Katalonien

Spanische Regierung übt massiven Druck aus

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte offenbar gedacht, mit offener Unterdrückung und dem brutalen Einsatz der Bürgerkriegspolizei Guardia Civil die Befürworter des Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober einzuschüchtern. Doch das Gegenteil war der Fall.

Von us

Inzwischen musste sich der Regierungsvertreter Ínigo Méndez aufgrund der großen Empörung der Bevölkerung nicht nur in Katalonien, sondern in ganz Spanien und Europa, Protesten von Amnesty International und dem hohen Kommissar für Menschenrechte offiziell für das brutale Vorgehen entschuldigen.


Doch das ist keinesfalls mit einer allgemeinen Änderung der Haltung der spanischen Regierung gegenüber der Unabhängigkeitsbestrebungen verbunden. Die Rajoy-Regierung erkennt das Referendum, bei dem sich 90 Prozent der Wahlbeteiligten für eine Unabhängigkeit Kataloniens aussprachen, weiterhin nicht an.

Zentralregierung übt Druck auf Banken und Konzerne aus

Sie versucht, eine Sitzung des katalanischen Regionalparlaments am kommenden Dienstag zu verhindern und fordert Neuwahlen. Vor allem forciert sie gegenwärtig die Unterdrückung über den Weg, Druck auf Banken und Konzerne auszuüben.

 

Sie sollen ihre Firmensitze nach Madrid oder in andere Regionen Zentralspaniens zu verlegen, um damit Katalonien wirtschaftlich zu schwächen. In Katalonien sind sehr viele internationale Konzerne ansässig.

 

Die Regierung versucht, damit Druck  auf die Mitglieder des katalonischen Regionalparlaments auszuüben und stellt sich zugleich darauf ein, im Falle einer Abspaltung wichtige Teile der Wirtschaft dem katalonischen Einfussgebiet zu entreißen.

Massenproteste in ganz Spanien

Heute fanden in ganz Spanien Massenkundgebungen und -demonstrationen mit zehntausenden Beteiligten für den Verbleib Kataloniens in Spanien statt.

 

Auffallend war, dass sich die Demonstranten in den meisten Interviews keineswegs aggressiv gegenüber der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung äußerten, sondern die gemeinsamen Interessen, die Notwendigkeit des Zusammenhalts und des Dialogs betonten. Damit wandten sie sich auch gegen die rigorose Unterdrückungspolitik der Zentralregierung.