Bochum

Tausende Stahlarbeiter in Bochum auf der Straße - Stimmung selbstbewusst und kämpferisch

Aus zahlreichen Stahlstandorten sind sie angereist - viele auch mit Angehörigen und Freunden. Sie sind kampf- und streikbereit - die Solidarität ist riesig. Rote Fahne News ist vor Ort und wird den Tag über berichten. Nach Angaben der Veranstalter befinden sich derzeit 7000 Menschen auf der Straße in Bochum.

Von mehreren Korrespondenten
Tausende Stahlarbeiter in Bochum auf der Straße - Stimmung selbstbewusst und kämpferisch
Stolze Stahlarbeiter bei der Demonstration zum Stahlaktionstag in Bochum (rf-foto)

Breit verteilt wurde heute morgen vor zahlreichen Betrieben das gestern Abend erschienene Flugblatt der MLPD: "Solidarität mit dem Kampf der Stahlarbeiter um jeden Arbeitsplatz!" Darin heißt es: "Heute, beim Stahlarbeiteraktionstag, wird ganz thyssenkrupp – verschiedene Standorte und Stahlwerke - bestreikt. Tausende werden sich zu einer machtvollen Demonstration der Stärke der Stahlarbeiter, ihrer Familien und Freunde versammeln."

 

Rote Fahne News wird den ganzen Tag berichten. Die machtvolle Demonstration und Kundgebung hat begonnen. Die MLPD und viele Unterstützerinnen und Unterstützer mitten drin. Die MLPD hatte die Kolleginnen und Kollegen bereits am Morgen am Tor Süd von ThyssenKrupp und vor Ort an der Jahrhunderthalle begrüßt.

 

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Viel Erfolg und Glück Auf!

 

13:45 Uhr - Stefan Engel auf Abgeordnetenwatch

Heute hat Stefan Engel auf der demokratischen Homepage abgeordnetenwatch ein Frage zum Thema Fusion von Tata und thyssenkrupp  beantwortet. Stefan Engel war Jahrzehnte der Vorsitzende der MLPD. Er ist Spitzenkandidat in Thüringen zur Bundestagwahl. Er wurde gefragt:

Was sagt die MLPD zur Fusion von Tata und ThyssenKrupp und was gedenkt sie zu tun?

Frage auf abgeordnetenwatch.de

Antwort Stefan Engel:

"Die Fusion von Tata und Thyssenkrupp ist ein Versuch, gemeinsam auf dem Weltstahlmarkt zu bestehen bzw. einige Schritte nach vorne zu kommen. Fusionen sind immer geeignet, Arbeitsplätze abzubauen, die Löhne zu senken und zugleich die Konkurrenzfähigkeit zu stärken.

 

Das alles geschieht auf dem Rücken der Arbeiter und Angestellten und auch der Jugend. Konkret werden bei dieser Fusion allein in Europa 4.000 Arbeitsplätze bei Thyssen verloren gehen. An jedem Stahlarbeitsplatz hängen noch mal ca. 4-5 Arbeitsplätze der übrigen Wirtschaft. Das bedeutet, es geht hier um Arbeitsplätze zwischen 10- und 20.000, die auf der Abschussliste stehen.

 

Man muss diese Fusionspläne, die allein von Profitinteressen der beiden internationalen Monopole geleitet werden, entschieden entgegen treten. Die MLPD unterstützt die Losung: Die Fusionspläne müssen vom Tisch! Kampf um jeden Arbeitsplatz! Das ist nur in einem einem unbefristeten Streik aller Stahlarbeiter, bis diese Pläne vom Tisch sind, durchzusetzen.

 

Der Solidarität der internationalen Arbeiterbewegung können sich die Stahlarbeiter sicher sein, wenn sie nicht auf die sozialchauvinistischen Vorschläge hören, sich nur um die Interessen der deutschen Stahlarbeiter zu kümmern."

 

Stefan Engel - so berichtete Rote Fahne News vor einigen Tagen - war von knapp 2.500 zum Bundestag Kandidierenden unter den Top Ten, was die Beantwortung von Fragen angeht. Inzwischen ist er unter den Top 5. Mehr dazu und wie man selbst Stefan Engel Fragen stellen kann, findet man hier.

13:30 Uhr - Solidarität aus den Niederlanden

Jeroen Toussaint, der Vorsitzender des Rode Morgen Niederlande, schickt solidarische Grüße an die Stahlarbeiter beim heutigen Stahlaktionstag in Bochum:

 

"Für Rode Morgen ist klar, dass wir international zusammen kämpfen müssen. Die Fusionspläne von Tata/thyssenkrupp zielen auf den Verlust der Arbeitsplätze. Das einzig Vernünftige ist, international zusammen zu halten. Es geht nicht nur gegen Entlassungen zu kämpfen, sondern für die Zukunft der Jugend auch in der Stahlindustrie.

 

Tata und die Gewerkschaftsführung sagen, dass es keine Entlassungen geben wird. Aber wir wissen, wie das geht. Die Leute an den Hochöfen werden sich über die nächsten Schritte beraten. Es ist schade, dass die Gewerkschaftsführung hier nicht von Anfang an einen gemeinsamen Kampf organisiert. Wir werden unser bestes dafür tun, das möglich zu machen!" ¹

 

Der Rode Morgen eine marxistisch-leninistische Organisation aus den Niederlanden arbeitet mit der MLPD im Rahmen der revolutionären Weltorganisation ICOR zusammen. Über diesen Weg hat die MLPD auch die indische ICOR Organisationen und andere Revolutionäre über die Streiks in dieser Woche informiert.

12:30 Uhr

Die Demonstration wurde mit Stolz beendet. Viele Azubis - gerade aus dem ersten Lehrjahr - haben voller Stolz mitgemacht. "Wir hoffen der Hiesinger hat das gehört." 

12.15 Uhr

Aktuell demonstrieren Tausende Kolleginnen und Kollegen zurück zur Essener Straße. Die Stimmung ist weiter kämpferisch, aber auch nachdenklich. Es brodelt unter den Kolleginnen und Kollegen. Manche hatten zum Teil mehr von der Aktion erwartet und sind auch sauer auf die Gewerkschaftsführung, die sie wieder an die Anlagen schickt. "Ich bin enttäuscht, das hier alles hinter unserem Rücken gelaufen ist. Ich würde streiken". Man spürt förmlich, wie es in den Herzen ringt: Reicht das Selbstvertrauen dafür diesen Streik selbständig zu führen?

 

Im Moment gehen die Kolleginnen und Kollegen ins Werk zurück. Bisher ist es zu keiner Abstimmung über einen Streik gekommen, diese Entscheidung liegt jetzt bei den Belegschaften. Das die Anlage heute noch einmal hochgefahren werden - das glaubt derzeit keiner. Ein Streik, das wurde heute in jedem Fall deutlich hätte die breiteste Unterstützung weit über das gesamte Ruhrgebiet hinaus.

11:30 Uhr

Die Kundgebung läuft nach wie vor. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) wurde bei ihrem Auftritt zunächst laut ausgepfiffen. Applaus gab es nur wenn sie kämpferische Töne anschlug, den thyssenkrupp-Vorstand um Heinrich Hiesinger kritisierte und erklärte, dass man mit den Menschen so nicht umgehen dürfe.

9.35 Uhr:

 Punkt 8 Uhr standen die Montagsdemonstrationen von Duisburg und Bochum am Süd-Tor von Thyssen-Krupp-Steel in Bochum. Es kamen erste Busse aus Duisburg. Später reisen auch Solidaritätsdelegationen von Ford Köln an. Die Kollegen werden freudig begrüßt und aufgefordert, am Mikrofon zu sprechen.

 

Eine Kernfrage für die Kollegen ist die Zukunft der Jugend, dass die Azubis übernommen und nicht abgeschoben werden in die Peag und dann in die Arbeitslosigkeit. Um 9 Uhr beginnt die Demo, bei der die Azubis einen kämpferischen Block bilden. Bei der Auftaktkundgebung und der Demo wird diskutiert, wie man einen Kampf der Stahlarbeiter organisiert.

 

Es gibt viele Beiträge auch von anderen Stahlbetrieben. Peter Römmele (MLPD) und Markus Stockert sprechen. Annegret Gärnter-Leymann, ehemalige Betriebrätin bei Opel Bochum berichtet detailliert von den Erfahrungen vom Opel-Streik, wie sie das organisiert haben – von den regelmäßigen Versammlungen, der Verpflegung, der Sauberkeit usw. Verschiedene Redner betonen, dass die Entscheidung über den Kampf bei den Kollegen liegt uns sie sich das nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen. Die Demo zieht mit (nach ihren Schätzungen) über 5000 Teilnehmern durch die Essener Straße Richtung Kundgebungsplatz.

 

Gabi Fechtner, die Vorsitzende der MLPD, erklärt die uneingeschränkte Solidarität der MLPD. Gegen den Vorbehalt, die MLPD würde den Kampf der Stahlarbeiter für ihren Wahlkampf missbrauchen, betonen verschiedene Redner, dass die MLPD immer den Kampf der Stahlarbeiter unterstützt hat – ob Wahlkampf oder nicht - und dass sie selbst Teil der kämpferischen Bewegung ist und ihr know how zur Verfügung stellt.

 

Von anderen Parteien treten der Bundestagsabgeordnete der SPD, Axel Schäfer, und die Abgeordnete der Linkspartei, Sevim Dagdelen, ans Mikrofon und erklären ihre Solidarität – mit dem Tenor, die Landesregierung müsste etwas tun.

 

Der Duisburger Betriebsrat lässt über Radio verbreiten, dass die Mittagsschicht nach der Kundgebung wieder antreten würde. Annegret Gärtner-Leymann sagt dagegen, dass nicht der Betriebsrat und auch nicht die Presse, sondern die Arbeiterinnen und Arbeiter selbst entscheiden, ob sie die Arbeit aufnehmen oder nicht. Sie wollen nach der Kundgebung weiter streiken.

9.05 Uhr

Bisher sind die Busse aus Dortmund und Duisburg da, Delegationen außerdem aus Witten und natürlich die Bochumer Staharbeiter. Viele Delegationen aus verschiedenen Betrieben kommen. Eine große Gruppe Azubis wurde am offenen Mikrofon fulminant begrüßt, sie wählten sich einen Sprecher, der gleich seine erste Rede am Mikrofon hielt und betonte, dass es um die Zukunft der Jugend geht! Darum muss der Kampf geführt werden!

 

Es gibt eine klare Richtung für Streik! Im Moment spricht die Parteivorsitzende der MLPD Gabi Fechtner, die auch noch mal betont, dass die Arbeiter sich nicht einlassen dürfen auf Standortdenken und Spaltung oder das vielleicht noch das Schlimmste verhindert wird. Jetzt ist echte Mitbestimmung der Arbeiter und Angestellten gefragt. Mitbestimmen können wir nur durch Kampf und nicht durch illusionäre Hoffnungen auf Hinterzimmerbeschlüsse.

 

Es ist eine sehr gute kämpferische Stimmung! Die Kollegen aus Duisburg berichteten von ihren Streikaktionen und wie der Oberbürgermeister Sören Link/SPD mit seinen antikommunisischen Ausfällen gegen die MLPD voll auf dem Bauch landete. Die Arbeiter können sehr wohl unterscheiden, wer hier im Kampf auf ihrer Seite steht! Der Filmbeitrag in dem der Oberbürgermeister versucht den Streik am Mittwoch am Tor 1 in Duisburg als „Wahlkampfveranstaltung der MLPD“ zu diskreditieren und die selbstbwußte Antwort der Arbeiter und deren klare Positionierung für diejenigen, die solidarisch mit ihrem Kampf sind ist auf Facebook und der WAZ-Seite zu finden und wurde inzwischen 48.000 mal geteilt. (Hier geht es zum Video)