Umwelt

Klimacamps – Jugend aktiv für Umweltschutz

Am Freitag, 18. August, startete das Klimacamp in Bonn, zu dem ein Bündnis aufgerufen hatte, mit einer leider sehr verregneten Auftaktdemonstration.

Von Peter Römmele
Klimacamps – Jugend aktiv für Umweltschutz
Trotz Regenwetter ist die Stimmung kämpferisch (rf-foto)

Dieses Klimacamp in Bonn ist etwas Neues. Es findet bewusst mitten in der Bonner Innenstadt statt, wendet sich an die Masse der Bevölkerung und verbindet Bildungs- und Diskussionveranstaltungen mit Aktionstraining und Kultur. Ab dem 24. August verbünden sich die drei aktuell stattfindenden Klimacamps (u.a. noch in Erkelenz und in der Nähe des Hambacher Forsts) zur Aktion „Ende Gelände“ gegen die Braunkohleverfeuerung im Rheinland.

Gemeinsam und mit guter Laune Seite an Seite gegen die Zerstörung der natürlichen Umwelt (rf-foto)
Gemeinsam und mit guter Laune Seite an Seite gegen die Zerstörung der natürlichen Umwelt (rf-foto)

In Kürze

  • Klimacamp ist Ausdruck eines Klärungsprozesses in der Umwelt- und Jugendbewegung
  • Kräfte aus der Jugendplattform des Internationalistischen Bündnisses sind aktive Träger
  • Das Camp findet noch bis Mittwochabend statt und lädt Interessierte ein

Beiträge mit hoher Qualität

Bestechend ist die Qualität der Kritik an der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch die kapitalistische Profitwirtschaft. In einem Vortrag zur Bayer-Monsanto-Fusion wurde die Unterordnung des Staates unter diese Monopole aus dem Kreis der 500 allein herrschenden Übermonopole deutlich. Mit einer Lex Bayer wollten Stadtspitze und Polizei zur Bayer-Hauptversammlung den Bereich rund um das Tagungsgelände zur Demofreien Zone erklären. Die Demo musste erst gerichtlich erkämpft werden.

Unsere Umwelt und damit unsere Zukunft ist in Gefahr!

Aufruf Bonner Klimacamp

Wie mit der Macht dieser internationalen Übermonopole umgehen? Überzeugungsarbeit gegenüber Aktionären schafft Aufmerksamkeit, ändert aber nichts an den Machtverhältnissen. VW-Beschäftigte berichteten vom Aufbau der VW-Komitees mit denen am Zusammenschluss der Arbeiterinnen und Arbeiter im Kampf gegen VW gearbeitet wird.

Klärungsprozess

Das Bonner Klimacamp ist Ausdruck eines Klärungsprozesses in der Umwelt- und Jugendbewegung. Große Verbände wie der BUND oder ATTAC hatten zum Camp aufgerufen, zeigen sich aber kaum präsent. In der Vorbereitung der Aktivitäten zum Weltklimatag, der dieses Jahr am 11. November mit einer zentralen Demonstration in Bonn begangen wird, ist die Strategiediskussion in der Umweltbewegung entfaltet: Aktiver Widerstand gegen die drohende globale Umweltkatastrophe oder Appelle an die Vernunft der Herrschenden?

Vor allem Jugendliche traqen das Camp

Das Klimacamp in Bonn wird engagiert getragen und organisiert vor allem von Jugendlichen. Unter anderem von Kräften aus der Jugendplattform des Internationalistischen Bündnisses (AKAB, REBELL, Young Struggle), die jungen Umweltaktivistinnen und Umweltaktivisten stehen für eine neue Umweltbewegung. Eine junge, engagierte, revolutionäre Umweltbewegung. Auch die Bonner Jugendbewegung und ver.di-Jugend sind mit vor Ort. Das Camp ist selbstorganisiert: mit täglichen Plenen werden Aufgaben für den Folgetag verteilt, von der Betreuung des Küchenzelts, Essensausgabe bis zur Öffentlichkeitsarbeit. Die Teilnehmerschaft ist bunt gemischt, Jüngere, Ältere, Besucher die durch die Medien von interessanten Vorträgen erfahren. Alle loben den Zusammenhalt und dass gemeinsam angepackt wird, zum Beispiel beim Sichern der Zelte. Auch die Linkspartei und die MLPD haben zum Camp aufgerufen. Letztere ist auch mit Unterstützern vor Ort.

 

AKAB berichtete von der Repression gegen ihre Aktivisten bei den Protesten gegen den G20-Gipfel. Immer noch sind einige inhaftiert und werden mit hohen Haftstrafen bedroht. Sie riefen zur Solidarität und Spendensammlung auf. Für den 9. September, um 15 Uhr, im DGB-Haus in Bonn organisiert die ver.di-Jugend NRW Süd eine Diskussionsveranstaltung zur Einschränkung des Versammlungs- und Streikrechts. Die Umweltgewerkschaft hat mit der Teilnahme von umweltbewegten Arbeiterinnen und Arbeitern aus Großkonzernen ihr spezielles Profil der Einheit von Umwelt- und Arbeiterbewegung eingebracht und sich engagiert beteiligt.

MLPD bringt ihre Analyse der neuimperialistischen Länder ein

Die MLPD engagiert sich im Besonderen in der Frage der Zukunft der Umwelt und Menschheit in einer sozialistischen Gesellschaft. In die verschiedenen Diskussionen brachte die MLPD ihre Analyse ein, dass sich heute durch die Herausbildung 14 neuimperialistischer Länder eine neue Qualität der Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems herausgebildet hat. Die neue Welle von Fusionen im Chemie/Pharma- und Futtermittelbereich wie Bayer und Monsanto ist vor diesem Hintergrund zu sehen.

Interessantes und anspruchsvolles Programm bis Mittwochabend

Das Klimacamp hat bis Mittwochabend noch ein äußerst interessantes Programm. Heute berichtete u.a. ein Siemens-Arbeiter vom Greenwashing des Konzerns. Morgen gibt es eine Veranstaltung zu den Wahlen und gegen den Rechtsruck und die AfD. Am Nachmittag findet eine Buchvorstellung zu Stefan Engels Buch „Katastrophenalarm!“ statt.

 

Der Mittwoch steht ganz im Zeichen der Strategiediskussion in der Umweltbewegung. Diskussionsveranstaltung zum „Sozialismus im 21.Jahrhundert als Perspektive für den Umweltschutz“, eine Abschlussdiskussion „System Change, not Climate Change!“, ein Aktionstraining und letzte Informationen zu „Ende Gelände“ sind dafür auf dem Programm.

 

Das Klimacamp freut sich über weitere Teilnehmer und Besucher/innen: Vor dem Poppelsdorfer Schloss - klimacampbonn.wordpress.com