Starkregen

Monsun 2017 - Umweltkatastrophe in Südasien

Der Monsun hat in Indien, Nepal, Pakistan und Bangladesch dieses Jahr schon über 2.000 Todesopfer gefordert.

Von hr
Monsun 2017 - Umweltkatastrophe in Südasien
Bangladesch: Notdürftige Reparatur brechender Dämme

In Indien starben 1.690 Menschen, wie die nationale Katastrophenschutzbehörde der Deutschen Presse-Agentur vorgestern auf Nachfrage mitteilte. Erst in den letzten Tagen haben die Behörden die Angaben in den sechs am stärksten betroffenen Bundesstaaten aktualisiert.

Riesige Zerstörungen

Mitte August standen ein Drittel von Nepal und Bangladesch unter Wasser. In Bangladesch wurden 700.000 Häuser beschädigt und 800.000 Hektar Anbaufläche. In Indien stand die Metropole Mumbai nahezu komplett unter Wasser. In diesem Sommer erlebt die Region den verheerendsten Monsun seit vielen Jahren. Nach Schätzungen von UN und Rotem Kreuz sind in Indien, Nepal und Bangladesh insgesamt rund 40 Millionen Menschen betroffen. Millionen Häuser wurden beschädigt und mehr als eine Million Hektar Anbaufläche zerstört. Bei sinkendem Wasserstand besteht zudem die Gefahr, dass sich Krankheiten ausbreiten.

Häuser stürzen ein

Am Donnerstag stürzte in Mumbai ein fünfstöckiges Wohnhaus ein. Dabei starben mindestens 34 Menschen. 17 Überlebende wurden nach Polizeiangaben geborgen und verletzt in Krankenhäuser gebracht. Das Haus galt schon seit Jahren als einsturzgefährdet. Eine Räumung erfolgte nicht, weil die Bewohner keine Alternativen hatten.

Existenzgrundlage verloren

Die Bauern im Süden Nepals haben ihre komplette Reisernte verloren. Die Häuser, ihr Hab und Gut sind zerstört, überall ist Schlamm. Sie müssen jetzt auf der Straße leben. Die Kinder können nicht in die Schule, weil der Monsun die Straßen weggeschwemmt hat. Nach der Flutwelle droht der Ausbruch von Seuchen und gefährlichen Krankheiten. Bauern in Nepal kritisieren, dass die Regierung nicht hilft. Es habe nicht einmal einen Notfallplan gegeben. Normalerweise würden die Bauern jetzt in der Monsunzeit den Reis anpflanzen, damit die Menschen im nächsten Jahr etwas zum Essen haben. Viele Bauern haben aber nicht nur ihre diesjährige Haupternte, sondern auch das Saatgut verloren.

Trinkwasser ist giftige Brühe

Indien-Expertin Anna Dirksmeier von Misereor: "Das Trinkwasser ist durch die Vermischung mit Abwassern zu einer giftigen Brühe geworden, und die Menschen brauchen Wasserreinigungstabletten, um sich vor Cholera und anderen Infektionskrankheiten zu schützen." Zudem würden Moskitonetze verteilt, denn die Überschwemmungen brächten unweigerlich Moskitoplagen und damit Malaria-Gefahr mit sich.

Wir sagen allen Klima- und Umweltzerstörern den Kampf an

Wahlprogramm der Internationalistischen Liste/MLPD

Massive Häufung von Extremereignissen

Die extremen Wetterereignisse häufen sich seit Jahren. Heuer gibt es kaum einen Tag, an dem wir nicht mit Horrormeldungen von Überschwemmungen, zerstörerischen Tropenstürmen, Erdrutschen und Waldbränden konfrontiert sind. Über den USA wütete der Hurrikan Harvey, die Bevölkerung von Texas traf er am härtesten. Für den faschistoiden US-Präsidenten Donald Trump kein Grund, seine rigorose Ablehnung auch der kleinsten Umweltschutzmaßnahme nur einen Deut in Frage zu stellen.

Ursachen, Wechselwirkungen und Zusammenhänge

Der Raubbau an fossilen Rohstoffen und ihre Vergeudung ist ein Hauptfaktor beim beschleunigten Übergang in eine globale Umweltkatastrophe. Der starke Anstieg von Treibhausgasen führt zu immer extremeren Wetterverhältnissen. In seinem Umweltbuch "Katastrophenalarm! ..." zitiert Stefan Engel eine Studie des Climate Accountability Institute, wonach 90 Konzerne, davon 83 aus dem Öl-, Kohle- und Gassektor, für fast zwei Drittel der seit der industriellen Revolution bis 2010 von Menschen verursachten Kohlendioxid- und Methan-Emissionen verantwortlich sind. In Deutschland stammen etwa 55 Prozent der jährlichen Treibhausgasemmissionen von Konzernen wie RWE oder E.on.

Spielt das Wetter verrückt?

Mit der Qualifizierung "Auch in Asien spielt das Wetter verrückt" verharmlosen viele Medien die Entwicklung. "Katastrophenalarm! ..." beschreibt das Phänomen deutlich gestiegener klimabedingter regionaler Umweltkatastrophen: „Diese sind zwar regional begrenzt, wirken sich aber auf die globale Umweltkrise aus. Jede regionale Umweltkatastrophe erinnert von Neuem daran, wie dringlich der weltweite aktive Widerstand gegen die globale Umweltkatastrophe ist.“ 

Konsequent ökologisch!

Die Internationalistische Liste/MLPD fordert in ihrem Programm zur Bundestagswahl „Arbeitsplätze und Umweltschutz! … Es könnten Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen werden – durch konsequenten Klimaschutz, Umstellung auf erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und Ausstieg aus der Müllverbrennung. Wir sagen allen Klima- und Umweltzerstörern den Kampf an. Zusammen mit allen Umweltkämpfern leisten wir aktiven Widerstand gegen die lebensfeindliche Politik des internationalen Finanzkapitals.“