Drohungen

Atomkriegsgefahr zwischen USA und Nordkorea spitzt sich zu

Nach erneuten Raketentests des nordkoreanischen Militärs droht US-Präsident Donald Trump offen mit dem Einsatz von Atomwaffen.

Von gp
Atomkriegsgefahr zwischen USA und Nordkorea spitzt sich zu
Donald Trump droht Nordkorea mit "Feuer und Wut", wie "es die Welt noch nie gesehen hat" (Foto: Gage Skidmore)

Beim Interview auf seinem Ferien-Golfplatz schwadronierte er, Nordkorea "mit Feuer und Wut" zu begegnen, "wie es die Welt noch nicht gesehen hat". US-Militärs und US-Außenminister Rex Tillerson versuchten dies als Reaktion auf nordkoreanische Provokationen herunterzuspielen.

US-Verteidigungsminister droht unverhohlen

 

Verteidigungsminister James Mattis allerdings legte nach: „Die Demokratische Volksrepublik sollte jeden Gedanken an Handlungen aufgeben, die zum Ende ihre Regimes und zur Vernichtung ihres Volkes führen würden.“ Gemeint ist damit nichts anderes als ein Atomschlag der USA. Die unverhohlene Drohung mit der Auslöschung eines ganzen Volks ist eine neue Qualität in der aggressiven Außenpolitik der Trump-Regierung und offenbart ihre faschistoide Gesinnung.

Militärparade mit Raketenträgern in Nordkorea (Foto: Stefan Krasowski)
Militärparade mit Raketenträgern in Nordkorea (Foto: Stefan Krasowski)

In Kürze

  • US-Verteidigungsminister droht mit "Vernichtung" des nordkoreanischen Volks
  • Kim-Jong-Un-Regime kündigt Raketenangriff gegen US-Militärstützpunkt Guam an
  • Nordkoreas Atomrüstung ist Trump-Regierung bei eigenen aggressiven Zielen im Weg

Das nordkoreanische Regime eskaliert den gefährlichen Schlagabtausch weiter. Verbunden mit verächtlichen Verlautbarungen gegenüber Trump kündigte es an, bis Mitte August Pläne für einen Raketenangriff auf den strategisch wichtigen Militärstützpunkt der USA auf der Insel Guam auszuarbeiten. Danach sollen vier Mittelstreckenraketen über Japan fliegen und etwa 30 bis 40 Kilometer vor Guam ins Meer stürzen.

 

Die Luftwaffenbasis Andersen auf Guam ist eine der größten Basen außerhalb des US-amerikanischen Festlandes. Neben Bomber-Geschwadern sind dort auch vier atombetriebene U-Boote, 5.000 Soldaten und eine unbekannte Zahl von „Spezialkräften“ stationiert.

Drohungen nur Rhetorik?

 

In den bürgerlichen Medien werden diese aggressiven Drohungen teilweise als reine Rhetorik abgetan. Sie bedeuten aber eine reale Verschärfung der Gefahr eines atomaren Schlagabtauschs. Nordkorea testet seit längerem Atomsprengköpfe und Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von bis zu 10.000 Kilometern. Sie könnten Atomwaffen bis nach Nordamerika tragen.

Wir werden ihnen mit Wut und Feuer begegnen, wie es die Welt noch nie gesehen hat

US-Präsident Donald Trump

Die Hauptgefahr für den Weltfrieden geht zweifellos vom US-Imperialismus aus. Im Wahlkampf hat Donald Trump deutlich gemacht, dass er bereit ist, Atomwaffen einzusetzen.

Hintergrund Rivalität zwischen USA und China

 

Trumps Regierungsauftrag besteht vor allem darin, die angeschlagene Rolle der USA als einziger Supermacht ökonomisch, politisch und militärisch aggressiv aufrechtzuerhalten. Das richtet sich insbesondere gegen den neuimperialistischen Hauptrivalen China, der das nordkoreanische Regime stützt und mit ihm kooperiert.

 

90 Prozent der nordkoreanischen Exporte gehen nach China. China hat zugleich besonderes Interesse an den Resourcen des rohstoffreichen Nordkorea - Experten schätzen das Potenzial auf eine Billion US-Dollar. Innerhalb weniger Tage hat China zwei großangelegte Seemanöver vor der koreanischen Halbinsel durchgeführt.

Atombomben zur Verteidigung?

 

Das reaktionäre Kim-Jong-Un-Regime in Nordkorea strebt selbst mit aggressiven Methoden nach regionaler Vorherrschaft. Mit mehr als einer Million Soldaten verfügt Nordkorea über die nach China zweitgrößte Armee Asiens. Dennoch fühlt sich die DKP-Zeitung UZ vom 5. Mai berufen, dessen Politik auch noch in Schutz zu nehmen. Als ob es bei der nordkoreanischen Atomrüstung um die Verteidigung des Volkes ginge, titelt sie: „Ohne Bombe so gut wie tot.“

 

Wie weit muss man gesunken sein, einem solchen Regime noch einen fortschrittlichen Anstrich zu verpassen? Mit Sozialismus oder Kommunismus hat die von den bürokratisch-kapitalistischen Machthabern in Nordkorea entwickelte Chuch'e-Ideologie nicht das Mindeste zu tun. Sie rechtfertigt eine abstruse Familiendynastie, unterwürfigen Personenkult, eine widerwärtige Militarisierung der gesamten Gesellschaft und brutale Unterdrückung der breiten Massen.

China derzeit gegen militärische Eskalation

 

Nordkoreas Atomrüstung und sein Pakt mit China sind der Trump-Regierung beim Ausbau der eigenen Vormachtstellung im ostasiatischen Raum im Weg. Die US-Armee simuliert in jährlichen Militärmanövern mit Südkorea die Invasion des Nordens einschließlich dem Einsatz von Atomwaffen. Der gegenwärtige Schlagabtausch liefert den USA auch Vorwände für die weitere Verstärkung seiner Militärpräsenz in und um Südkorea.

 

Trumps und Mattis' Drohungen zielen nicht zuletzt auf die Erpressung Chinas, sich von Nordkorea loszusagen. China hat bei seinem weltweiten Expansionskurs derzeit kein Interesse an einer militärischen Eskalation vor seiner Haustüre. Deshalb hat es auch einer Verschärfung der Sanktionen gegenüber Nordkorea zugestimmt.

Atomkrieg kann verhindert werden

 

Tausende Menschen versammelten sich gestern in Nagasaki zum Gedenken an den US-Atomwaffenabwurf vor 72 Jahren am 9. August 1945. Der Bürgermeister von Nagasaki warnte vor der nuklearen Bedrohung und davor, "dass diese Waffen in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich wieder genutzt werden könnten".

 

In dem 1983 erschienenen Buch "Krieg und Frieden und die sozialistische Revolution" des MLPD-Mitbegründers Willi Dickhut heißt es zur Gefahr eines Atomkriegs: "Wer Atomwaffen einsetzt, riskiert den Untergang der ganzen Menschheit. Diese Erkenntnis muß sich im öffentlichen Bewußtsein tief einprägen. Die breitesten Volksmassen, außer die wenigen Monopolkapitalisten und deren Lakaien, können auf keinen Fall ein Interesse an der Auslösung eines Atomkriegs haben.

 

Aber auch für die herrschenden Monopolgruppen in den imperialistischen Ländern gibt es eine ganze Reihe von Gründen, es in ihrem Interesse nicht für geboten erscheinen lassen, einen Atomkrieg anzufangen. ... Wenn die USA-Imperialisten oder die sowjetischen Sozialimperialisten einen Atomkrieg beginnen würden, könnte jeder Angreifer mit einem vernichtenden Gegenschlag des Gegners rechnen. ...

 

Nur ein entschiedener Kampf um die Erhaltung des Friedens und die Verhinderung eines Atomkriegs kann die Atommächte zwingen, ein Abkommen über ein Verbot und die Vernichtung von Kernwaffen (und auch chemischen und biologischen Waffen) abzuschließen. Dieser Weg ist möglich und kann auch dann schon erfolgreich sein, wenn die Voraussetzungen für die Ablösung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und damit die Beseitigung von Kriegen überhaupt noch nicht ausgereift sind." (S. 50-52)

 

Heute ist die Zeit reif für den Aufbau einer internationalen antiimperialistischen Einheitsfront, die sich gegen alle imperialistischen Bestrebungen auf der Welt richtet und eine dem Imperialismus überlegene Kraft entstehen lässt. All das wird auch ein wichtiges Thema beim kommenden Antikriegstag am 1. September - mitten im Bundestagswahlkampf - sein.