Insolvenz

Air Berlin - schuldenfrei in die Arme der Lufthansa

Am Dienstag hat die Fluggesellschaft Air Berlin Insolvenz angemeldet, angeblich weil Hauptaktionär Etihad Airways keine weiteren Kredite mehr zur Verfügung stellen wollte.

Von nn
Air Berlin - schuldenfrei in die Arme der Lufthansa
Foto: Maarten Visser

Air Berlin stieg seit der Gründung 1978 durch Zukäufe und Firmenübernahmen von einer auf Berlin-Flüge spezialisierten Fluggesellschaft zum zweitgrößten deutschen und siebtgrößten europäischen Luftfahrtkonzern auf. Seit 2010 geriet er aufgrund der wachsenden internationalen Konkurrenz zunehmend ins Hintertreffen.

Hauptgläubiger Etihad Airways

Im August 2011 gab Air Berlin ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm bekannt. Der Konzern war gezwungen, die Flugzeugflotte zu verkleinern und mehrere Strecken zu streichen. Seit 2012 machte er insgesamt 1,2 Milliarden Euro Schulden. Den größten Teil der Kredite nahm Air Berlin bei Etihad Airways auf, die 2011 ihren Anteil von 2,99 auf 29,21 Prozent aufstockte und damit zum größten Einzelaktionär der Gesellschaft wurde.

Protest von Piloten gegen sich verschlechternde Arbeitsbedingungen und Übermüdung (Foto: Cockpit)
Protest von Piloten gegen sich verschlechternde Arbeitsbedingungen und Übermüdung (Foto: Cockpit)

In Kürze

  • Drei chinesische Fluggesellschaften unter den zehn größten der Welt
  • Lufthansa auf Platz 6 nach vier US-Gesellschaften und der irischen Ryanair
  • Deal mit Bundesregierung zielt auf Ausbau des Lufthansa-Marktanteils unter Kontrolle des deutschen Imperialismus

Etihad Airways, nationale Fluggesellschaft der neuimperialistischen Vereinigten Arabischen Emirate, befindet sich vollständig in Regierungsbesitz und wurde vor allem mit Subventionen aus dem Ölgeschäft zum internationalen Konzern aufgebaut. Mit dem Kauf von Anteilen an europäischen Fluglinien wie Air Serbia, Alitalia und Air Berlin haben die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Marktanteil an Europas Luftfahrt gezielt ausgebaut.

Subventionierter Übernahmekandidat

2017 geriet Etihad Airways aufgrund eines verschärften Preiskampfs und der Konkurrenz aus anderen neuimperialistischen Ländern wie Saudi-Arabien, Türkei und China selbst in Schwierigkeiten.

 

Zu den nach beförderten Passagieren zehn führenden Fluggesellschaften der Welt gehörten 2016 bereits drei chinesische (Platz 8 bis 10). Auf den ersten vier Plätzen standen nach wie vor US-amerikanische Gesellschaften, auf Platz 5 folgte die irische Ryanair, auf Platz 6 die deutsche Lufthansa.

Die Insolvenz war ein Schock für die Mitarbeiter, die natürlich Zukunftsängste plagen

Markus Wahl, Pressesprecher der Pilotenvereinigung Cockpit

Der jetzige Insolvenzantrag und die unmittelbar danach erfolgte Zusage einer Bundesbürgschaft über 150 Millionen Euro zur Aufrechterhaltung des Betriebs von Air Berlin sind Teil einer bewussten Taktik. Dass die Merkel-Regierung diese so schnell gewährt hat, mag auch mit der gewünschten Ruhe im Bundestagswahlkampf zu tun haben. Vor allem ging es ihr darum, im Machtkampf mit Etihad den Konzern wieder vollständig unter Kontrolle des deutschen Imperialismus zu bringen und die Führungsrolle der Lufthansa auszubauen.

Staatsmonopolistischer Akt von Regierung und Luftfahrtkonzernen

Der staatliche Überbrückungskredit ist eine massive Subvention im Interesse einer erfolgreichen Übernahme durch die Lufthansa - ein Deal, der offensichtlich schon seit längerem eingefädelt wurde. Der größten deutschen Fluggesellschaft wird dadurch ein schuldenfreier und billiger Übernahmekandidat auf dem Silbertablett serviert.

 

Konkurrent Ryanair kündigte bereits Kartellbeschwerde an, weil der Insolvenzantrag mit diesem Ziel "arrangiert" worden sei. Ryanair ist, wenn es um die eigenen Interessen geht, allerdings nicht weniger skrupellos.

Arbeitsplatzabbau und Gehaltskürzungen drohen

Den 8.400 Beschäftigten droht mit der Insolvenz nicht nur der Verlust ihrer Arbeitsplätze, sondern auch eine massive Kürzung ihrer Gehälter, da sie bei einer Übernahme durch die Lufthansa vor allem bei deren Billigflug-Tochter Eurowings landen sollen. Auch viele Kleinanleger werden ihr Geld, in der Summe 255 Millionen Euro, kaum zurückerhalten. Markus Wahl, Pressesprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, im Gespräch mit RF-News:

 

"Die Insolvenz war ein Schock für die Mitarbeiter, die natürlich Zukunftsängste plagen. ... Die Insolvenz ist nicht vom Himmel gefallen, das hat sich angekündigt, sie hat auch eine Ursache im Missmanagement bei Air Berlin. Die Kollegen haben dort gute Arbeit gemacht. ... Für die Mitarbeiter geht es vorrangig um die Arbeitsplätze und wir müssen sehen, dass die nicht einfach woanders verschwinden. Wie genau die Vorstellungen sind, eventuell unter dem Dach der Lufthansa Teile der Air Berlin zu übernehmen, weiß Cockpit auch noch nicht. Für Cockpit geht es auf jeden Fall darum, die Rechte und sozialen Forderungen der Beschäftigten in den kommenden Verhandlungen zu verteidigen."

Flugpersonal kann kämpfen

Jeder Sanierungsplan, der drastische Kürzungen und Verschlechterungen vorsieht, muss von den Beschäftigten mit den geeigneten Mitteln beantwortet werden. Die Beschäftigten von Alitalia haben es im April mit einem Streik gegen die geplante massive Arbeitsplatzvernichtung vorgemacht.

 

Auch in Deutschland setzte sich das Luft- wie auch das Bodenpersonal von Fluggesellschaften in den letzten Jahren zunehmend kämpferisch - unter anderem mit gewerkschaftlichen Streiks - für seine berechtigten Interessen im Kampf gegen Personalabbau und schlechtere Arbeitsbedingungen ein.