Heilbronner Erklärung

Solidarität mit Siegmar Herrlinger: "Erhobenen Hauptes den Weg weitergehen"

Am gestrigen Samstag, dem 9. September 2017, fand in Heilbronn im Anschluss an eine Wahlkampfkundgebung in der Innenstadt eine Podiumsdiskussion der Internationalistischen Liste/MLPD statt.

Von Autor(inn)en aus Baden-Württemberg
Solidarität mit Siegmar Herrlinger: "Erhobenen Hauptes den Weg weitergehen"
Die Podiumsdiskussion fand im Anschluss an die Wahlkampfkundgebung statt (Rote Fahne-Foto)

Thema der Podiumsdiskussion war: „Konsequenzen aus der VW-Krise – Kampf um Arbeitsplätze und Umweltschutz“.

Völlig richtig: Wahlkampfthema Nummer Eins!

Angesichts der Tatsache, dass der von den bürgerlichen Medien beschönigend als „Diesel-Thematik“ bezeichnete systematische Betrug der großen Automobilmonopole auch schon während des Einsatzes in Heilbronn Thema zahlreicher Gespräche war, wurde noch einmal deutlich, dass es genau richtig ist, dies zum Wahlkampfthema Nummer eins der Internationalistischen Liste/MLPD zu machen.

Kompetentes Podium

Das Podium war dabei mit Monika Gärtner-Engel (Mitglied im Zentralkomitee der MLPD und Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017 in Baden-Württemberg), Rita Renner als Moderatorin (außerdem Direktkandidatin in Heilbronn), Günter Kachel (langjähriger Arbeiter bei Audi in Neckarsulm), Pit Bäuml (Mitglied im Vorstand der Umweltgewerkschaft) sowie Siegmar Herrlinger (Porsche-Angestellter) sehr kompetent besetzt.

Porsche schäumt vor Wut über Erzfeind Siegmar Herrlinger

Siegmar Herrlinger arbeitet seit 39 Jahren bei Porsche, wo er schon lang als kämpferischer Gewerkschafter bekannt ist. Durch sein mutiges Auftreten bei Betriebsversammlungen hat er immer wieder unnachgiebig die vollständige Aufklärung der Verstrickungen des Porsche-Konzerns in den Diesel-Betrug gefordert. Damit machte er sich zum Erzfeind des Porsche-Vorstandes, der mit allen Mitteln diese Aufklärung zu verhindern versucht.

 

So bekam Siegmar Herrlinger sogar schon Hausverbot bei Porsche und musste sich seinen Arbeitsplatz und seine Teilnahme an der Betriebsversammlung gerichtlich erstreiten. Zuletzt ging der Porsche-Vorstand ungeachtet dieses Gerichtsurteils und der Tatsache, dass Siegmar Herrlinger als Direktkandidat der Internationalistischen Liste/MLPD Kündigungsschutz genießt, sogar so weit, ihn fristlos zu kündigen (Rote Fahne News berichtete gestern).

"We are the Union"

Gleich zu Beginn wurde das Lied „We are the Union“ gesungen. Es folgte eine Schweigeminute für einen kürzlich verstorbenen Genossen der MLPD Ludwigsburg.

Kampf für Arbeitsplätze und Umweltschutz!

Die Beiträge der Podiumsteilnehmer griffen gleich wichtige Fragen auf. Pit Bäuml von der Umweltgewerkschaft betonte vor allem, dass der Kampf um Arbeitsplätze und Umweltschutz eine Einheit sind. Er riet dazu, gerade in diesem Wahlkampf den Parteien auf den Zahn zu fühlen und zu prüfen, ob sie sich klar dagegen positionieren, dass Arbeitsplätze und Umweltschutz gegeneinander ausgespielt werden.

Verheerende Auswirkungen auf Mensch und Natur

Auch wenn Autokartell, Abgasbetrug und die Versuche der Verantwortlichen, sich aus der Affäre herauszuziehen, auf so manchen wie Real-Satire wirken, sind die Auswirkungen auf Mensch und Natur verheerend. So ist es nachgewiesen, dass Stickoxide und Feinstaub jährlich bei 400.000 Menschen in Europa zum vorzeitigen Tod führen, wie Siegmar Herrlinger anschaulich erklärte. Das nehmen die Verantwortlichen in den Konzern-Spitzen und der Regierung in ihrer ganzen kriminellen Energie bewusst in Kauf.

Wir sind stolz darauf, dass Arbeiter wie Siegmar Herrlinger auf der Internationalistischen Liste kandidieren

Heilbronner Erklärung, verbschiedet am 9. September 2017

Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus

Dabei haben wir es nicht nur mit einzelnen Übeltätern in den Vorständen zu tun, sondern vor allem mit Gesetzmäßigkeiten im Kapitalismus. VW hatte sich nämlich zum Ziel gesetzt, Weltmarktführer in der Automobilbranche zu werden. Dieser verschärfte Konkurrenzkampf und die Jagd nach Maximalprofiten kommt in folgendem Zitat von Karl Max zum Ausdruck:

 

„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. […] und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr seines Galgens.“  Diese Gesetzmäßigkeit des Profitstrebens ist bis heute gültig. Einzig und allein durch die internationale sozialistische Revolution und den Aufbau des Sozialismus kann es überwunden und nach den Bedürfnissen der Menschheit in Einheit mit der Natur produziert werden.

Warum reagiert Porsche so aggressiv?

Monika Gärtner-Engel hob hervor, dass der beharrliche Kampf der MLPD und der Internationalistischen Liste für die vollständige Aufklärung des Diesel-Betrugs maßgeblich dazu beigetragen hat, dass dieses Thema heute immer noch hoch aktuell ist. Angeblich handelt es sich bei der Internationalistischen Liste/MLPD um ein unbedeutendes, isoliertes Bündnis einer Sekte mit ausländischen Terrororganisationen.

 

Aber wenn das tatsächlich stimmen sollte, warum haben die Herrschenden dann aktuell eine internationale Hetzkampagne gegen die MLPD und ihre vermeintliche gemeinsame Kandidatur mit der PFLP losgetreten? Warum reagiert Porsche jetzt mit einer Kündigung auf eine so aggressive Art und Weise, obwohl Siegmar Herrlinger doch Ende des Jahres sowieso in Rente gehen würde?

Internationales Industrieproletariat gegen Diktatur der Monopole

Auf diese Frage hin ruft ein Zuhörer: „Na weil sie zeigen wollen, wer hier der Boss ist!“ „Genau so ist es“, antwortete Monika auf diese Bemerkung. Porsche setzte sich beispielsweise über Gerichtsurteile und Gesetze völlig hinweg und unterdrückt die Meinungsfreiheit kritischer Arbeiter wie Siegmar Herrlinger., die sie offenbar fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Das kriminelle Geflecht von Regierungen und Monopolen ist typisch für den staatsmonopolistischen Kapitalismus.

 

Günter Kachel und einige andere sprachen zu Erfahrungen bei Diskussionen mit Automobilarbeitern. Viele von ihnen sind zurecht stolz auf ihre Arbeit. Das darf aber nicht dazu führen, dass sie sich mehr mit „ihrem“ Konzern als mit der Arbeiterklasse identifizieren. Es ist heute entscheidend, das internationale Industrieproletariat im Kampf gegen die Diktatur der Monopole zusammenzuschließen!

Heilbronner Erklärung verabschiedet

Im Anschluss an die Diskussion wurde von den Veranstaltungsteilnehmern die „Heilbronner Erklärung: Erhobenen Hauptes den Weg weitergehen!“ verabschiedet. Es heißt darin unter anderem: "Wir lassen uns nicht spalten in VW-, Audi-, Porsche-Kollegen oder in Arbeiter aus Deutschland, Spanien, Ungarn und anderen Ländern. Wir fordern alle Arbeiter auf: Wir müssen als Arbeiter denken und handeln – als eine Klasse." (Die Heilbronner Erklärung im Wortlaut unter Quellen & Links)

Verpflichtung, den Kampf gegen VW und Co. aufzunehmen

Am Ende sangen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam das Lied des zehnjährigen Kampfes der Opelaner „Erhobenen Hauptes“.  Die ganze Veranstaltung wirkte für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als eine Verpflichtung, weiter die Internationalistische Liste/MLPD aufzubauen und den Kampf gegen VW und Co. aufzunehmen.

Große Solidarität mit Siegmar Herrlinger

Die gestrige Wahlkampfkundgebung der Internationalistischen Liste/MLPD in München verabschiedete eine Solidaritätserklärung an Siegmar Herrlinger, ebenso die Koordinierungsgruppe des Internationalistischen Bündnisses. Darin heißt es: "Lieber Siegmar, soeben wurden wir über deine fristlose Kündigung informiert. Wir sprechen uns entschieden dagegen und dir unsere volle Solidarität aus!

 

Der Porsche-Vorstand bekommt ganz offensichtlich kalte Füße: die kriminellen Machenschaften sämtlicher deutscher Autokonzerne kommen ans Licht, das jahrelange Dunkel wurde durch Vorkämpfer wie dich durchbrochen. Tja, wo kommen wir denn hin, wenn plötzlich die Arbeiter ihren Chefs auf die Finger gucken! Da hört das Demokratie-Verständnis der Herren Manager auf.

 

Unseres fängt hier erst an: Deshalb sind wir stolz, dass du für die Internationalistische Liste/ MLPD für den deutschen Bundestag kandidierst! Politiker mit einem Rückgrat wie einem Wasserschlauch gibt es schon genug, Zeit für Veränderung.


Letztlich ist es doch ein peinliches Armutszeugnis für die Firma Porsche: nicht mal das halbe Jahr bis zur Rente können sie deinen rebellischen Geist noch verkraften!  Für uns heißt das alles: jetzt erst recht! Wir werden es zum bundesweiten Politikum machen und die Solidarität organisieren!

 

Wir fordern nach wie vor: Strafrechtliche Verfolgung aller Umweltverbrecher! Haftung mit ihrem Privatvermögen! Sofortige Rücknahme der Kündigung von Siegmar Herrlinger!"