Ford Köln

Abmahnung für Vertrauensmann: "Urteil inakzeptabel"

Viele Medien haben in den letzten Tagen über den Fall eines Kölner Ford-Arbeiters berichtet, der angeblich wegen 30 Sekunden Fußball gucken am PC eine Abmahnung erhielt. Der Solidaritätskreis „Weg mit der Abmahnung von Kemal Doğan“ aus Köln berichtet in folgender Pressemitteilung, um was es in Wirklichkeit geht:

Von Solidaritätskreis für Kemal Doğan

Das Arbeitsgericht Köln hat am 28. August die Klage von Kemal Doğan gegen eine von der Personalabteilung der Ford-Getrag-Transmission GmbH ausgesprochene und von der Leitung der Kölner Fordwerke bekräftigte Abmahnung abgewiesen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kemal Doğan für 30 Sekunden auf einem PC-Monitor ein Fußballspiel verfolgt hat. Und dafür sei eine Abmahnung angemessen. ...

Kemal Doğan hat nicht Fußball geguckt

Doch „es steckt mehr dahinter“, wie ein Arbeitsrechtler in den Leserkommentaren bereits vermutet. Denn Kemal Doğan hat nicht Fußball geguckt, noch nicht mal 30 Sekunden! ... Er wurde von einem Kollegen, der an dem PC zunächst dienstliche Sachen erledigte und dann über seinen privaten Zugang ein Fußballergebnis abfragen wollte, zu dem PC-Arbeitsplatz gerufen.

 

Kemal Doğan, gewählter IGM-Vertrauensmann und Mitglied der Bereichsleitung im Getriebewerk, kam dem Wunsch nach, ging zu dem Kollegen und fragte nach dem Grund. Der forderte ihn auf, doch Platz zu nehmen, weil er mit Kemal über einige betriebliche Fragen sprechen müsse.

 

In dieser Situation kam Hallenleiter Christoph Hallerbach dazu, reagierte sauer und drohte sofort mit personalrechtlichen Konsequenzen. Die Klarstellung von Kemal Doğan in den Folgetagen und auch durch den anderen Kollegen wurden von Ford-Getrag vom Tisch gewischt – wie jetzt auch vom Kölner Arbeitsgericht.

Erfundener "Zeuge"

Stattdessen erhielt Kemal Doğan am 16. März 2016 eine Abmahnung, in der sich die Personalabteilung auf einen „Kolonnenführer Herrn Tisch“ als Zeugen für das angebliche Fehlverhalten beruft. Einen Herrn Tisch gibt es aber im ganzen Getriebewerk nicht.

 

An dieser Falschbehauptung (man kann auch sagen Lüge) hielt die Ford-Geschäftsleitung bis zum ersten Kammertermin am 23. Mai 2017 fest. Als klar wurde, dass die Abmahnung bereits durch diese falsche Zeugenbenennung hinfällig ist, wurde die Abmahnung am 17. August 2017 zurückgezogen und eine neue Abmahnung zum gleichen Vorgang ausgestellt – 18 Monate nach dem „Vorfall“.

 

In einer schriftlichen Stellungnahme hat Ford außerdem behauptet, Herr Hallerbach habe bei seinem Gang durch die Halle auf einer Gehstrecke von 40 Metern die Kollegen Fußball schauend vor dem PC sitzen sehen. Der PC-Arbeitsplatz ist jedoch erst aus einer Entfernung von zehn bis maximal 15 Metern überhaupt einsehbar. ...

Kemal Doğan geht in Berufung

Wir begrüßen es deshalb, dass sich Kemal Doğan noch im Gerichtssaal entschieden hat, in Berufung zu gehen: „Das Urteil ist völlig inakzeptabel. Es geht um meine Würde als Arbeiter und als aktiver Gewerkschafter. Und es geht auch nicht nur um die Abmahnung gegen mich persönlich. Es geht ums Prinzip! Mit den Abmahnungen will die Geschäftsleitung Druck machen gegen uns Arbeiter und uns einschüchtern. Dazu muss mal einer Nein sagen – und ich habe Nein gesagt!“