München und Frankfurt

Vorgeschobener Antisemitismusvorwurf

Das Münchner Kulturzentrum Gasteig hat fristlos den Vertrag für den Jerusalem-Vortrag von Judith Bernstein, Sprecherin der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe, gekündigt.

Von gis

Der in München lebenden Tochter von Holocaust-Überlebenden wird ein Maulkorb verpasst, weil sie für den palästinensischen Befreiungskampf eintritt. Die Veranstalter gehen gerichtlich und mit einer Protesterklärung dagegen vor.

Verwahrung gegen Unterstellungen

In der Protesterklärung, die von Kulturschaffenden, Anwälten, Schriftstellern und anderen unterzeichnet wurde, heißt es: "Wir protestieren gegen die Unterstellung, hinter der Kritik an der israelischen Regierung verberge sich in Wahrheit eine antisemitische Gesinnung.

 

Wir verurteilen Rassismus, Nazi-Terror und Antisemitismus. Wir bejahen das Existenzrecht des Staates Israel. Wir wehren uns dagegen, mit Juden-Hassern und Rassisten in einen Topf geworfen zu werden, weil wir uns auch für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser einsetzen."

Protest auch in Frankfurt

Das Institut für Palästinakunde und zahlreiche weitere Unterzeichner wenden sich in Frankfurt am Main mit einem Schreiben an die 85 Stadtverordneten gegen den grundgesetzwidrigen Beschluss des Frankfurter Magistrats mit dem demagogischen Titel "Antisemitismus keinen Raum geben – BDS (1) aktiv entgegentreten". Das offensichtliche Ziel der Kampagne besteht darin, jede israelkritische Veranstaltung, die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzt, aus städtischen Räumen zu verbannen.

 

Der Vorstand des Instituts für Palästinakunde schreibt unter anderen: "War Ihnen bekannt, dass sowohl die EU als auch viele europäische Regierungen, darunter Irland, die Niederlande, Schweden, Spanien und die Schweiz die Legitimität der gewaltlosen BDS-Kampagne, mit der die palästinensische Zivilgesellschaft ihre Menschenrechte einfordert, nicht in Frage stellen? ...

 

Antisemitismus ist jedoch das Ressentiment gegen Juden, weil sie Juden sind – und nicht der Protest gegen die Unterdrückung von Millionen von Palästinensern, die keine Verantwortung für die Verbrechen Nazi-Deutschlands an den Frankfurter Juden tragen."

Antisemitismus-Keule

Veranstaltungen mit Udi Aloni, Judith Bernstein, Dror Dayan, Felicia Langer, Gideon Levy, Abraham Melzer, Rolf Verleger, Moshe Zimmermann oder Moshe Zuckermann werden immer wieder von den "Freunden Israels" attackiert, zensiert oder verhindert.

 

Die israelische Regierung und die deutschen Behörden, die im Auftrag der reaktionären "Freunde Israels" agieren, bedienen sich dazu in perfider Weise der Antisemitismus-Keule.