Montagsdemo Gelsenkirchen

Gegenpol zum Rechtsruck der Regierung

Die Montagsdemo gewinnt sichtlich an Anziehungskraft. Die lebendige Auswertung der Wahlen auf offener Straße zog einen großen Kreis von Mitstreitern und Passanten an.

Von Martina Reichmann und Thomas Kistermann

Die Suche vieler Menschen nach einer Alternative zeigte sich auf der 644. Gelsenkirchener Montagsdemo am 25. September. Im Brennpunkt standen die Wahlergebnisse mit dem Sinkflug der bürgerlichen Parteien. Das Volk hat sich von denen, die sich so gern demokratische „Volksvertreter“ nennen, abgewendet. CDU/CSU und SPD rauschten auf einen historischen Tiefstand seit 1949.

Woher der Aufwind für die AfD?

Am offenen Mikrofon gab es eine rege Auseinandersetzung, woher der Aufwind für die AfD rührt. Klare Meinung zu dem Katzenjammer, wie er auch in der WAZ verbreitet wird: Wer systematisch in Zeitungen und TV eine rassistische und faschistoide Partei hochpäppelt, ihr Spielräume gibt, muss sich hinterher nicht wundern. Diese Heuchelei stand scharf in der Kritik. Die Bundesregierung, die Medien tragen Verantwortung für den Aufstieg der AfD.

 

Dazu Stefan Engel, MLPD: „Erinnert euch: Nach den Landtagswahlen im Mai hatten sie wieder etwas verloren, sind auf sieben Prozent bei den Umfragen runter. Erst in den letzten Wochen, seit dem G20-Gipfel in Hamburg, als die Bundesregierung meinte, man müsse den Hauptstoß gegen links richten und infolge eine sogenannte Linksextremismus-Kampagne gestartet hat, hat sich die AfD als Oberscharfmacherin profilieren können und hat mit dieser Kampagne gegen links die rechte Flanke aufgemacht.“ ...

Mit den AfD-Wählern diskutieren

Für die Montagsdemo ist klar, dass sie in diesen Zeiten große Herausforderungen sieht und annimmt: eine überlegene antifaschistische, antirassistische, demokratische Bewegung mitaufzubauen, um dieser rechten Entwicklung entgegenzutreten. Von den bürgerlichen Parteien ist das nicht zu erwarten.



Monika Gärtner-Engel, Moderatorin, formulierte: „Wir sind als Bürgerinnen und Bürger und auch als Montagsdemonstranten gefordert! Aber wir dürfen es uns nicht so leicht machen, uns nicht auf Demonstrationen gegen rechts beschränken. Wir wissen, wo die AfD-Wähler stark sind. Da müssen wir hin, in die Stadtteile, diskutieren, Flagge zeigen! Wir müssen mit den Leuten reden, sie herausfordern, sie können sich nicht rausreden mit Protestwahl!“

Protest ist links

Ein Passant fühlte sich angesprochen. „Die 17 Prozent AfD-Wähler, die haben doch aus einem Grund gewählt. Weil alles schief läuft, ob das Hartz IV ist, Niedriglöhne usw.“ Daran entfaltete sich die Debatte: Wer die sozialen Probleme lösen will, kann das nicht mit der AfD, die selbst die soziale Demontage vorantreibt. ... Die Kritiken an der dramatischen Verarmung und Massenarbeitslosigkeit kann man nicht mit der AfD verfolgen. Protest ist links! Wer protestieren will, gehört auf die Montagsdemo, in die Gewerkschaft, in die kämpferische Opposition, in das Internationalistische Bündnis!"