Ruhrgebiet

"Wir müssen noch öfter auf die Straße gehen"

Beim gestrigen Aktionstag der Stahlarbeiter in Bochum gab es noch viel mehr tiefgehende Gespräche. Rote Fahne News berichtet.

Von Gerd Pfisterer

Stahlarbeiter von HKM in Duisburg

- angesprochen auf den Haustarif bei HKM (Absenkung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich): „Ich finde das gut, sonst hätten Hunderte ihren Arbeitsplatz verloren.“ Das bestätigt, dass Arbeitszeitverkürzung Arbeitsplätze erhält bzw. damit sogar Arbeitsplätze geschaffen werden können. Aber warum sollen die Arbeiter das bezahlen?

 

„Wenn wir ausgelernt haben, verdienen wir so viel, dass ich gut auf 80 Euro verzichten kann.“ „Das mag sein, so lange du noch allein lebst, aber wie sieht es mit einem Familienvater aus?“ Das stimmte ihn nachdenklich.

 

„Die Frage ist doch: müssen die Kapitalisten Abstriche von ihrem Profit machen, oder sollen wir für den Profit auf Lohn  verzichten? Die Stahlarbeiter  müssen jetzt für eine Arbeitszeitverkürzung, für die 30-Stunden-Woche, aber mit vollem Lohnausgleich, kämpfen.“ Ob das durchzusetzen ist – da hatte der Kollege noch große Zweifel.

Bochumer Stahlarbeiter

Ein Kollege aus Bochum: „Das war heute sehr erfolgreich. Die Reden fanden ich nicht so berauschend, war auch wenig konkretes bei. Wir wissen eigentlich gar nicht, was genau kommt. Aber dass heute 7 000 Leute hier waren, das fand ich klasse. Ich glaube, wir müssen noch öfter auf die Straße gehen. Streik stell ich mir schwierig vor, wer soll das organisieren?“

 

„Eigentlich müsste jetzt viel mehr kommen. Aber die Kollegen haben noch zu viel Angst. Einer ist in der PEAG und meint, wenn ich jetzt Theater mache, dann bin ich gleich weg. Ein anderer hat sich mit seinem Haus hoch verschuldet, der traut sich auch nicht recht. Wenn man wüsste, ob die andern mitmachen ...“

 

„Das Problem auf meiner Schicht ist, dass ein Großteil der Kollegen stinkesauer auf die meisten Betriebsräte sind. Von denen hörst und siehst du ja auch nichts. Da heißt es nur: 'Es gibt nichts Neues'. Und dann liest Du am nächsten Morgen in der Zeitung, was thyssenkrupp vor hat. Dann erzählen sie uns, 'wir haben das auch erst aus der Zeitung erfahren'. Mir erzählt keiner, dass die führenden Leute im Aufsichtsrat nicht Bescheid wissen. Aber die müssen ja alles geheim halten – dann frage ich mich doch, was nützt uns das, wenn die da drin sitzen?“

Stahlarbeiter aus Dortmund

Ein Stahlarbeiter aus Dortmund  kritisiert seine Kollegen: „Viele meiner Kollegen denken immer noch, andere müssten die Kohlen für sie aus dem Feuer holen. Die machen nur was, wenn der Betriebsrat oder die IG Metall dazu aufrufen. Die haben regelrecht verlernt, in einer harten Auseinandersetzung was durchzusetzen bzw. standen nie vor solch einer Situation.

 

Heute zum Beispiel: dass wir während der Arbeitszeit nach Bochum fahren konnten, war zwischen Betriebsrat und dem Vorstand abgesprochen. Wenn wir heute Mittag nicht wieder anfahren, droht der Vorstand mit Abmahnungen? Davor müssten wir eigentlich gar keine Angst haben – wenn keiner arbeitet, wollen sie uns dann alle raus werfen?“

Arbeiter aus Siegen

Ein Kollege aus Siegen: „Wie Eure Partei hier auftritt, das imponiert mir. Ihr seid auch die einzigen, die das ganze Jahr vor dem Tor stehen. Von den anderen siehst Du nur vor den Wahlen was. Mitglied werden? Dazu habe ich zu wenig Zeit.“