Charité Berlin

Warum Streikabbruch trotz Kampfbereitschaft?

Mit einer deutlich gesteigerten Ankündigungen von Bettensperrungen, Bereichsschließungen und OP-Ausfällen hatte sich die Belegschaft der Charité auf den erneuten Streikbeginn am 4. Oktober vorbereitet.

Korrespondenz aus Berlin

Offensichtlich beeindruckt von der wachsenden Streikbereitschaft reagierte der Charité-Vorstand und seine Dienstherren der Berliner SPD/Linkspartei/Grünen-Senat mit einem neuen „Angebot“ der Wiedereinsetzung des im Mai seitens ver.di wegen Wirkungslosigkeit gekündigten Tarifvertrags-Gesundheitsschutz.

Neues Angebot ist alter Wein in neuen Schläuchen

Das plötzliche „Angebot“ ist aber nur alter Wein und dazu auch noch in alten Schläuchen. Nirgendwo beinhaltet sind wirklich verbindliche Regeln der Personalbemessung und dann auch realen Personalbesetzung durchzusetzen. Verhandelt werden soll lediglich den alten TV-Gesundheitsschutz wieder in Kraft zu setzen, mit einem besseren Reporting, garniert mit Wellnesskursen. Reporting ändert aber nichts an den katastrophalen Arbeitsbedingungen.

 

Schon der alte TV-Gesundheitsschutz ist aus Sicht der KollegInnen gescheitert weil nirgends wirklich verbindliche Regeln darin enthalten sind. Im Gegenteil, das Personal soll rückblickend über zwei Quartale im Durchschnitt bemessen werden.

Überausbeutung wächst seit dem Inkrafttreten des TV-Gesundheitsschutz weiter

So wuchs die Überausbeutung seit dem Inkrafttreten des TV-Gesundheitsschutz nur noch weiter. Eine Kollegin berichtet: „Am Montag nach der ersten Streikwoche hatte ich Spätschicht und war wieder mal alleine mit weit über 20 zum Teil schwerkranken Patienten. Trotz Protest und Überlastungsanzeige wurde ich seitens der Vorgesetzten gezwungen alleine zu arbeiten.“

 

Die Erfahrung der Charité-KollegInnen unterstreicht: ohne klare Quoten für die Intensivstation von einer Pflegekraft für zwei Patienten, auf den Normalstationen von 5:1 in der Frühschicht und verbindliche Vorgaben für andere Bereiche in der Verwaltung usw., sowie das Recht der KollegInnen zu selbständigen Leistungseinschränkungen und Bettensperrungen bei fehlendem Personal, wird die Situation weiter eskalieren.

 

Das steht diametral zu den Profitinteressen der Klinikleitung und des Berliner Senats mit seiner Verpflichtung zu einem Jahresplus von zuletzt ca. 8 Millionen Euro bei gleichzeitiger Unterfinanzierung der Investitionsverpflichtungen.

 

Es gibt vielfältige Kritik am Streikabbruch. KollegInnen berichten: „Wir sind nicht mehr bereit, die Zustände auch nur einen Tag hinzunehmen. Es ist doch eine Erfahrung aus den letzten elf Jahren: Immer wenn wir den Streik abbrachen, hat der Charité-Vorstand das arrogant und überheblich ausgenutzt.“ „Die Frage ist, warum ver.di nicht die deutlich gewachsene Streikbereitschaft nutzt, um die Forderungen der KollegInnen und kämpferischer Gewerkschafter durchzusetzen“ „Das Streikziel war doch nicht die Wiederaufnahme von Verhandlungen und dann noch mit einer bis November oder gar Dezember bestehenden ' Friedenspflicht'.“

So ändert sich an der Grundsituation nichts

Man braucht nicht orakeln, dass sich an der Grundsituation so nichts ändern wird. Die Vorbereitung eines neuen wirkungsvollen Streiks ist Anlass und gute Gelegenheit in diesem Sinne den gemeinsamen Kampf neu zu beraten und die Frage zu lösen, den gleichzeitigen und gemeinsamen Kampf aller Beschäftigten im Konzern zu organisieren. Eine Belegschaft - Ein Tarifvertrag - Ein Kampf! Es wird spannend werden.