Morddrohungen

Breite Solidarität in der Gelsenkirchener Hauptstraße

In einer ersten Runde haben wir am Donnerstag mit dem Flugblatt die Geschäfte rund um den Hauptmarkt und in der Hauptstraße besucht.

Korrespondenz aus Gelsenkirchen

Wir wollten alle Nachbarn über die Morddrohungen gegen Monika Gärtner-Engel und gegen Bewohner unseres Hauses informieren und die Solidarität organisieren. Wir waren uns einig, dass der beste Schutz die Öffentlichkeit und der Zusammenhalt unter den Anwohnern ist.

Spontane Solidarität

Die meisten waren erstaunt, dass es das bei uns gibt und empört über die Frechheit und Hinterhältigkeit der Faschisten. Viele erklärten sich spontan solidarisch und versprachen, uns zu schützen und ein wachsames Auge auf unser Haus, den Treff International und den Laden people to people zu haben. Viele von ihnen sind selbst Migranten, bedankten sich für die Information und wir versprachen uns gegenseitig, gut auf uns aufzupassen:

 

  • „Das kann doch nicht sein, ist es schon soweit gekommen?! Da müssen wir zusammenhalten, das geht zu weit!“

 

  • „Wir sind ja nicht unbedingt mit euch einverstanden, aber das geht zu weit. Auf uns könnt ihr bauen!“

 

  • (mit Blick auf das Bild von Monika Gärtner-Engel): „Ja, die kenne ich von der Montagsdemo. Die ist mutig, da will ich helfen. Ich komme am nächsten Montag!“

 

  • (in der Kneipe nebenan): „Ich bin ja nicht unbedingt gegen die AfD, aber das geht zu weit; da müssen wir am Platz hier zusammen halten. Wir passen auf!“

Flugblatt ausgehängt

In der Pizzeria um die Ecke wurde das Flugblatt gleich ausgehängt; wir mussten versichern, dass wir aktiv sind gegen alle Faschisten, unabhängig von ihrer Nationalität, und es entwickelte sich eine Diskussion über die internationale Solidarität und die notwendige breite antifaschistische Einheit.

 

Kurdische Freunde aus der Nachbarschaft sind hell empört: „Wir versprechen euch, dass ihr uns Tag und Nacht erreichen könnt und - wenn's sein muss - kommen wir mit einer ganzen Brigade!“

Interesse und harte Kontroversen am Infostand

Gestern am Infostand waren nahezu die Hälfte der Passanten interessiert, hörten kurz zu und nahmen das Flugblatt. Es entwickelten sich einige längere Gespräche und wir erfuhren, dass sich viele Leute Gedanken machen, wie es überhaupt weitergehen soll nach den Wahlen. Vertrauen in eine neue Regierung aus den alten Parteien hatte kaum jemand.

 

Ein junger Kollege – sein Bruder arbeitet bei thyssenkrupp – überlegte, wie eine funktionierende Gesellschaft aussehen könnte. Wie manch anderer auch, konnte er sich noch nicht durchringen, die Internationalistische Liste/MLPD zu unterstützen, aber er nahm Flugblätter, AfD-Broschüre und das Parteiprogramm der MLPD mit, um sich damit zu beschäftigen.

 

Aber viel zu viele waren auch ignorant, bekundeten Desinteresse, lehnten ein Gespräch mit uns ab. Einer schimpfte ungefragt auf die Flüchtlinge, die überall Geld kassierten und – nach Einwänden von uns – beschimpfte er uns gleich mit. Ein junger Familienvater meinte, „Merkel muss weg“, und die AfD sei noch gar nicht stark genug. Keiner von diesen ließ sich auf ein Gespräch mit uns ein, wollte überhaupt Argumente hören, aber wir werden auch bei denen am Ball bleiben.