Massenentlassungen geplant

Testfall Air Berlin?

In einem Schreiben an die Beschäftigten teilte Air Berlin mit, dass der Flugverkehr der insolventen Fluggesellschaft ab 28. Oktober eingestellt wird.

Von gp/ms
Testfall Air Berlin?
Dem Bodenpersonal von Air Berlin droht die Kündigung (foto: Hannes Sallmutter-FOTOREPoRT.at (CC BY-SA 3.0))

Nicht davon betroffen sind die Air Berlin-Töchter Niki und Walter sowie die 38 Maschinen, die für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian fliegen.

Air Berlin-Maschine im Hangar (foto: J. Patrick Fischer (CC BY-SA 3.0))
Air Berlin-Maschine im Hangar (foto: J. Patrick Fischer (CC BY-SA 3.0))

In Kürze

  • Air Berlin will nach internen Mitteilungen bis Ende Oktober 1.400 Beschäftigte kündigen
  • Massenentlassung wäre neue Qualität der Arbeitsplatzvernichtung
  • Beschäftigte müssen sich für Kampf um jeden Arbeitsplatz entscheiden - breite Solidarität ist ihnen sicher

In einer Mitarbeiterinformation des Betriebsrats Nord vom 6. Oktober, zuständig für Bodenpersonal und Verwaltung, heißt es: "Alle Mitarbeiter werden gekündigt!" Das gilt laut Betriebsrat für 1.400 Beschäftigte des Bodenpersonals und der Verwaltung und soll bis Ende Oktober erfolgen. Das sei „wie ein Schlag ins Gesicht“ der Betroffenen. Jetzt wolle der Vorstand die Abwicklung der Fluggesellschaft und der Arbeitsplätze „im Schweinsgalopp“ durchführen.

 

Ein Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit dazu: „Bei den Verhandlungen geht es nur um Flugzeuge, Landerechte usw. Die sozialen Belange der Beschäftigten interessieren offensichtlich keinen. Und von den Politikern hört man nur Luftblasen!“

Massenentlassungen – ein Hammer

Die Durchführung von Massenentlassungen in diesem Umfang wäre eine neue Qualität der Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland. Als Bestandteil des sich abzeichnenden weiteren Rechtsrucks der künftigen Regierung sollen hier offenbar neue Saiten aufgezogen werden.

 

Das würde eine Kraftprobe mit der Arbeiterbewegung einleiten. Die Beschäftigten bei Air Berlin stehen auch aus diesem Grund vor der schwierigen Entscheidung, sich abzufinden oder den Kampf aufzunehmen.

Air Berlin-Beschäftigte stehen nicht allein

ver.di hatte mit Air Berlin bereits einen Rahmentarifsozialplan ausgehandelt, der die Bedingungen für Abfindungen und die Einrichtung einer Transfergesellschaft regelt. Die potenziellen Aufkäufer der insolventen Airline – momentan vor allem Lufthansa und Easyjet - wollen davon aber nichts wissen.

 

Solche Instrumente des „sozialverträglichen Arbeitsplatzabbaus“ dienen ohnehin zu nichts anderem, als den Beschäftigten ihre Arbeitsplätze „abzukaufen“. Das war schon bisher nicht zu akzeptieren und hat sich als Sackgasse erwiesen. Stattdessen ist es notwendig, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen.


Dabei stehen die Air Berlin-Beschäftigten nicht alleine. Auch die Stahlarbeiter kämpfen gegen Massenentlassungen, bei Opel/PSA gibt es Gerüchte über die Schließung ganzer Werke.

Verschärfter Konkurrenzkampf um Flugverkehrsmarkt

Air Berlin ist die dritte Insolvenz einer europäischen Fluggesellschaft in diesem Jahr. Bereits im Mai hatte die italienische Fluggesellschaft Alitalia mit 12.500 Beschäftigten Insolvenz angemeldet, dann folgte Air Berlin im August mit über 8.000 Beschäftigten und Anfang Oktober dann die britische Fluggesellschaft Monarch mit 2.500 Beschäftigten.

 

Experten gehen davon aus, dass weitere Fluggesellschaften – vor allem aus dem Segment der Billigflieger – folgen werden. Diese Entwicklung ist eine Folge der Verschärfung des Konkurrenzkampfes auf dem internationalen Flugverkehrsmarkt durch neue Billigflieder wie z.B. Ryanair, vor allem aber durch Konkurrenten aus neuimperialistischen Länder wie Emirates aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Türkish Airlines.

Ein „deutscher Champion“?

Es spricht viel dafür, dass die Übernahme von Air Berlin durch Lufthansa von langer Hand vorbereitet wurde. Noch-Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fordert: „Wir brauchen einen deutschen Champion." Als ob es für die Arbeiter und Angestellten entscheidend wäre, ob sie bei einem „deutschen“ Unternehmen arbeiten oder nicht. Die Arbeiter können nicht in nationalen Grenzen denken, sondern müssen sich länderübergreifend gegen die internationalen Konzerne zusammenschließen.

MLPD Ansprechpartner Nr. 1

Wenn es darum geht, ist die MLPD Ansprechpartner Nummer 1. Sie unterstützt die Arbeiter bei der Auswertung ihrer Kampferfahrungen für zukünftige Auseinandersetzungen – wie es die Opelaner mit ihrem Buch „Was bleibt … 10 erkämpfte Jahre Opel Bochum 2004 bis 2014“ getan haben. Die MLPD wird den Air Berlin-Beschäftigten genauso wie den Opelanern und den Stahlarbeitern mit ihrem ganzen Know-How zur Seite stehen.

 

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