "ökologisch und multifunktional" arbeitet: "Sie wird nicht nur Rohstoffe produzieren für Lebensmittel, Industrie und Energieerzeugung, sondern ebenso Landschaftspflege und Tierschutz, Wasser- und Hochwasserschutz betreiben. ... Sie nutzt die Vorteile der Bewirtschaftung großflächiger Äcker, vermeidet aber Monokulturen und nicht artgerechte Massentierhaltung."²

Bestrafung der Verantwortlichen

Zur Bekämpfung der schleichenden Ruinierung der Gesundheit und Unterminierung der Lebensgrundlagen durch verseuchte und ungesunde Lebensmittel muss sich die Arbeiterbewegung und die breite Masse der Bevölkerung gegen die Agrarmonopole mit den Klein- und Mittelbauern zusammenschließen. Denn auf ihrer aller Rücken wird die Profitgier skrupellos ausgelebt.

 

Sie haben selbst ein ureigenes Interesse an gesunden und qualitativ wertvollen Nahrungsmitteln. Notwendig ist jetzt neben der Durchsetzung einer lückenlosen Kontrolle die unverzügliche Aufdeckung und drastische Bestrafung aller Verantwortlichen. Sie müssen auch für die Schäden aufkommen, die den Bauern durch die Sperrung ihrer Höfe entstanden sind.