Palästina

Massive Kritik an Martin Schulz

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verstieg sich im Rahmen des „TV-Duells“ mit Kanzlerin Merkel dazu, palästinensischen Flüchtlingen allgemein „tiefverwurzelten Antisemitismus“ vorzuwerfen.

Von ffz

Hier drei Reaktionen darauf, die Rote Fahne News vorliegen:

Offener Brief von Arn Strohmeyer

Der Bremer Journalist Arn Strohmeyer schreibt in einem Offenen Brief:

 

„Als es im TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel um Terrorismus und Sicherheit ging, machte Kandidat Martin Schulz eine äußerst dumme Bemerkung. Er sagte: 'Es gibt zum Beispiel junge Palästinenser, Männer, die zu uns kommen, die mit einem tief verwurzelten Antisemitismus erzogen worden sind, denen muss man in klaren Sätzen sagen: In diesem Land hast Du nur dann einen Platz, wenn Du akzeptierst, dass Deutschland ein Land ist, das Israel schützt, dass das unsere Staatsräson ist.' ...

 

Sind die Palästinenser in Deutschland eine Problemgruppe? Sind sie, was Terroranschläge angeht, Gefährder? Und schließlich: Haben Palästinenser keinen Grund, Israel zu hassen – einen Staat, der sie mit seiner siedlerkolonialistischen Politik vertrieben, enteignet und eliminiert hat und eine solche Politik bis zum heutigen Tag weiter betreibt? Und was hat ein solcher Hass mit Antisemitismus zu tun? ...“

Offener Brief von Günter Schenk

SPD-Mitglied und Mitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft e.V. Günter Schenk hat ebenfalls einen Offenen Brief verfasst, in dem es unter anderem heißt:

 

"Wahlkampf auf dem Rücken des Volkes, welches seine Unterdrückung, verbunden mit einer bis heute nicht endenden Vertreibung durch den sich nominal jüdisch nennenden Staat, nicht ohne maßgebliche Unterstützung unserer Bundesrepublik ertragen muss? Das kann doch einfach nicht sein! ...

 

Martin Schulzes unsägliche und zutiefst ein ganzes Volk beleidigende Worte jedoch sind gleichermaßen eine Ohrfeige für mich, der, nur aufgrund seiner Menschenliebe für ein gequältes Volk, niemals aus Hass für ein anderes, gemeinsam mit jüdischen und nichtjüdischen Freunden für Gerechtigkeit für die Palästinenser kämpft, dem der angemaßte 'jüdische' Staat zwei mal die Einreise verweigerte ..., stellt für mich einen schmerzhaften Bruch zwischen mir und dem Kanzlerkandidaten Schulz dar. Martin Schulz hat das Band zwischen mir und ihm zerschnitten!"

Statement der Palästinensischen Gemeinde Deutschland e.V.

Die Palästinensische Gemeinde Deutschland e.V. erklärt in einem Statement:

 

„Wir als Deutsche mit palästinensischer Abstammung waren sehr enttäuscht und empört über Ihre Äußerung. … Ihr Wahlkampf steht unter dem Motto 'Zeit für mehr Gerechtigkeit'.

 

Angesichts dessen können wir nicht verstehen, daß Sie Israel zu einem Teil der deutschen Staatsraison erklärt haben; jenen Staat, der zwei Millionen Palästinenser in Gaza gefangen hält und belagert sowie fast drei Millionen Palästinenser im Westjordanland seit Jahrzehnten einem barbarischen Militärregime unterwirft. Wo bleibt da Ihre ‚Gerechtigkeit‘?

 

Sehr geehrter Herr Schulz, wir haben nicht den Eindruck, dass Sie sich der Konsequenzen bewusst waren, als sie die Palästinenser zur besten Sendezeit vor einem Millionenpublikum pauschal als Antisemiten verunglimpft haben. Wie Sie vielleicht nicht wissen: von den rund 200.000 Palästinensern in Deutschland haben circa 70.000 die deutsche Staatsbürgerschaft und sind damit wahlberechtigt. ...“