Türkei

Begeisterndes Soli-Konzert „Freiheit für Meşale Tolu“

400 Menschen kamen am 7. Oktober nach Ulm, um ihre Solidarität für die Freilassung von Meşale Tolu und allen anderen zu Unrecht in der Türkei inhaftierten Journalisten und politischen Gefangenen auszudrücken.

Korrespondenz aus Ulm
Begeisterndes Soli-Konzert „Freiheit für Meşale Tolu“
Meşale Tolu (Foto: Freundeskreis Freiheit für Meşale Tolu)

Die in Ulm aufgewachsene Meşale Tolu ist seit dem 30. April zusammen mit 23 anderen Frauen in einer Zelle eingesperrt. Bei dieser Verhaftung wurde Meşale ihr Sohn weggenommen und zu einer fremden Familie gebracht. Man konnte aber durchsetzen, dass Serkan wenigstens wieder zu seiner Mutter gebracht wurde. Serkans Vater, der Ehemann von Meşale, war bereits Anfang April in der Türkei verhaftet worden.

Bewegende Beiträge

So gab es sehr bewegende Beiträge von Meşales Vater, von ihrer Schwester, die einen Brief von Meşale vortrug, in dem sich Meşale über die mittlerweile weltweite Solidarität mit herzlichen Worten bedankte und deutlich machte, wie wichtig für die politischen Gefangenen alle Formen von Solidarität sind, die sie auch hinter dicken Gefängnismauern erreichen.

 

Der Oberbürgermeister von Ulm, der die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte, sprach von der Solidarität einer Stadtgemeinschaft und dass er auf einen rechtsstaatlichen Prozess in der Türkei hoffe.

Rechtsanwältin kam extra aus Istanbul

Die Rechtsanwältin von Meşale, die extra aus Istanbul angereist war, machte deutlich, dass von „Rechtsstaatlichkeit“ keine Rede sein könne. Viele Richter und Anwälte sind vom Erdoğan-Regime entlassen und teilweise sogar verhaftet worden, die neu eingesetzten Juristen haben vor allem das AKP-Parteibuch, aber teilweise nicht mal ein juristisches Examen.

 

Deshalb sei der Prozess ein politischer Willkürakt, bei dessen Ausgang man sich auf alles einstellen müsse. Nächsten Mittwoch und Donnerstag sind die ersten Verhandlungstermine von Meşale.

 

Eine Kollegin von Meşale von der sozialistischen Nachrichtenagentur ETHA machte deutlich, dass das faschistische Erdoğan-Regime die politischen Gegner mundtot machen wolle, was ihm aber nicht gelingen werde.

Mehr als 160 Journalistinnen und Journalisten im Gefängnis

Ein Vertreter von Reporter ohne Grenzen zeigte auf, dass alleine in der Türkei über 160 Journalistinnen und Journalisten im Gefängnis sitzen und damit mehr als die Hälfte der weltweit derzeit bekannten Fälle.

 

Zwischen den Wortbeiträgen gab es mitreißende Musik. Die türkisch/kurdische Gruppe Edika war aus Frankreich angereist, die Gruppe Feschtagsmusik aus dem benachbarten Blaubeuren. Besonders herzlich wurde Pinar Aydinlar vom Publikum begrüßt, der eine zehnmonatige Haftstrafe bei ihrer Rückkehr in die Türkei droht.

Dank an alle Unterstützer

Cengiz, der Moderator der wöchentlichen Soli-Kundgebungen in Ulm bedankte sich bei allen, die seit Wochen immer dabei waren. Stellvertretend für diese alle holte er die Oma von Meşale, zwei weitere Frauen und eine frühere Lehrerin von Meşale auf die Bühne.

 

Die dreiköpfige Pop-Punk-Band Long Way Home, die viel junges Publikum angezogen hatte, fetzte zum Abschluss mit rockigen Klängen und Liedern „zwischen Freude, Liebe und Melancholie“ und beendete einen mitreißenden, bewegenden Abend.