Umwelt

Ein Monster-Sturm nach dem anderen - Umweltkampf kann keine Spaltung brauchen!

Hurrikan "Irma", der stärkste Wirbelsturm aller Zeiten, hat in der Karibik mit Spitzengeschwindigkeiten um die 300 Kilometern pro Stunde schlimmste Zerstörungen angerichtet. Die Umweltbewegung ist herausgefordert, sich einig dem Übergang in die globale Umweltkatastrophe entgegenzustellen.

Von Von ba / jw / gis
Ein Monster-Sturm nach dem anderen - Umweltkampf kann keine Spaltung brauchen!
Hurrikan Irma (Screenshot)

"Irma" bricht alle Rekorde. Es ist der stärkste Hurrikan, der je außerhalb der Karibik beobachtet wurde; weltweit hat nie zuvor seit Beginn der Messungen ein Sturm über mehrere Tage Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde produziert. Die Zahl der Todesopfer kann bisher noch überhaupt nicht abgeschätzt werden. Zehntausende Menschen wurden schon obdachlos.

Konsequent für die Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft (Rote Fahne-Foto)
Konsequent für die Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft (Rote Fahne-Foto)

In Kürze

  • Mehrere Sturmrekorde werden gebrochen
  • Extremwetter und regionale Umweltkatastrophen sind Folge des Übergangs in die globale Klimakatastrophe
  • Umweltbewegung bereitet in Bonn kämpferische und zielklare Demonstration gegen imperialistischen Klimagipfel vor

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Sturms betroffen sein. Der Hurrikan passierte die Karibikinsel Haiti und brachte sintflutartige Regenfälle. Dort leiden die Menschen noch immer unter den Auswirkungen des Hurrikans "Matthew" und unter den Folgen mehrerer regionaler Umweltkatastrophen in den letzten Jahren.

Bewohner der Küstenregionen Floridas sollen Wohnungen verlassen

„Irma“ zieht mit Geschwindigkeiten um 290 Kilometer pro Stunde weiter Richtung Kuba, Bahamas und Florida. Alle Bewohner sollten sich vorbereiten, „bald“ ihre Wohnungen zu verlassen, sagte der Gouverneur des US-Bundesstaates. Bis zu einer Million Menschen müssen in den Küstengebieten Floridas und Georgias ihre Häuser verlassen. Wenn Irma das Meer an der Küste aufpeitscht, werden bis zu acht Meter hohe Wellen und Überflutungen befürchtet. Hinzu kommt Starkregen.

Drei Hurricans sind unterwegs

Tatsächlich ist es nicht nur „Irma“, sondern es sind gleich drei Hurrikans, die in der Region wüten bzw. sie bedrohen. Westlich von „Irma“ zieht „Katia“ über den Golf von Mexiko. In Mexiko sind die Menschen gleichzeitig von einem schweren Erdbeben betroffen. Im Osten folgt „José“, der am Samstag Inseln treffen könnte, die eben erst von „Irma“ zerstört wurden.

Atomkraftwerke werden heruntergefahren

Auch die den Hurrikans folgenden Sturmfluten sind gefährlich: Bei „Irma“ werden bis zu acht Meter hohe Wellen und Überschwemmungen befürchtet. Der Energiekonzern Florida Power & Light musste deshalb zwei Atomkraftwerke an der Atlantikküste Floridas vom Netz nehmen, die nur sechs Meter über dem Meerespiegel liegen. Ein zweites Fukushima kann jederzeit wieder passieren.

Grund: Erwärmung der Meere

Wirbelstürme wie "Harvey“ und "Irma" beziehen ihre Energie aus dem tropisch warmen Meer. Die steigenden Wassertemperaturen infolge der Erderwärmung bewirken die Häufung der Extremwetter, zerstörerischen Megastürme bis zu regionalen Umweltkatastrophen. Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 die Zahl der Stürme um das 3- bis 17-fache im Vergleich zum Jahr 2000 steigen wird, wenn die Erwärmung der Meere nicht gestoppt wird. In Europa wirkt der kalte Nordatlantik noch als eine Art Schutzschicht. „Wenn das Wasser weiter wärmer wird, kann es durchaus sein, dass wir auch in Europa so etwas wie eine Hurrikan-Saison bekommen.“

Donald Trump ist eine umweltpolitische Katastrophe

Ob Donald Trump jetzt wohl denkt, die Häufung gefährlichster Monsterstürme über den USA sei eine Strafe Gottes für seine katastrophale Klima- und Umweltpolitik? Schließlich ist Trump ein überzeugter Anhänger des Aberglaubens, wonach Gott oder ein anderes höheres Wesen Erde, Menschen und Stürme geschaffen habe. Tatsächlich ist der Prozess des Umschlagens der globalen Umweltkrise in eine globale Umweltkatastrophe in eine neue Phase getreten. Das allein herrschende internationale Finanzkapital ist hauptverantwortlich dafür, denn es betreibt mit seiner Profitwirtschaft einen rücksichtlosen Raubbau an der Natur und treibt die Erderwärmung mit der ungebremsten Verbrennung fossiler Stoffe in die Höhe.

Radikale Sofortmaßnahmen notwendig!

Unter dem Motto „Unsere Umwelt/unsere Zukunft/unser Widerstand“ wird dafür anlässlich der in Bonn stattfindenden UN-Klimakonferenz eine Großdemonstration vorbereitet. Sie startet am 11. November um 12.30 Uhr auf dem Münsterplatz (http://demo-klimakonferenz.de).

Der Aufruf positioniert sich eindeutig kritisch zum UN-Klimaabkommen von Paris von 2015 als Mogelpackung

Hannes Stockert, umweltpolitischer Sprecher der MLPD

Zur Vorbereitung der Großdemonstration erklärt der umweltpolitische Sprecher der MLPD, Hannes Stockert, heute gegenüber Rote Fahne News: "Wir protestieren gegen die Klima-Killer wie Donald Trump, die sogar noch kaltschnäuzig aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen oder aussteigen wollen wie Recep Erdogan. Aber unser Aufruf positioniert sich auch eindeutig kritisch zum UN-Klimaabkommen von Paris von 2015 als Mogelpackung.

 

Mit seinen 'freiwilligen Selbstverpflichtungen' lässt das Pariser Abkommen sogar eine Erhöhung der Treibhausgasemissionen von 35 Gigatonnen auf 55 Gigatonnen bis 2030 zu. Es dient vor allem als Beruhigungspille für die Umweltbewegung. Aber selbst das ist Trump noch zu viel.

 

Vor diesem Hintergrund hatten die Vorbereitungen für eine Demonstration gegen den UN-Klimagipfel in Bonn erfolgversprechend begonnen, zielklar, mit gemeinsam beschlossenen Prinzipien, Standards und Zielen.

 

Inzwischen passt diese klare Stoßrichtung gegen alle imperialistischen Umweltzerstörer aber verschiedenen Kräften aus Attac, BUND, Linkspartei überhaupt nicht mehr. Sie sehen im Pariser Abkommen einen 'großen Schritt', der aber 'wenig ambitioniert umgesetzt' sei. Sie verließen das Aktionsbündnis mit einer antikommunistischen Stimmungsmache. Teile dieser Kräfte betreiben nun eine Spaltung und rufen zu einer anderen Aktivität auf, die fast zeitgleich stattfinden soll.

 

Werner Rätz von Attac erklärte offen vor allen Teilnehmern der zweiten Aktionskonferenz am 29. Juli, dass er gekommen sei, um dieses Bündnis zu spalten."

 

Auf Nachfrage der Roten Fahne erklärte Werner Rätz am 8. September: "Wir haben definitiv keinerlei Bereitschaft, in diesem Bündnis mit der MLPD mitzuarbeiten." Und auf die Nachfrage, warum man eigentlich nicht angesichts der wirklich dramatischen Klimaentwicklung vernünftig zusammenarbeiten könne: "Das brauchen wir jetzt nicht diskutieren! Dankeschön." Sprach's und legte den Hörer auf.

Antikommunismus wichtiger als die Umwelt?

Die Rote Fahne sprach gestern auch mit Martin Behrsing vom Erwerbslosenforum, der ebenfalls die Aktionskonferenz verlassen hatte und zu einem Parallelprogramm aufruft. Auf die Frage, ob man im Interesse der gemeinsamen Anliegen Differenzen nicht zurückstellen müsse, erklärte er in einem - von ihm autorisierten - Interview: "Nein. Wenn die MLPD einfach sagen würde, wir machen nur mit, wäre das ok. Aber wenn sie meint, sie müsse da Mitspracherecht haben, was die Redner angeht, was das Aktionsbild angeht, was politische Botschaft angeht, dann sagen wir einfach nein." Und auf die Rückfrage, ob man so mit Bündnispartner umgehe: "Nein, wir betrachten die MLPD nicht als Bündnispartner."

 

Und an anderer Stelle eindeutig: "Wir wollen unsere Themen durchsetzen können, also machen wir das." Also genau das, was er der MLPD vorwirft, nämlich die eigenen Themen durchsetzen. Dabei geht es aber nicht um einen "Themenstreit". Der Streit geht darum, ob sich die Umweltbewegung auf die Seite vermeintlich weniger klimaschädlicher Regierungen und Institutionen - z.B. die deutsche Bundesregierung unter Angela Merkel oder die EU - schlägt und mithilft, den Nimbus von den angeblich ambitionierten Zielen des Pariser Abkommens weiter aufrechtzuerhalten. Oder ob man den Hauptstoß gegen alle imperialistischen Umweltverbrecher richtet.

 

Dabei ist Behrsing auch bereit, antikommunistische Gerüchte zu verbreiten. So zum Beispiel, die MLPD habe sich zur Avantgarde der Umweltbewegung erklärt. Auf die Frage, wo er das denn her habe, blieb er vage: "Ich brauche da nur die Rote Fahne lesen, was der Gärtner (gemeint war wahrscheinlich Stefan Engel, die Redaktion) publiziert oder in seinen Interviews gesagt hat, also das reicht."

 

Im weiteren Verlauf des Gesprächs mit Martin Behrsing werden die antikommunistischen Motive immer deutlicher: "Wir möchten nicht mit der MLPD zusammenarbeiten. Es gibt da ein Weltbild bei der MLPD ... Genau dieses Weltbild des Sozialismus teilen wir nicht." Dass es bei dieser Demonstration um den Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe geht, ist ihm dabei egal. Als er im Interview aufgefordert wird, unterschiedliche Weltbilder hintan zu stellen und für die gemeinsame Sache zu demonstrieren, erklärt Behrsing: "Die Umweltbewegung ist groß genug, da braucht es nicht die 4000 Leute der MLPD."

 

Egal wie große die Aktion wird, Hauptsache Behrsing kann sein Ding machen und die MLPD ausgrenzen - die imperialistischen Umweltzerstörer können sich über solche Spalter nur freuen. (Das komplette Interview mit Martin Behrsing lesen)

Weltweiter aktiver Widerstand ist nötig

Ehrliche Umweltkämpferinnen und -kämpfer mit weltanschaulichen Unterschieden, aber einig im Willen, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen zu verhindern, werden diese kleinlichen Spaltungsmanöver nicht hinnehmen. Der Umschlag in eine globale Umweltkatastrophe fordert einen weltweiten aktiven Widerstand heraus - über weltanschauliche Grenzen hinweg, stark und gegen alle Imperialistischen. In diesem Sinne rufen MLPD und REBELL mit vielen anderen gemeinsam zu den Protesten und der Demonstration anlässlich der UN-Weltklimakonferenz in Bonn am 11. November 2017 auf.