Siegmar Herrlinger

Welle der Solidarität

Nicht mal ein halbes Jahr noch konnten Porsche-Geschäftsleitung und -Betriebsratsvorsitzender den unbeugsamen Kollegen Siegmar Herrlinger und seinen rebellischen Geist im Betrieb ertragen. Er bekam eine fristlose Kündigung.

Solidaritätserklärungen

Am Samstag, dem 9. September 2017, fand in Heilbronn eine Podiumsdiskussion zu den „Konsequenzen aus der VW-Krise – Kampf um Arbeitsplätze und Umweltschutz“ statt. Siegmar Herrlinger selbst, Monika Gärtner-Engel, Rita Renner, Günter Kachel und Pit Bäuml saßen auf dem Podium. Am Ende verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung die "Heilbronner Erklärung"; Rote Fahne News berichtete gestern und dokumentierte auch erste Solidaritätserklärungen.

 

Weitere sind hier zu finden (wird fortlaufend aktualisiert)

 

Erkan Karakaplan, ADHK Ludwigsburg und Direktkandidat auf der Internationalistischen Liste/MLPD

Die Konföderation für Demokratische Rechte in Europa (ADHK) verurteilt diese Kündigung durch Porsche. Wir sind mit den kämpferischen Arbeitern und stehen auf ihrer Seite.

 

Solidaritätserklärung der ATIF

 Als Föderation der Arbeiter aus der Türkei in Deutschland (ATIF) protestieren wir entschieden gegen die fristlose Kündigung von Siegmar Herrlinger durch Porsche. Mit dieser Kündigung soll ein aufrechter Kollege, der sich jahrzehntelang für die Interessen der Arbeiter eingesetzt hat, mundtot gemacht werden.

 

Die Kündigung ist eine politische Disziplinierung die sich gegen alle richtet, die unerschrocken die kriminellen Machenschaften der Autobosse anklagen und für einen konsequenten Umweltschutz eintreten. Die Kündigung ist auch ein Angriff auf jeden Demokraten. Siegmar ist Direktkandidat im Wahlkreis Neckar-Zabern für die Internationalistische Liste/MLPD.

 

Wir fordern die sofortige Rücknahme der Kündigung!

 

An Siegmar schicken wir unsere wärmsten und solidarischen Grüße. Wir werden die Unterdrückung durch Porsche bekannt machen und die Solidarität mit Siegmar organisieren.

 

Solidaritätserklärung von OFFENSIV

OFFENSIV, Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit bei Opel in Bochum, schreibt unter der Überschrift "Betriebe sind kein rechtsfreier Raum!":

"Unser Stuttgarter IG-Metall-Kollege Siegmar Herrlinger, seit 39 Jahren beschäftigt bei der VW-Tochter Porsche, hat heute eine fristlose Kündigung bekommen! Siegmar hat auf Betriebsversammlungen und in der Öffentlichkeit und als Kandidat zur Bundestagswahl auf der Internationalistischen Liste/MLPD die Umweltvergiftung durch Abgas-Manipulationen und die Verstrickung von Porsche kritisiert. Porsche hatte bereits versucht, ihm Hausverbot zu erteilen und von einer Betriebsversammlung fern zu halten und hat alle Gerichtsprozesse dagegen verloren – Siegmar blieb im Betrieb. Nun hat Porsche mit einer fristlosen Kündigung nachgelegt – die vor Gericht ebenso wenig Bestand haben wird.

 

Erfahrungen mit Repressalien haben auch wir in Bochum und andere Kollegen in der Autoindustrie in den letzten Monaten gemacht: Kollegen sollten in ihrem Vertretungsrecht durch Betriebsräte beschnitten werden, Flugblattverteilung und Kundgebungen vor Werkstoren wurden mit Polizeieinsätzen behindert, freie Meinungsäußerung in und außerhalb des Betriebs werden gemaßregelt, in manchen Betrieben wurden völlig absurd sogar Unterschriftensammlungen (!) für betriebliche Belange oder das Entgegennehmen eines Flugblatts einfach mal kurzerhand für „illegal“ erklärt. Die allermeisten der erteilten Abmahnungen und Drohungen hatten auch hier vor Gericht keinen Bestand und mussten zurückgenommen werden.

 

Offenbar ist es Methode: völlig unabhängig von der Rechtslage und davon, ob man am Ende einen Prozess verliert, schüchtern die Konzerne die Kollegen ein, behindern ihre freie Meinungsäußerung und ihr Recht auf politische Betätigung in ihrer Freizeit, stellen sie in eine kriminelle Ecke, ganz nach dem Motto „irgendetwas wird schon hängen bleiben“. Damit beugen die Unternehmen geltendes Recht – wenn Rechte und Freiheiten zwar auf dem Papier weiter gelten, in der Praxis aber nicht ausgeübt werden können, da man sonst mit Abmahnung, Mobbing, gar Kündigung zu rechnen hat, die man höchstens in aufwändigen Rechtsstreits wieder los wird. Betriebe dürfen keine rechtsfreien Räume – „No-go-Areas“ für kritische Kollegen werden!

 

Dies ist kein Problem allein der betroffenen Kollegen. Ohne kritische Kollegen im Betrieb werden sich die Arbeits- und Lebensbedingungen aller verschlechtern! Wer heute noch nicht betroffen ist, kann schnell der nächste sein, und dann gibt es keinen mehr, der die Rechte der Arbeiter verteidigen wird. Man muss auch nicht mit allen ihren Positionen, betrieblich oder (partei-)politisch einer Meinung sein - jeder Demokrat muss aber ihr Recht auf diese Meinung verteidigen.

Dazu rufen wir alle Gewerkschafter, Parteien, Verbände – die ganze demokratische Öffentlichkeit auf!

Einstimmig verabschiedet auf dem Sommerfest der Betriebsratsliste OFFENSIV am Samstag, 9. September, in Bochum

 

Kundgebung der Internationalistische Liste / MLPD München am 9.9.2017

Lieber Siegmar Herrlinger, wir erklären uns solidarisch mit Dir als langjährigem Porsche-Kollege und Deinem mutigen Auftreten für Umweltschutz, für die Verbesserung unserer Lebensbedingungen und gegen die Unterdrückung deiner Kritiken an der kriminellen Abgasmanipulation von VW und Porsche auf Betriebsversammlungen.

 

Es ist hervorragend, dass Du Dir eine einstweilige Verfügung, auf Eurer Betriebsversammlung im Juli teilzunehmen, erkämpft hast und dort auch mutig aufgetreten bist. Deine Kündigung durch den Porsche-Vorstand ist auch ein schwerer Eingriff in die demokratischen Grundrechte Deutschlands und das Prinzip freier Wahlen. Wir stehen für die Verteidigung des Grundrechtes auf Meinungsfreiheit und das Recht auf die Vertretung von Arbeiterinteressen.

 

Dein Kampf ist für uns alle wichtig und notwendig und braucht auch breite Unterstützung. Er ist vor allem auch sehr vorbildlich für die Jugend, und dass wir gemeinsam Jung und Alt für die Zukunft der Jugend kämpfen. Wir freuen uns, dass Du Kandidat unserer Internationalistischen Liste / MLPD bist. und die verbrecherische Abgasmanipulation zum Thema im Wahlkampf machst. Wir werden Deinen mutigen Kampf breit bekannt machen.

Mit kämpferischen Grüßen
i.A. Heinz Ziegler für das Internationalistische Bündnis München
einstimmig verabschiedet von rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Münchner Kundgebung am 9. September 2017